Kurtaxe / Bildungsreisen

Liebe Gäste, seit Mai 2017 ist nach vielen Jahren durch die Gemeinde Zinnowitz eine neue Kurtaxensatzung in Kraft gesetzt worden.

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Preise

Der Preis für eine Übernachtung in St. Otto setzt sich aus drei Teilen zusammen: aus dem Zimmerpreis, aus den Tagessätzen (Servicepaket), aus eventuellen Zusatzleistungen.

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familie

Entenkken

St. Otto, April 2021

„Mit dem Wind“...

… einfach alles hinter sich lassen! Das geht ganz prima, wenn der Wind mal so richtig von hinten schiebt. 30 oder auch 40 km/h sind dann auch auf dem nicht motorisierten Fahrrad überhaupt kein Problem. Ein herrliches Gefühl, wenn die Landschaft förmlich an einem vorbeifliegt und alles, aber auch wirklich alles hinter einem zurückbleibt: Der Ärger des Tages. Die ganzen unerledigten Dinge, die Alltagssorgen, üble Krankheiten und Viren. Einfach all die Dinge, die uns im Leben so oft runterziehen, ausbremsen, den Tag vermiesen. Alles fällt wie weggeblasen von einem ab, wie der Kokon einer Raupe oder die Eierschale, die das Osterküken hinter sich lässt. Schon erstaunlich, wie einfach man dem ganzen Ballast davonradeln kann, der einem normalerweise bleischwer an Körper, Geist und Seele zu hängen scheint

Und wenn man schließlich anhält? Kommt dann alles einfach zurückgeschwappt? Holt uns der hauseigene Problem-Müllberg wieder ein oder begräbt er uns gar wie eine Monsterwelle unter sich, um uns für unseren Fluchtversuch zu bestrafen? Denn abgeschüttelt, das wissen wir, haben wir die Probleme auf dem Rad nicht. Dafür ist auch der stärkste Rückenwind zu schwach.

Ist also dieses wunderbare Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit im Moment des Anhaltens nur noch ein laues Lüftchen in unseren Erinnerungen? Nein! Auf eine ganz eigentümliche und unerklärliche Weise wirkt der Rückenwind nach, beflügelt uns manchmal sogar beim Lösen einzelner Probleme und lässt andere längst nicht mehr so bedrückend und übermächtig erscheinen. Schließlich hat man sie ja unterwegs ganz prima abhängen können. Zumindest für eine Weile. Und wenn das auf dem Rad mit so einem bisschen Rückenwind gelingt, dann kann es doch auch nach dem Anhalten und Absteigen nicht so schwer sein, die Dinge besser in den Griff zu bekommen.

Der Trick mit dem Rückenwind funktioniert übrigens auch auf dem Surfbrett, mit dem Segelboot, beim entspannten Joggen oder sogar – wenn auch nicht unbedingt umweltfreundlich – auf dem Motorrad oder im Auto. Da ist dann auch die Windrichtung relativ egal. Nur die Straße sollte frei sein, denn im Stadtverkehr versperren zu viele Hindernisse, Ampeln und Vorfahrtsregeln den fliegenden oder auch fliehenden Gedanken den Weg.

Aber ist das eigentlich gut und richtig? Darf man vor seinen Problemen einfach so davonradeln? Sich aus dem Staub machen und alles hinter sich lassen? Jesus hat das doch auch nicht gemacht. Er ist nicht davongelaufen! Dabei hatte er durchaus Optionen. Statt Gethsemane, Verurteilung und Kreuzigung hätte er einfach rechtzeitig auf einer Wolke Platz nehmen können, für ordentlichen Aufwind gesorgt und –Huiii – hätte er den ganzen Ärger auf dieser Erde unter und hinter sich gelassen. Kein Verrat, keine Folter, kein Kreuz – aber auch keine Auferstehung, kein Ostern.

Er hat sich für den schweren Weg entschieden. Sei es aus Fürsorge und Liebe zu uns Menschen, aus Pflichtbewusstsein gegenüber Gott, im Bewusstsein um seine Rolle und Verantwortung im Kontext der Heilsgeschichte oder aus einem ganz anderen Grund.

