Kurtaxe / Bildungsreisen

Liebe Gäste, seit Mai 2017 ist nach vielen Jahren durch die Gemeinde Zinnowitz eine neue Kurtaxensatzung in Kraft gesetzt worden.

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Preise

Der Preis für eine Übernachtung in St. Otto setzt sich aus drei Teilen zusammen: aus dem Zimmerpreis, aus den Tagessätzen (Servicepaket), aus eventuellen Zusatzleistungen.

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familie

Bienenksten 2

                                               St. Otto, November 2022

 „Mit dem Wind“...

… unterwegs, am 9. Oktober. Von wegen „mit dem Wind“! Vorhergesagt war ein ordentlicher Südwind. Also bester Schiebewind auf meinem Weg zur Arbeit. Stattdessen blies er wieder einmal aus meiner „Lieblingswindrichtung“: Südost. Und saukalt!

Auf der kleinen Anhöhe hinter Wolgast hob ich kurz den Kopf, den ich zwischenzeitlich wie eine Schildkröte zwischen die Schulterblätter eingezogen hatte. Naseputzen! Und aus dem Augenwinkel sah ich den Vollmond, der rund und klar über der Peenewerft stand. Schön, da hatte ich wenigstens den Schuldigen für meinen gestörten Nachtschlaf ausgemacht: Vollmond! Na klar! Hätte ich mir ja denken können.

Und weiter ging es durch den eisigen Wind. Der Neeberger Weg lag vor mir, mit dem Blick über die Felder bis hinunter zum Achterwasser. Ein wolkenloser Himmel bereitet den Sonnenaufgang vor. Großer Auftritt! Und dann schob sie sich langsam über den Horizont, die Grand Dame des Tagesbeginns. Völlig unbeeindruckt von der Kälte. Sonne müsste man halt sein. Dann hätte man es immer schön kuschelig!

So ein Sonnenaufgang geht im Übrigen ratzfatz. Noch ehe ich Krummin erreicht hatte – also zugegeben, mein Tempo wurde durch den Wind (Sie erinnern sich?) ziemlich reduziert – stand der runde Feuerball schon ein ganzes Stück über dem Horizont und strahlte mich an.

Aber was machte eigentlich der Vollmond, der faule Kerl? Hatte der sich schon zum Morgennickerchen verabschiedet? Ich schaute mich um. Nein! Der Mond ließ sich heute mal richtig Zeit mit dem Untergehen. Und so befand ich mich plötzlich mitten zwischen zwei riesigen, leuchtenden Himmelskörpern. Der eine fahl mit deutlich erkennbaren Mondkratern und leichtem Hang zur Schläfrigkeit, die andere so strahlend hell und schön, dass man auch mit Sonnenbrille auf der verkühlten Nase besser nicht genauer hinsah, um nicht geblendet zu werden. Und dazwischen ich: schnaufend, frierend, strampelnd.

Ja und dann war sie plötzlich da, die Erkenntnis: Alpha und Omega, Anfang und Ende. Und dazwischen wir, die wir uns in unserem begrenzten irdischen Dasein abstrampeln. Nicht am Anfang steht das Licht, die Sonne, sondern am Ende unseres Lebens. Ihr gehen – oder radeln – wir entgegen. Ein gutes Gefühl, so ein schönes Ziel vor Augen zu haben. Aber auch das „Woher“ hat seine Schönheit, seinen ganz besonderen Glanz. Geborgen zwischen Monduntergang und Sonnenaufgang. Wie geht es uns als Christen gut!

Und während ich weiter mit dem eisigen Südostwind kämpfte, den Blick immer wieder zwischen Sonne und Mond oder auch Mond und Sonne schweifen ließ, da wurde es mir doch tatsächlich wärmer. Nicht an den Fingern oder der roten Nasenspitze, aber im Herzen. Gab es da nicht dieses wunderbare Spiritual von 1927: "He's got the whole world in His hands" oder auf der Deutsch: „Gott hält die ganze Welt in seiner Hand“? Genau so habe ich mich gefühlt, an diesem Oktobermorgen. Geborgen in Gottes Hand, zwischen Alpha und Omega, in allen Stürmen des Lebens!

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rekto
r

 

Scheinwerfer 2

            St. Otto, Oktober 2022

 „Mit dem Wind“...

… ist er schon wieder vorbei, der Sommer mit seinen langen, hellen Tagen voll von Sonnenschein, luftiger Kleidung und ausgelassener Urlaubsstimmung. Das Herbstgrau steht mit Regenjacke und Kapuze, Schal und wetterfesten Schuhen schon mit einem Gummistiefel in der Türe. Obwohl: Graue Miesepeter-Kleidung ist in der dunklen Jahreszeit eher nicht zu empfehlen. Die schlägt zusätzlich aufs Gemüt. Hell und bunt sollte die Herbstgarderobe daherkommen oder zumindest über den ein oder anderen leuchtenden Reflektor verfügen.

