Kurtaxe / Bildungsreisen

Liebe Gäste, seit Mai 2017 ist nach vielen Jahren durch die Gemeinde Zinnowitz eine neue Kurtaxensatzung in Kraft gesetzt worden.

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Preise

Der Preis für eine Übernachtung in St. Otto setzt sich aus drei Teilen zusammen: aus dem Zimmerpreis, aus den Tagessätzen (Servicepaket), aus eventuellen Zusatzleistungen.

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familie

Bienenksten 2

                                               St. Otto, Oktober 2021

 „Mit dem Wind“...

… ist er ganz plötzlich wieder da, der „Schattenmonat“ Oktober! Schatten? Oktober? Ist denn die Frage, ob man im Café lieber im Schatten oder in der Sonne sitzen möchte nicht eher im Juli oder August angebracht? Zumindest sind das die Monate, in denen meine Frau und ich selten einer Meinung sind, wenn es um den besten Sitzplatz geht. Sie Schatten und ich Sonne. Daran hat sich in den letzten 29 Jahren nichts geändert. Wie gut, wenn beides vorhanden ist. Wobei ich mich regelmäßig benachteiligt fühle. Für Schatten kann man leicht durch einen gut platzierten Schirm, einen Sonnenhut oder auch eine Pergola sorgen. Aber wer sorgt für Sonne, wenn am Himmel wieder einmal dicke Wolken ihr Unwesen treiben? Die Welt ist so ungerecht – und immer auf Seiten meiner Frau!

Aber zurück zum Oktober und den langen Schatten, die von der tiefstehenden Sonne an einem wolkenarmen Tag wie aus dem Nichts auf den Boden gezaubert werden. An einem schönen Frühherbstnachmittag ist es meist soweit: Freundlich grüßend fährt auf einer Feierabendfahrradrunde mein Schatten neben mir. Überholt in der nächsten Kurve oder bleibt bescheiden zurück, wenn die Straße sich in die entgegengesetzte Richtung windet. Ein treuer Begleiter, kein Gegner, der mir davonradelt. Fest verbunden mit mir und meinem Rad folgt er mir durch Dick und Dünn, bergauf und bergab – bis zur nächsten Wolke. Dann ist er ganz plötzlich verschwunden, nur um Sekunden später in einer Wolkenlücke wieder vor, hinter oder neben mir aufzutauchen. Aus einer einsamen Ausfahrt wird so eine gemeinsame Tour durch die Herbstsonne. Wenn ich dem Schatten zuwinke, dann winkt er freundlich zurück, wenn ich an einer Steigung aus dem Sattel muss, dann schließt er sich ungefragt an. Eigentlich schön, denn so ein Schatten stört auch nicht die wunderbare Stimmung einer solchen Spätherbstrunde durch lautes Herumquatschen oder neugierige Fragen. Und die Entscheidung, in welche Richtung es gehen soll überlässt er gerne mir.

Einen Nachteil aber hat dieser Schatten, der da im Herbst so urplötzlich neben mir auftaucht. Er zeigt mir jedes Mal, dass ich wie ein nasser Sack auf meinem Rad sitze. Und was meine Frau mit all ihren Ermahnungen und gut gemeinten Hinweisen auf meine schlechte Haltung nie schafft, das gelingt diesem Schattenbild sofort: Ich drücke den Rücken durch, strecke mich, nehme Haltung an. Sieht gut aus der Mann! Fast wie ein Profi bei der Tour de France! Ein Bild von einem Rennradler! Aber spätestens nach einer halben Minute hoffe ich inständig, dass mich eine freundliche kleine Wolke erlöst und ich, unzensiert von meinem gnadenlosen Schatten, wieder in eine komfortable „Sackposition“ zusammensinken kann.

Mit der Entspannung ist es vorbei und der weitere Verlauf der Tour vorherbestimmt. Bei jeder Wolkenlücke heißt die Devise: Bauch einziehen, aufrichten, Schultern zurück! Der scheinbar so unselbstständige Schatten hat das Kommando übernommen und lässt sich, ein weiteres zunehmend lästiges Phänomen, auch nicht einfach abschütteln. Letztendlich hilft da nur der Schwenk in einen schattigen Waldweg, um die von der ungewohnten, orthopädisch korrekten Haltung schwer gebeutelten Muskeln und Sehnen nachhaltig zu entlasten. Denn hier verliert der Schatten urplötzlich die Kontrolle und muss hilflos mit ansehen, wie sein Erziehungsprogramm mal wieder gescheitert ist.