Einfach abhauen oder wegradeln war schon damals keine Lösung. Das wusste Jesus und das wissen wir. Wirklichen Problemen kann man nicht entkommen. Das schaffen nicht einmal die Astronauten mit ihrer Rakete oder Speedy Gonzales, die schnellste Maus von Mexiko. Durchaus hilfreich und legitim ist es aber in meinen Augen, sich ab und an Luft zu verschaffen, den Rückenwind zu nutzen, um durchzuatmen, die Fesseln abzustreifen, um sich zu strecken und zu dehnen – und so einen klaren und unbelasteten Blick auf das gesamte Problemgemenge hinter sich werfen zu können. Und selbst wenn dann die Analyse der Problemlage in ein „Augen zu und durch!“, mündet, dann heißt es: Vom Rad absteigen! Aufrichten! Allen Mut zusammennehmen und Problem angehen! Das alles sollte uns als Christen möglich sein, im festen Wissen darum, dass auf jeden Karfreitag das Osterfest folgt.

Nehmen Sie also den ersten warmen Frühlingswind in ihrem Rücken dankend an. Denken Sie nicht an den Gegenwind, denn der kommt früh genug. Tanken Sie stattdessen beim Dahingleiten Kraft und Mut, und nutzen Sie die Chance, um einen klaren Blick auf sich und die Welt zu gewinnen! Frohe und gesegnete Ostern!

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

Hundeleine

St. Otto, März 2021

 „Mit dem Wind“...

 … den richtigen Halt suchen. Ja, aber was ist es, das mich hält? Mein Hund braucht sich diese Frage nicht zu stellen. Der hängt ganz einfach an seiner Leine und fühlt sich richtig gut dabei. Er muss sich nicht dauernd umschauen, ob sein Rudel auch wirklich folgt, ob Herrchen vielleicht verlorengeht und um den Rückweg zum heimischen Fressnapf muss er sich auch nicht kümmern. Manchmal denke ich, er sieht das Leinen-Verhältnis ganz anders als ich. Nicht er hängt an der kurzen Leine, sondern ich bin angeleint. Was hält mich? Wer hält mich?

Da steht ein altes, halb verfallenes Haus an der Kreuzung in Mahlzow. Das Dach aus Reed und Blech zusammengeschustert und doch halb eingestürzt. Die eine Seitenwand aus Ziegelsteinen lehnt an der Holzwand der Giebelseite. Duzende Balken und Holzpfähle stützen von außen. Seile und Schnüre waren gespannt und sind längst zerrissen und das Haus steht trotzdem. Eine Ruine. Aber wer stützt da eigentlich was? Hält die Ziegelwand die Holzseite und wäre die nicht wiederum längst eingestürzt, wenn nicht der Dachstuhl auf ihr lasten würde? Oder verharrt das Gerippe aus Reed und Blech nur deshalb in luftiger Höhe, weil es sich beim Versuch zusammenzubrechen so ineinander verkeilt hat, dass es gar nicht mehr einstürzen kann? Was hält uns? Wer hält uns?

Unser Leben ist eine ständige Suche nach Halt, nach Stütze und Stabilität. Und gleichzeitig wollen wir nicht festgehalten werden, streben nach Freiheit, Selbstständigkeit und verabscheuen die Kontrolle durch andere. Wie mein Hund übrigens. Wenn Abenteuer oder Leckereien am Wegesrand locken, dann würde er liebend gern auf den Halt der Leine verzichten. Wenn sich allerdings der große, böse Wolf nähert, dann traut er sich dieses Monster nur deshalb heldenhaft zu verbellen, weil er seinen vermeintlichen Beschützer direkt und gut angeleint hinter sich weiß. 

Ein sicherer Halt macht mutig. Ein Halt, auf den ich mich verlassen kann, stellt die Basis dar, um Neuland zu erkunden. So ein Haus mit einem guten, festen Fundament verfügt über einen Halt, der einem Zelt oder einer Holzhütte fehlt. Eine glückliche Familie kann den Kindern viel Halt vermitteln, bei deren Start ins Leben. Ein guter Job und das Wissen um ein gesichertes Einkommen geben Selbstvertrauen und lassen optimistisch in die Zukunft schauen. Und doch: Oft kommt alles ganz anders. Da ist der so sicher geglaubte Job auf einmal in Gefahr, weil die Firma umstrukturiert wird. Eine Familie zerbricht durch Trennung, Krankheit oder gar den Tod eines Partners. Die Leine, die so fest und wichtig war, reißt ganz unvermittelt. Manchmal kommt diese „Haltlosigkeit“ plötzlich und unerwartet. Oft kündigt sie sich allerdings schon lange vorher an. Die splissige Leine, die man schon längst ausgetauscht haben wollte, das Haus, in dessen Pflege und Erhaltung man in den letzten Jahrzehnten weder Zeit noch Geld investiert hat, oder auch die Beziehung, die seit Jahren mehr Zweckgemeinschaft als Partnerschaft ist. Viel zu oft schauen wir dem Verfall einfach zu, ignorieren aus Bequemlichkeit, Zeitmangel, Desinteresse oder vielen anderen Gründen den Zustand unseres Ankers. Und dann wundern wir uns, wenn das Seil unvermittelt reißt, uns der Halt wegbricht und unser sicher geglaubtes Lebensgebäude in sich zusammenstürzt.