Ja und ans Rad gehört natürlich eine ordentliche Beleuchtung. Sehen und gesehen werden heißt die Devise, und dabei geht es in diesem Fall absolut nicht um persönliche Eitelkeiten, sondern ausschließlich ums Überleben.

Nun habe ich eigentlich gar nichts gegen den Herbst. Bunte Blätter und goldene Herbstsonne, weniger Autoverkehr, kürzere Tage und längere Abende, an denen man es sich mit Lesen, Klönen oder einem zünftigen Kartoffelfeuer wunderbar gemütlich machen kann. Was gibt es Schöneres, nach einer anstrengenden und oft hektischen Sommersaison?

Aber eine Sache stört mich doch am Herbst, am Winter und überhaupt an der dunklen Jahreszeit: Die Menschen werden unsichtbar! Also nicht, dass sich alle ab Oktober urplötzlich in Luft auflösen würden. Die sind schon noch da. Aber eben versteckt. In dicken Jacken, unter Mützen und Kapuzen, in Autos, Bahnen und Bussen. Und genau deshalb werden meine Mitmenschen so seltsam gesichtslos. Während mir im Sommer, auf meinem Weg zur Arbeit, gefühlt die halbe Insel – Schülerinnen und Schüler, die arbeitende Bevölkerung oder auch die „Lärchen“ unter unseren Urlaubern – radelnd und freundlich grüßend entgegenkommt, bin ich im Winterhalbjahr fast immer allein unterwegs. Und auch die Autofahrer, die im Sommer freundlich hinter ihren Windschutzscheiben lächeln oder winken – im herbstlichen Dunkel bleibt davon nichts als das Blendlicht der Scheinwerfer.

Gesichter, Lächeln, Gute-Laune-Morgenbooster? Fehlanzeige! Ja nicht einmal mehr die Rehe oder Vögel sind zu sehen. Denn glitzernde Reflektoren oder eine bunte Lichterkette für Fell und Federn haben sich in der Tierwelt bisher nicht durchgesetzt, sieht man mal vom blinkenden Halsband ab, das sich Waldi oder Fiffi aber mit Sicherheit nicht selbst übergestreift hat.

Was bleibt mir also anderes übrig, als einsam durch das trübe Morgendunkel zu radeln? Motiviert und angetrieben einzig und allein von der Aussicht auf einen heißen, schwarzen Kaffee im Büro.

Es gibt allerdings noch eine andere Möglichkeit. So Vieles, was wir nicht sehen, ist doch trotzdem vorhanden. Unser Herz zum Beispiel. Das schlägt, wir fühlen es zwar manchmal, aber bei der Arbeit zuschauen können wir ihm bestenfalls mithilfe eines Ultraschallgeräts. Oder die Liebe eines Menschen. Klar, kann man versuchen, sie durch Gesten, Geschenke oder Worte auszudrücken und so ein klein wenig „sichtbarer“ zu machen. Aber das sind nur äußere Zeichen für ein Gefühl, das uns oft auch ganz ohne solch greifbare Verstärker über Jahre, ja im besten Fall Jahrzehnte oder auch ein ganzes Leben lang trägt.

Und schließlich Gott. Den haben wohl die wenigsten von uns schon mal persönlich getroffen. Das brauchen wir auch gar nicht. Wir glauben, nein, als Christen wissen wir, dass es ihn gibt. Das reicht, um uns sicher, geborgen und angenommen zu fühlen, mit ihm zu sprechen, ihn anzurufen und seine Stimme zu hören. Blickkontakt zu Gott? Überflüssig! Ist doch auch völlig egal, wie der aussieht. Hauptsache, er ist da. Und das ist gesetzt!

Die Menschen in den Autos, denen ich im Morgendunkel begegne, lächeln im Herbst und Winter vielleicht genauso freundlich, wie im Sommer. Nein, ganz bestimmt tun sie das! Auch wenn sicher an der ein oder anderen Stelle hinterm Steuer auch der Kopf geschüttelt wird, über diesen „Verrückten“, der da bei Wind und Wetter durch die Dunkelheit strampelt.

Wir sind so ungeheuer abhängig von äußeren Zeichen, von Symbolen, vom Sehen. Was wir nicht sehen, das ist nicht da, das gibt es einfach nicht. Im unsichtbaren Dunkel lauern ausschließlich Gefahren. Das haben wir so gelernt. Dabei wissen wir es eigentlich besser. Nur fehlt es uns oft an Mut, Glauben und nicht selten an einer positiven Lebenseinstellung.

Ich zumindest werde in den kommenden Monaten freundlich in die Autoscheinwerfer lächeln und mir ganz einfach vorstellen, wie aus der Fahrerkabine zurückgelächelt, gewunken und gegrüßt wird. Das motiviert! Auch im stärksten Südweststurm, im Hagelschauer, im Platzregen. Und dann wartet da im Büro ja auch noch der warme Kaffee …

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rekto
r

 

Afrika3 Kopie

St. Otto, September 2022

 „Mit dem Wind“...

