Kurtaxe / Bildungsreisen

Liebe Gäste, seit Mai 2017 ist nach vielen Jahren durch die Gemeinde Zinnowitz eine neue Kurtaxensatzung in Kraft gesetzt worden.

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Preise

Der Preis für eine Übernachtung in St. Otto setzt sich aus drei Teilen zusammen: aus dem Zimmerpreis, aus den Tagessätzen (Servicepaket), aus eventuellen Zusatzleistungen.

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familie

Bienenksten 2

St. Otto, September 2021

„Mit dem Wind“...

… und zwischen dem Strom. Zwischen dem Strom? Naja, genau genommen neben beziehungsweise unter den Strommasten. Kenne Sie nicht mehr? Ich meine diese Masten, an denen sich die Stromleitungen in langen Wellen viele Kilometer über Felder und durch Wälder wiegen. Weniger die großen Überlandmasten, Stahlkolosse von immenser Höhe, die durch das Brummen der Starkstromleitung an ihrer Spitze nicht zu Unrecht eine furchteinflößende Atmosphäre verbreiten. Vielmehr meine ich die kleinen Holzmasten, die es auf Usedom und in anderen, eher ländlichen Gebieten noch gibt, weil sich die unterirdische Verlegung der Stromtrasse für die Betreibergesellschaft nicht rechnet.

Im Herbst dienen die schwarzen Leitungen, die sich in geringer Höhe von Mast zu Mast schwingen, den zahlreichen Zugvögeln als Startrampe in den Süden. Zu Hunderten besetzen sie die Leitungen, umkreisen die Masten und warten auf das Signal zum Aufbruch – von wem auch immer das kommen mag. Oft frage ich mich, wo sich all die reisefertigen Zugvögel ohne die schwarzen Leitungen zum Abflug verabreden würden. In einem großen Baum, auf Hausdächern oder an der Spitze eines Krans auf der Peenewerft? Auf alle Fälle müsste im Schwarm wahrscheinlich intensiv über eine neue Startbahn nachgedacht werden.

Gegen Ende des Sommers und bevor die große Reisewelle der Zugvögel einsetzt, sind die besagten Leitungen aber nur spärlich besetzt. Hier ein Spatz, dort eine Krähe und auch vereinzelte Schwalben oder Stare, die sich in luftiger Höhe in den spätsommerlichen Sonnenstrahlen räkeln. Aber was machen die da auf der Leitung? Nun gut, die Schwalben und Stare haben wahrscheinlich Angst, den Abflug zu verpassen, sind vielleicht neurotische „Zufrühkommer“ oder notorische Drängler. Aber die anderen Vögel, die den Winter über auf der Insel bleiben, was wollen die da oben auf der Stromleitung? Vielleicht auch einmal das Gefühl von Freiheit und Abenteuer genießen? Von einem langen Flug in den Süden träumen, vom Dolce Vita an den Stränden Italiens, lauen Winterabenden an der Costa Brava oder gar einem entspannten Cluburlaub an der Küste Nordafrikas? Alles viel besser als das nasskalte Winterhalbjahr an der stürmischen Ostsee, das leidige Futterproblem, wenn der Schnee die letzten Beeren und Körner verschwinden lässt, oder die mühsame Suche nach einem trockenen und nicht zu zugigen Plätzchen für die Nacht. Aber da sind ja der weite Weg und die Sprachhürde und dazu vielleicht als einziger Spatz in einem Schwalbenschwarm… . Dann doch lieber noch eine Runde im Wind schaukeln und auf einen milden Winter hoffen!

Oder nehmen die vereinzelten Vogel-Knubbel auf der Leitung nur einen gaaanz langen Anlauf in den Tag? Vor und zurück, vor und zurück, vor – und los! Oder doch noch nicht? Vielleicht hängt der ein oder andere gefiederte Leitungsschwinger aber auch einfach nur erschöpft ab, lässt nach zwei oder drei anstrengenden Brutgeschäften die Seele im lauen Ostseewind baumeln und will nur noch eines: seine Ruhe! So, oder so ähnlich stelle ich mir die Gedanken unserer einheimischen Vogelvertreter auf der großen Startrampe in den Süden vor.