Haltung zeigen, Haltung bewahren. Das kleine Schattenspiel auf dem Rad zeigt deutlich, wie schwer uns das oft fällt. Wie gern lassen wir uns zurücksinken in unsere Komfortzone, obwohl wir wissen, dass das der falsche Weg ist. Wir lassen Probleme ungelöst liegen, in der Hoffnung, dass sich das alles schon irgendwie regelt. Wir beziehen nicht Stellung, aus Angst vor Unbequemlichkeiten, Gegenwind oder Ärger. Stattdessen bewundern wir viel lieber Menschen, denen die Haltung anscheinend in die Wiege gelegt wurde, die offensichtlich gar nicht anders können und uns das leidige und anstrengende Haltungsproblem durch ihr Engagement ersparen.

Zugegeben: Der unbarmherzige Schatten, der mir gestochen scharf meine Haltungsschwäche zeigt, der ist nicht unbedingt mein Freund. Aber stolz bin ich schon, wenn ich mal einen oder zwei Kilometer meine Haltung auf dem Rad bewahre. Sieht auch wirklich besser aus, tut den Knochen auf Dauer gut und steigert – auch das weiß ich ja – die Leistungsfähigkeit.

Haltung lohnt sich! Immer! Und es ist nie zu spät, eine gute, eine liebevolle, eine „menschenwürdige“ Haltung zu entwickeln.

Ich wünsche mir an vielen Stellen und in den unterschiedlichsten Bereichen unserer Gesellschaft mehr Mut, Energie und den klaren Willen, Haltung zu zeigen. Als Christen sollte uns das nicht schwerfallen, mit dem Blick auf Jesus, der selbst am Kreuz Haltung bewahrt und zu seinen Überzeugungen gestanden hat. Soweit müssen wir es sicher nicht kommen lassen. Aber ein wenig mehr unbequeme Zivilcourage, das könnten, das sollten – nein das müssen – wir uns leisten!

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

Strommast im Herbst

St. Otto, September 2021

„Mit dem Wind“...

… und zwischen dem Strom. Zwischen dem Strom? Naja, genau genommen neben beziehungsweise unter den Strommasten. Kenne Sie nicht mehr? Ich meine diese Masten, an denen sich die Stromleitungen in langen Wellen viele Kilometer über Felder und durch Wälder wiegen. Weniger die großen Überlandmasten, Stahlkolosse von immenser Höhe, die durch das Brummen der Starkstromleitung an ihrer Spitze nicht zu Unrecht eine furchteinflößende Atmosphäre verbreiten. Vielmehr meine ich die kleinen Holzmasten, die es auf Usedom und in anderen, eher ländlichen Gebieten noch gibt, weil sich die unterirdische Verlegung der Stromtrasse für die Betreibergesellschaft nicht rechnet.

Im Herbst dienen die schwarzen Leitungen, die sich in geringer Höhe von Mast zu Mast schwingen, den zahlreichen Zugvögeln als Startrampe in den Süden. Zu Hunderten besetzen sie die Leitungen, umkreisen die Masten und warten auf das Signal zum Aufbruch – von wem auch immer das kommen mag. Oft frage ich mich, wo sich all die reisefertigen Zugvögel ohne die schwarzen Leitungen zum Abflug verabreden würden. In einem großen Baum, auf Hausdächern oder an der Spitze eines Krans auf der Peenewerft? Auf alle Fälle müsste im Schwarm wahrscheinlich intensiv über eine neue Startbahn nachgedacht werden.