… mal eben schnell nach Afrika. Oder lieber doch nicht? Ganz schön weit weg von Usedom. Also mit dem Fahrrad meine ich. Aber auch mit dem Auto. Wenn ich an die Benzinpreise denke. Und das Flugzeug nehmen? Spätestens seit „flygskam“ als geflügelter Begriff die Runde macht, ist der Flieger eigentlich ein „No-Go“, was Umweltschutz und Nachhaltigkeit betrifft.

Was aber tun, wenn man von Fernweh und Urlaubssehnsucht heimgesucht wird? Ganz einfach: Man radelt an einem sommerlichen Abend von Trassenheide nach Mölschow, der untergehenden Sonne entgegen. Träumt von Elefanten und Giraffen, Affenbrotbäumen und weiten Steppen, schaut tiefenentspannt nach rechts und links und – befindet sich urplötzlich mitten im tiefsten Afrika! Rechts neben dem Radweg weiden, versteckt im hohen, trockenen Gras, beigefarbene Rinder. Die Kälber sind nur zu erahnen und die Herde strahlt eine schläfrige Ruhe aus. Aber was ist das, dort hinten im Gras?! Bewegt sich da nicht etwas zwischen den mannshohen Halmen? Lauert dort vielleicht ein Gepard oder gar ein Löwe, um sich ein saftiges Steak zum Abendbrot zu besorgen? „Lauft, ihr Kälbchen!“, möchte ich rufen, aber sehe im nächsten Augenblick den mächtigen Bullen der Herde durch das sich teilende Gras stapfen.

Uff! Noch mal gutgegangen! Mein Puls beruhigt sich langsam und jetzt entdecke ich auch den Zaun, der die Weide der Rinder begrenzt. Ist halt doch nur Usedom und nicht Afrika …

Aber der magische Moment hält noch eine Weile an. Ich schaue den Rindern zu, wie sie durchs hohe Gras streifen, verdränge alle Gedanken an Waldbrandstufe oder Klimawandel und genieße diese afrikanischen Minuten, mitten im Usedomer Sommer.

Zu Hause und doch ganz weit weg. Das klappt nicht immer. Eigentlich eher selten. Denn dazu braucht es Luft und Raum, den die Routinen des Alltags mit gnadenloser Konsequenz einengen. Vielleicht verreisen wir deshalb so gern, brechen aus und verlassen unsere sichere Weide, um Neues zu erleben und Ablenkung zu erfahren. Und dann? Nach einem kurzen Urlaub geht es zurück in unser persönliches Gefängnis aus Beruf, sozialen Verpflichtungen, belastenden Aufgaben und unerfüllten Erwartungen. Der Gefängniswärter ist streng und bestraft Verstöße gegen diese Ordnung mit schlechtem Gewissen, Schlafentzug und Selbstvorwürfen. Und der nächste Freigang liegt erschreckend weit in der Zukunft: Erst im Juli des kommenden Jahres steht der Jahresurlaub an. Bis dahin …

… bis dahin heißt es nicht „Tage zählen, Trübsal blasen und Kalenderblätter abreißen“, sondern immer mal wieder einen kleinen Ausbruch wagen: ins Theater, den Stadtpark, den nahen Wald, die Eisdiele um die Ecke, das Hallenbad mit Sauna, die Hunderunde oder auch die Radtour am Wochenende. Sie werden feststellen: Mit jedem Ausbruch wird die Mauer niedriger, werden die Gitterstäbe durchlässiger und selbst der strenge Gefängniswärter zeigt im Laufe der Zeit völlig unerwartete Züge von Milde und Gelassenheit.

Afrika liegt um die Ecke, der Nordpol hinter der nächsten Straßenkreuzung und die Karibik auf dem direkten Weg zur U-Bahn! Nehmen Sie sich die Zeit, auch im Alltag das Schöne, das Unerwartete zu entdecken! Lassen Sie die vielen wunderbaren Momente, Stunden, Tage und Wochen des Alltags nicht ungenutzt verstreichen, mit sinnlosem Warten auf scheinbar bessere. Schicken Sie ihren persönlichen Gefängniswärter in den Ruhestand, tragen Sie mutig die Jeans im Leopardenlook, pflanzen Sie einen Affenbrotbaum in den Blumentopf auf dem heimischen Fenstersims und träumen Sie unter der Dusche von fantastischen Korallenriffen. Das schont die Umwelt (wenn Sie es mit dem Duschen nicht übertreiben) und macht gute Laune! Und die bringen Sie dann im nächsten Sommer wieder mit, auf die schönste Urlaubsinsel der Ostsee!

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rekto
r

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