Und merken Sie etwas? Haben Sie schon einmal die Insulaner gegen Ende der Saison genauer betrachtet, wenn sie vereinzelt in der Masse der abreisenden Gäste langsam wieder zum Vorschein kommen? Abgezehrt, den müden Blick verträumt in die Ferne gerichtet, den leicht schwankenden Schritt ziellos ins Nirgendwo gesetzt.

Das Brutgeschäft in diesem Sommer war tatsächlich wieder unglaublich anstrengend! Aber jetzt sind sie flügge, unsere Touristen. Gut erholt, sonnengebräunt und zurück auf dem Weg in ihre Heimat. Dazu mit allem versehen, um die anstrengenden Monate bis zum kommenden Sommer gut und erfolgreich zu meistern. Und zurück bleiben die Insulaner. Erschöpft, aber zufrieden, ihren Job erledigt zu haben. Wenn Sie könnten, würden sie sicher gemütlich auf einer der schwarzen Stromleitungen im Wind schaukeln. Aber sie finden – und das weiß ich sicher – auch andere Möglichkeiten, die Seele baumeln und die Saison ausklingen zu lassen.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

Strohballen1

St. Otto, August 2021

 „Mit dem Wind“...

… endlich mal alles in Ordnung gebracht! Das zumindest muss sich der Landwirt gesagt haben, als er seine Maispflanzen in schier endlosen, kerzengeraden Reihen auf dem Feld eingepflanzt hat. Da tanzt keine aus der Reihe, und Bewegung bringt höchstens der ein oder andere Feldhase in  die Legionen der ordentlich ausgerichteten "Maisbäume". Gestern erst bin ich an so einem Feld vorbeigekommen.

Irgendwann war dann aber Schluss mit Mais und ein wogendes Roggenfeld brachte etwas Abwechslung in die landschaftliche Eintönigkeit. Auch hier herrschte erkennbar eine gewisse Grundordnung. Die Halme ließen sich willig vom Wind in dieselbe Richtung biegen. Sanft schwangen sie im Gleichklang wie die Dünung auf der Ostsee hin und zurück. Kein Halm überragte dabei die anderen. Gerade so, als hätte ein ordnungsliebender Friseur einen riesigen Rasierer angesetzt und dem ganzen Feld einen radikalen Bürstenschnitt verpasst. Obwohl: Die ein oder andere freche blaue Kornblume und immer mal wieder eine vorwitzige rote Mohnblüte durchbrachen nicht nur farblich die goldbraune Uniformität des Feldes, sie hielten sich auch nicht an die scheinbar verordnete Einheitsgröße. Drüber und drunter setzten sie ihre Farbakzente und boten gleichzeitig dem orientierungslosen Auge Halt. Schön so ein Feld, das scheinbar ordentlich, aber auf den zweiten Blick doch alles andere als eintönig daherkommt.

Aber da gab es auch noch ein drittes Feld, gleich neben dem Roggen und kurz vor dem Abzweig nach Sauzin. Ordnung war hier nicht einmal ansatzweise zu erkennen. Hier ballte sich in wirren Haufen Heu, das, wohl am Vortag abgemäht und inzwischen getrocknet, vom Wind durch die Luft gewirbelt wurde, wie die Haare der Urlauber auf der Zinnowitzer Seebrücke.

Was für ein Chaos! Das müssen zumindest die Maispflanzen bei diesem Anblick gedacht haben und auch die Ähren des Roggenfeldes waren sicher der Ansicht, dass bei aller Toleranz ein wenig mehr Ordnung doch wohl angebracht sei. Schließlich kann auch in der Natur nicht alles völlig aus dem Ruder laufen. Wo kämen wir denn da hin?!

Hier Ordnung, da Chaos – hier Gleichklang, dort Disharmonie. Wie wunderbar, dass uns die Natur so viele lebensnahe Impulse liefert! Wäre doch herrlich, wenn unser Leben so geordnet verlaufen würde, wie uns das die wohlgeordneten Maispflanzen vormachen. Stressfrei, gut sortiert, alles an seinem Platz. Zu langweilig, eintönig und dröge? Na gut, dann wenigstens ein Leben wie im Kornfeld. Harmonie mit kleinen Farbtupfern; bunten Highlights, die Abwechslung ins Leben bringen, ohne die harmonische Grundstimmung zu beeinträchtigen. Das wäre tatsächlich schön!