Daraus zu folgern, dass wir ständig angsterfüllt unsere Umgebung auf Standfestigkeit, Bindungskraft, Verlässlichkeit oder Perspektive hin überprüfen und für den Fall der Fälle mindestens fünf „Ersatzknotenpunkte“ in der Hinterhand haben sollten, wäre der völlig falsche Ansatz. Etwas mehr Achtsamkeit, Pflege, Wartung oder auch Sanierung anstatt alles bequem auszusitzen oder substanzielle Probleme schönzureden hat allerdings schon manches Haus erhalten, hat Beziehungen vor dem Zerbrechen bewahrt und so den Halt gesichert, den wir alle brauchen.

Halt gibt es nicht umsonst. Während die Bremsen im Auto regelmäßig vom TÜV auf ihre Funktion, ihre „Haltefähigkeit“ hin überprüft werden, sind wir für viele andere Sicherheits- und Haltevorrichtungen in unserem Leben selbst verantwortlich. Schimpfen wir also nicht auf den Hersteller oder den Hund, wenn die Leine reißt. Klagen wir nicht den Partner an, wenn die Beziehung in die Brüche geht. Fluchen wir nicht vorschnell auf die Baufirma, wenn unser Haus einstürzt. Fragen wir uns stattdessen lieber, was wir eigentlich zum Erhalt der Beziehung, des Hauses oder meinetwegen auch der Hundeleine beigetragen haben. Und das am besten rechtzeitig, denn manchmal gibt es – wie beim Fallschirm – noch eine zweite Leine, eine zweite Chance bevor alles in zerreißt oder in sich zusammenstürzt.

Und wenn so ein wichtiger Halt dann schließlich doch, trotz liebevoller Pflege, sorgfältiger Wartung und viel Zuwendung und Aufmerksamkeit - oder auch ganz plötzlich - wegbricht? Dann gibt es da natürlich noch den Halt, der uns Christen unser ganzes Leben begleitet. Oft ist er ganz tief unter all dem Alltagströdel, der uns umgibt, vergraben und muss zunächst mühsam gesucht und vielleicht auch erst einmal aktiviert werden. Manchmal liest sich die Gebrauchsanleitung zunächst etwas mühsam, aber im Grunde ist sie auch für den Laien leicht verständlich. Ja und schließlich braucht es Mut, einem eher antiquierten und aus der Mode gekommenen Halte- und Sicherheitssystem zu vertrauen. 

Aber glauben Sie mir: Das System hält, was es verspricht! Anwendungsfehler können nahezu ausgeschlossen werden und auch die Nebenwirkungen sind vollkommen unschädlich. 

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor  

 Welle 1

 

                     St. Otto, Februar 2021

„Mit dem Wind“...

… ab in die nächste Welle. Die nächste Welle? Im Februar? Der spinnt wohl! Das zumindest denke ich immer, wenn ich die Eisbader bei ihren Events beobachte. Keine 10 Seehunde würden mich dazu bringen, mit Anlauf und voller Absicht in die 2°C kalte Ostsee zu springen. Brrrr! Allerdings: Gut ausgerüstet, mit Gummistiefeln und dicken Socken, kann ich mir auch im Winter eine vorsichtige Begegnung mit dem eiskalten Nass vorstellen.

Natürlich muss man sich sehr in Acht nehmen. Nicht dann, wenn die Ostsee wieder einmal spiegelglatt, wie ein ausgeschalteter Flachbildschirm oder eine schläfrige Flunder, in den spärlichen Wintersonnenstrahlen badet. Das kommt in den Wintermonaten aber eher selten vor. Denn Dezember, Januar und Februar sind die Monate, in denen sich selbst die Ostsee, die kleine Schwester von Nordsee und Atlantik, mal so richtig ins Zeug legt und zeigt, was sie in den Fächern „Sturmbrausen“, und „Wellenberge auftürmen“ schon so alles gelernt hat.