Gegen Ende des Sommers und bevor die große Reisewelle der Zugvögel einsetzt, sind die besagten Leitungen aber nur spärlich besetzt. Hier ein Spatz, dort eine Krähe und auch vereinzelte Schwalben oder Stare, die sich in luftiger Höhe in den spätsommerlichen Sonnenstrahlen räkeln. Aber was machen die da auf der Leitung? Nun gut, die Schwalben und Stare haben wahrscheinlich Angst, den Abflug zu verpassen, sind vielleicht neurotische „Zufrühkommer“ oder notorische Drängler. Aber die anderen Vögel, die den Winter über auf der Insel bleiben, was wollen die da oben auf der Stromleitung? Vielleicht auch einmal das Gefühl von Freiheit und Abenteuer genießen? Von einem langen Flug in den Süden träumen, vom Dolce Vita an den Stränden Italiens, lauen Winterabenden an der Costa Brava oder gar einem entspannten Cluburlaub an der Küste Nordafrikas? Alles viel besser als das nasskalte Winterhalbjahr an der stürmischen Ostsee, das leidige Futterproblem, wenn der Schnee die letzten Beeren und Körner verschwinden lässt, oder die mühsame Suche nach einem trockenen und nicht zu zugigen Plätzchen für die Nacht. Aber da sind ja der weite Weg und die Sprachhürde und dazu vielleicht als einziger Spatz in einem Schwalbenschwarm… . Dann doch lieber noch eine Runde im Wind schaukeln und auf einen milden Winter hoffen!

Oder nehmen die vereinzelten Vogel-Knubbel auf der Leitung nur einen gaaanz langen Anlauf in den Tag? Vor und zurück, vor und zurück, vor – und los! Oder doch noch nicht? Vielleicht hängt der ein oder andere gefiederte Leitungsschwinger aber auch einfach nur erschöpft ab, lässt nach zwei oder drei anstrengenden Brutgeschäften die Seele im lauen Ostseewind baumeln und will nur noch eines: seine Ruhe! So, oder so ähnlich stelle ich mir die Gedanken unserer einheimischen Vogelvertreter auf der großen Startrampe in den Süden vor.

Und merken Sie etwas? Haben Sie schon einmal die Insulaner gegen Ende der Saison genauer betrachtet, wenn sie vereinzelt in der Masse der abreisenden Gäste langsam wieder zum Vorschein kommen? Abgezehrt, den müden Blick verträumt in die Ferne gerichtet, den leicht schwankenden Schritt ziellos ins Nirgendwo gesetzt.

Das Brutgeschäft in diesem Sommer war tatsächlich wieder unglaublich anstrengend! Aber jetzt sind sie flügge, unsere Touristen. Gut erholt, sonnengebräunt und zurück auf dem Weg in ihre Heimat. Dazu mit allem versehen, um die anstrengenden Monate bis zum kommenden Sommer gut und erfolgreich zu meistern. Und zurück bleiben die Insulaner. Erschöpft, aber zufrieden, ihren Job erledigt zu haben. Wenn Sie könnten, würden sie sicher gemütlich auf einer der schwarzen Stromleitungen im Wind schaukeln. Aber sie finden – und das weiß ich sicher – auch andere Möglichkeiten, die Seele baumeln und die Saison ausklingen zu lassen.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

Strohballen1

St. Otto, August 2021

 „Mit dem Wind“...

… endlich mal alles in Ordnung gebracht! Das zumindest muss sich der Landwirt gesagt haben, als er seine Maispflanzen in schier endlosen, kerzengeraden Reihen auf dem Feld eingepflanzt hat. Da tanzt keine aus der Reihe, und Bewegung bringt höchstens der ein oder andere Feldhase in  die Legionen der ordentlich ausgerichteten "Maisbäume". Gestern erst bin ich an so einem Feld vorbeigekommen.

Irgendwann war dann aber Schluss mit Mais und ein wogendes Roggenfeld brachte etwas Abwechslung in die landschaftliche Eintönigkeit. Auch hier herrschte erkennbar eine gewisse Grundordnung. Die Halme ließen sich willig vom Wind in dieselbe Richtung biegen. Sanft schwangen sie im Gleichklang wie die Dünung auf der Ostsee hin und zurück. Kein Halm überragte dabei die anderen. Gerade so, als hätte ein ordnungsliebender Friseur einen riesigen Rasierer angesetzt und dem ganzen Feld einen radikalen Bürstenschnitt verpasst. Obwohl: Die ein oder andere freche blaue Kornblume und immer mal wieder eine vorwitzige rote Mohnblüte durchbrachen nicht nur farblich die goldbraune Uniformität des Feldes, sie hielten sich auch nicht an die scheinbar verordnete Einheitsgröße. Drüber und drunter setzten sie ihre Farbakzente und boten gleichzeitig dem orientierungslosen Auge Halt. Schön so ein Feld, das scheinbar ordentlich, aber auf den zweiten Blick doch alles andere als eintönig daherkommt.