Und die Realität? Die ist in der Regel so ganz anders. So gleicht unser Leben nur selten einem wohlgeordneten Mais- oder einem harmonischen Kornfeld. Stattdessen bewegen wir uns mehrheitlich zwischen chaotischen, unsortierten, wirren Heuhaufen. Nie weiß man, welcher Halm einem als nächstes in die Quere kommt, durch welchen Haufen man sich gleich wieder wühlen muss oder welche Windbö das ganze Leben von einem Moment zum nächsten so richtig durcheinanderwirbelt.

Und während der Landwirt mit Sicherheit vor dem nächsten Gewitter das lose Heu in großen, gerollten Ballen zumindest in eine Art Grundordnung bringt, müssen wir mit den Heuhaufen unseres Lebens alleine klarkommen. Da gibt es niemanden, der für uns aufräumt, unser Leben in Ordnung bringt, uns gut verpackt vor Unheil bewahrt, bei Hitze bewässert oder Schädlinge von uns fernhält.

Ein Grund zu verzweifeln? Keineswegs! Wir haben zwar niemanden, der alles für uns regelt und passend macht, aber für uns als Christen ist das auch gar nicht prioritär. Im Gegenteil: Regeln haben wir von unserem „Chef“ durchaus bekommen, die uns das Leben mit- und füreinander um so Vieles leichter machen würden. Dazu gab es im Paket ganz ungefragt aber auch die Freiheit, mit diesen Regeln verantwortlich und gut umzugehen. Tun wir das, auch wenn es manchmal ein wenig mühsam ist! Und genießen wir dabei die Eigenverantwortung im Heuhaufen, das ungeordnete „Kollektiv“ und die Beweglichkeit in Gedanken und Taten, die uns als Menschen so besonders macht.

Und allen, die sich trotzdem nach einem geordneten oder auch verordneten Leben sehnen sei gesagt: Ordnung ist das halbe Leben, aber wer will schon auf die ganze wunderbare andere Hälfte verzichten?

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

 

Nistkasten2

St. Otto, Juli 2021

 „Mit dem Wind“...

… war alles besetzt! Nein, hier geht es heute nicht um die Strandkörbe am Hauptstrand von Zinnowitz, die besten Handtuch-Plätze ganz vorn an der Wasserlinie oder die hinteren Kirchenbänke im Sonntagsgottesdienst. Aber besetzt waren sie trotzdem alle, die Nistkästen im Garten unseres Ferienhauses. Letzte Woche war ich dort, um den Rasen zu mähen und danach gemütlich im Liegestuhl mit einer Tasse Kaffee und einem leckeren Stück Kuchen die Ruhe zu genießen.

Ruhe? Von Ruhe konnte keine Rede sein! Ahnungslos hatte ich meinen Liegestuhl genau zwischen drei unserer Nistkästen aufgestellt. Und da tobte das Leben oder besser gesagt die Meisen! Ein Flugverkehr wie am Frankfurter Airport zur Rushhour. Erstaunlich eigentlich, dass es zu keinen Kollisionen kam, so ganz ohne Fluglotsen und Leitsystem.

Eine Weile sah ich den Flugkünstlern von meinem Logenplatz aus gespannt zu und – da gab es einiges zu entdecken! Während im Kasten am Holzschuppen die Vogeleltern im Minutentakt ein- und ausflogen, ging es im Kasten auf der Veranda erheblich ruhiger zu. Und im Garagenkasten wurde scheinbar nur gechillt. Dort wechselte sich das Vogelpärchen höchstens alle 20 Minuten ab. Manchmal scheiterte die Landung im Kasten sogar daran, dass das andere Elternteil noch faul im Kasten saß – so zumindest mein erster Verdacht. Aber konnte das wirklich sein? Gibt es tatsächlich einfach richtige Rabeneltern, die ihren Nachwuchs auf Diät setzen nur, weil sie zu faul sind, für Futternachschub zu sorgen?