Bei nasskalter, stürmischer Witterung kann die Begegnung zwischen Gummistiefel und Welle schon mal zu einer echten Herausforderung für den beschuhten Wasserfreund werden. Wellen, die sich dem Strand nähern, sind nämlich vor allem Eines: Unberechenbar! Zumindest auf den ersten Blick. Aber ganz so mysteriös und überraschend ist die Welt der Wellen dann doch nicht, und damit der nächste Strandausflug bei Sturm nicht mit einem überfluteten und eiskalten Gummistiefel endet, gibt es an dieser Stelle die „Kleine Wellenkunde Teil 1“. Praxiserprobt natürlich und mehrfach evaluiert.

Beginnen wir mal mit den richtigen Brechern, die mit einem mächtigen Aufschlag auf den Strand rollen. Kurz vor dem Ufer schlagen sie tosend um und rollen mit mächtiger Geschwindigkeit und ohne Rücksicht auf Verluste den Strand hinauf. Da hilft nur die rasche Flucht, will man nicht im nächsten Moment bis zum Knie im Wasser stehen. Zum Glück sind diese Brecher meist rechtzeitig zu erkennen. Wer aufs Meer schaut, sieht sie heranrollen, und wer seine Augen mit Suche nach Bernsteinen schon gut ausgelastet hat, der sollte zumindest die Ohren spitzen. Die richtig ordentlichen Wellen sind nämlich nicht nur imposante Erscheinungen, sondern auch entsprechend laut, wenn sie umschlagen. Beim Zurücklaufen ins Meer behindert so ein Brecher dann allerdings auch seine Nachfolger, bremst sie aus und man ist für einige Augenblicke in Sicherheit vor neuem Ungemach. Alles in allem gilt: Große Wellen kann man rechtzeitig erkennen und größeres Unheil mit etwas Aufmerksamkeit gut verhindern.

Jetzt gibt es aber auch die Teamarbeiter unter den Wellen. Nicht besonders groß, nicht laut, nicht eindrucksvoll – aber umso nachhaltiger. Meist sind sie es, die für die nassen Füße sorgen, denn sie werden nur allzu oft unterschätzt. Vorausgeschickt wird ein kleines, unschuldiges Wellchen. Aber bevor das den Strand erreicht, sich dort totläuft und langsam zurück ins Meer fließt, nimmt es eine zweite und gern auch eine dritte Welle huckepack mit auf den Weg. Mit Vorliebe dann auch die etwas kräftigeren Exemplare. Wie bei einem Staffellauf rollt dann zuerst das kleine Wellchen auf den Strand, übergibt rechtzeitig den Staffelstab an Nr. 2 und für den Schlussläufer, die Welle Nr. 3, ist es dann ein Leichtes, den Fuß des unvorsichtigen Strandläufers zu erreichen. Wasser im Schuh – Ziel erreicht! Ich habe das ein oder andere kleine Wellenpaket schon amüsiert kichern hören, wenn es nach erfolgreicher Arbeit sanft und ohne großen Aufruhr wieder ins Meer zurückgeflossen ist.

Wellen haben derzeit nicht unbedingt Hochkonjunktur, was ihren Beliebtheitsgrad betrifft. Das liegt aber weniger am Wasser als vielmehr an der flexiblen Verwendung des Begriffs in anderen Bereichen. Darüber möchte ich aber an dieser Stelle nicht nachdenken. Das tun wir schon den ganzen Tag und mindestens die halbe Nacht.

Nehmen wir die Ostseewellen, wie sie sind – und doch an der ein oder anderen Stelle unseres Lebens zum Anlass, nicht gleich die ganz große Keule oder den Hammer auszupacken, sondern uns nach einem erfolgversprechenden Team umzuschauen, um die Probleme und Aufgaben, die uns das Leben stellt, zu bewältigen. Wir in St. Otto versuchen das.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor  

PS: Wer noch mehr über unsere Ostseewellen lesen möchte, dem empfehle ich die Kolumne zum Gummistiefel unter folgendem Link: http://constantin-wolgast.com/Specials/Der-Gummistiefel/

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