Aber da gab es auch noch ein drittes Feld, gleich neben dem Roggen und kurz vor dem Abzweig nach Sauzin. Ordnung war hier nicht einmal ansatzweise zu erkennen. Hier ballte sich in wirren Haufen Heu, das, wohl am Vortag abgemäht und inzwischen getrocknet, vom Wind durch die Luft gewirbelt wurde, wie die Haare der Urlauber auf der Zinnowitzer Seebrücke.

Was für ein Chaos! Das müssen zumindest die Maispflanzen bei diesem Anblick gedacht haben und auch die Ähren des Roggenfeldes waren sicher der Ansicht, dass bei aller Toleranz ein wenig mehr Ordnung doch wohl angebracht sei. Schließlich kann auch in der Natur nicht alles völlig aus dem Ruder laufen. Wo kämen wir denn da hin?!

Hier Ordnung, da Chaos – hier Gleichklang, dort Disharmonie. Wie wunderbar, dass uns die Natur so viele lebensnahe Impulse liefert! Wäre doch herrlich, wenn unser Leben so geordnet verlaufen würde, wie uns das die wohlgeordneten Maispflanzen vormachen. Stressfrei, gut sortiert, alles an seinem Platz. Zu langweilig, eintönig und dröge? Na gut, dann wenigstens ein Leben wie im Kornfeld. Harmonie mit kleinen Farbtupfern; bunten Highlights, die Abwechslung ins Leben bringen, ohne die harmonische Grundstimmung zu beeinträchtigen. Das wäre tatsächlich schön!

Und die Realität? Die ist in der Regel so ganz anders. So gleicht unser Leben nur selten einem wohlgeordneten Mais- oder einem harmonischen Kornfeld. Stattdessen bewegen wir uns mehrheitlich zwischen chaotischen, unsortierten, wirren Heuhaufen. Nie weiß man, welcher Halm einem als nächstes in die Quere kommt, durch welchen Haufen man sich gleich wieder wühlen muss oder welche Windbö das ganze Leben von einem Moment zum nächsten so richtig durcheinanderwirbelt.

Und während der Landwirt mit Sicherheit vor dem nächsten Gewitter das lose Heu in großen, gerollten Ballen zumindest in eine Art Grundordnung bringt, müssen wir mit den Heuhaufen unseres Lebens alleine klarkommen. Da gibt es niemanden, der für uns aufräumt, unser Leben in Ordnung bringt, uns gut verpackt vor Unheil bewahrt, bei Hitze bewässert oder Schädlinge von uns fernhält.

Ein Grund zu verzweifeln? Keineswegs! Wir haben zwar niemanden, der alles für uns regelt und passend macht, aber für uns als Christen ist das auch gar nicht prioritär. Im Gegenteil: Regeln haben wir von unserem „Chef“ durchaus bekommen, die uns das Leben mit- und füreinander um so Vieles leichter machen würden. Dazu gab es im Paket ganz ungefragt aber auch die Freiheit, mit diesen Regeln verantwortlich und gut umzugehen. Tun wir das, auch wenn es manchmal ein wenig mühsam ist! Und genießen wir dabei die Eigenverantwortung im Heuhaufen, das ungeordnete „Kollektiv“ und die Beweglichkeit in Gedanken und Taten, die uns als Menschen so besonders macht.

Und allen, die sich trotzdem nach einem geordneten oder auch verordneten Leben sehnen sei gesagt: Ordnung ist das halbe Leben, aber wer will schon auf die ganze wunderbare andere Hälfte verzichten?

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

Corona-Auszeit für Familien

 

unsere Kontingente an freien Plätzen

für 2021 und 2022 im Rahmen des Programms

"Corona-Auszeit für Familien"

sind leider restlos ausgeschöpft!

Es sind keine Buchungen mehr möglich!

 

 

 

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