So richtig konnte ich mir das nicht vorstellen. Also hieß es ausharren auf der Liege, noch drei Tassen Kaffee trinken, das zweite Stück Kuchen und die restlichen Kekse verdrücken, beobachten und nachdenke. Und ob es jetzt am Zuckerschock oder meinem stark erhöhten Koffeinspiegel lag: Ich habe das Rätsel gelöst!

Das scheinbar oberfaule Vogelpärchen an der Garage hatte noch gar keinen Nachwuchs. Das kuschlige Nest war gebaut, die Eier gelegt und die Eltern teilten sich das Brutgeschäft. Bei den ebenfalls noch relativ entspannten Vogeleltern, die den Kasten an der Veranda bezogen hatten, war der Nachwuchs gerade geschlüpft und dementsprechend noch relativ bescheiden in seinen Ansprüchen, was die Menge der heranzuschaffenden Nahrung betraf. Die vermeintlichen Hektiker am Holzschuppen allerdings hatten im Nest mit Sicherheit einen Haufen halbwüchsiger Schreihälse mit riesigem Hunger.

These aufgestellt und überprüft! Nein, natürlich nicht, indem ich ans Häuschen geklopft und die Vogeleltern interviewt habe. Nachschauen verbot sich ebenfalls von selbst. Es reichte aber völlig aus, neben den Augen einen zweiten Sinn einzusetzen und mal ganz vorsichtig an den drei Kästen zu lauschen. Im Garagenkaste herrschte schläfrige Stille, während an der Veranda ein zaghaftes Rumoren aus dem Kasten drang. Am Holzschuppen war dagegen schon aus der Entfernung zu hören, dass der Nachwuchs nicht nur großen Hunger, sondern auch schon einen ganz schön frechen Schnabel hatte. Annahme bestätigt und Forschungsprojekt beendet, könnte man annehmen.

Der Nachmittag im Garten hat bei mir aber nachgewirkt. Nicht nur, dass mir die Menge an Kaffee und Kuchen schwer im Magen lag – vielmehr ist mir aufgefallen, wie schnell wir immer wieder mit Schubladen zur Hand sind, ohne nach dem Warum zu fragen. Natürlich haben wir nicht die Zeit, allem auf den Grund zu gehen. So viel Kaffee, Kuchen und Liegestuhlzeit steht uns nicht zur Verfügung. Aber vielleicht sollten wir dann Vorgänge, Menschen und Verhaltensweisen auch weniger vorschnell bewerten oder verurteilen.

Und eine zweite Einsicht verdanke ich der kleinen Vogelkunde in der Einflugschneise: Alles hat seine Zeit und seinen Ort. Auch wenn es manchmal schwerfällt sollten wir versuchen, öfter im Hier und Jetzt zu leben. Das brütende Vogelpärchen weiß ganz genau, dass der Stress bald beginnt und genießt die Ruhe vor dem Sturm. Die Jungeltern versorgen den Nachwuchs noch mit gebremstem Tempo und haben dadurch später ausreichend Kraft, die Horde der Halbstarken im Dauereinsatz zu verpflegen, denn da heißt es dann wirklich nur noch „Augen zu und durch“. Wir dagegen schaffen es viel zu oft nicht, zur Ruhe zu kommen, angesichts der vielen Dinge, die zukünftig unseren vollen Einsatz erfordern.

Machen Sie doch einfach regelmäßig mal den gemütlichen Brüter! Nicht nur, aber besonders im Urlaub in St. Otto.

Der Nachmittag im Garten hat sich für mich also richtig gelohnt, trotz verrenktem Magen. Zwei Einsichten und schließlich eine dankbare Erkenntnis: Bin ich froh, dass ich keine Kohlmeise bin! Zweimal Nachwuchs in einem Sommer großziehen und danach kommt dann schon wieder der nächste kalte und futterarme Winter! Ich möchte nicht tauschen und gelobe feierlich, dass ich mich nie mehr darüber beklage, wie anstrengend Rasenmähen ist.

Herzlichst
Ihr
Markus Constantin
Rektor

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