Das Haus St. Otto im winterlichen Schnee in der Abenddämmerung, im Vordergrund beleuchtete Tannenzweige

Chronik 1975–1979

Last Updated: 7 Oktober, 2026By

Konvent der Marienschwestern – Chronik 1975–1979

Abschrift aus der handschriftlichen Chronik der Marienschwestern, Zeitraum 1975–1979

Chronik nach Zeitabschnitten: 1947–1961 | 1962–1968 | 1969–1974 | 1975–1979 | 1980–1985


1975

So rückte das Jahr 1975 heran.
Von Papst Paul  VI.  als „Das Heilige Jahr des Friedens und der Versöhnung“ proklamiert. Nach dem geänderten Heiligenkalender war der erste Jahrestag künftig in besonderer Weise als „Hochfest der Gottesmutter Maria“ geweiht.

Am 02. Januar bereits begannen für unseren Konvent die Jahresexerzitien , diesmal wieder im St. Otto Heim. Ein Pater OFM aus Berlin Pankow war Exerzitienmeister, desweil unserer Hausgeistlicher eine kurze Touristik in den Osten unternahm und uns hinterher durch bunte Dias erfreute.

Am 06. Januar konnte Schwester M . Michaela Nitschke mit ihren Kursschwestern in Provinzialat, Berlin Michaelkirchplatz, den silbernen Einkleidungstag festlich begehen. Schwester M. Aloysiana und Schwester Innozentia, beide ehemals im Otto Heim stationiert, konnten bereits auf 50 Jahre Ordensjahre zurück blicken. Eine kleine Nachfeier war dann am 09.01. im St. Otto Heim und vereinigte Schwestern und Personal bei einer fröhlichen Agape. Mittags reisten schon 70 Kinder an und erinnerten uns an die Aufgaben des Alltags.

Am 26. Januar fand die Wahl der Abgeordneten für das Provinzkapitel statt. Die Brandenburgische Provinz zählte 98  wahlberechtigte Schwestern und für 10 wurde jeweils eine Abgeordnete gewählt. Von uns 18 Schwestern fuhren am 18. März Schwester OberinM. Gunthildis mit Schwester M Ildefonsa zum Provinzkapitel und wählten als Abgeordnete der Brandenburgischen Provinz fürs Generalkapitel in Rom Schwester M. Berchmana aus Wolgast und Schwester M . Rosa aus Berlin.

Im Februar herrschte Vorfrühlingswetter, ohne Schnee und mit nur wenigen Frosttagen und so kommen die am 08.02. angereisten Schulkinder den Aufenthalt im Wald und am Strand gesundheitlich gut nutzen.

Ostern , am 30.03. bereits war das Haus ohne Kinder, selbst das Personal und die         Aspirantur waren ausgeflogen. Die stillen Tage der Karwoche waren rechte Einkehrtage für alle Schwestern.

Die erste Mai Hälfte brachte in zwei Partien alle Ottoheimer eine Busfahrt nach Stettin, als Betriebsausflug. Schön war diese Fahrt ins polnische Nachbarland. Besonders groß war unser Staunen über die mühevolle kirchliche Arbeit in kirchenbaulicher wie caritativer Hinsicht, ohne eine staatliche Unterstützung. Von den gebrachten Opfern der Katholiken zeugt die noch im Aufbau befindliche, moderne Kathedrale, die durch Kriegseinwirkungen bis auf die Fundament zerstört war.

Mit dem „Mailüfterl“  begann auch im Schwesternkreis das Wandern. Schwester M. Mirella zur Rheumakur, Schwester M. Cordilia zum Urlaub nach Westdeutschland. Schwester M. Claudia fuhr für drei Wochen nach Erfurt zur entfernten Vorbereitung auf die Ablegung der ewigen Gelübde. Schwester Andrea suchte Erholung in dem so herrlich gelegenen Friedrichroda in Thüringen und Schwester M. Michaela fuhr für 14 Tage nach Goppeln bei Dresden.
Um diese Zeit besuchte uns aus Berlin Lankwitz ehrwürdige Mutter Regionaloberin Schwester M. Regina zwecks Visitation, wie sie alle drei Jahre gewünscht wird.

Der Monat Juli brachte uns noch vor Beginn der „Großen Kur“ Zuwachs in Schwester M. Radegundis, die bislang im Krankenhaus in Berlin Friedrichshagen in der Röntgenabteilung gearbeitet hatte. Schwester M. Mirella erhielt damit in der Verwaltungsarbeit zuverlässige Hilfe. Auch wurde ihr ab September die Arbeit einer Sakristanin übertragen.

Wie auch in früheren Jahren weilte H. Cardinal  im Sommerurlaub im Otto Heim, fuhr aber diesmal schon vor seinem Namenstag ab, weil er wichtige Verbindungen eines Treffens mit kirchlichen Würdenträgern in Litauen aufgenommen hatte , und ihm dies auch für die laufende Synode und die Berichterstattung in Rom von Bedeutung erschien.

In den Schulferien Juli/ August erfreuten sich an 200 Kinder des Seeaufenthaltes und der religiösen Atmosphäre im St. Otto Heim, auch die Zahl der Erholungssuchenden aus dem Ostblock nahm auffallend zu. Es entstanden im Wald   ganze abgegrenzte Zeltplätze mit Wohnwagen und Wochenendhäusern. Ebenso wurden Lichtleitungen gelegt und feste Autostraßen gebaut. Die einstige ausgedehnte Freiheit für die Kinder wurde erheblich beschnitten.

Am 14. August besuchte uns Schwester Provinzoberin M. Bernhildis für zwei Tage und nahm auf der Rückfahrt Schwester M. Claudia Janke zur näheren Vorbereitung für die Tage der ewigen Profeß mit

Der 07.September war der große Tag, an dem Sich Schwester M. Manuela, Schwester M. Walburga und Schwester M. Claudia im feierlichen Gottesdienst in der Michaels Kirche in Berlin für immer dem Herrn schenkten. Eine kleine Nachfeier mit Dankmesse war dann noch am 09.09. im St. Otto Heim und auch die Wolgaster Schwestern waren dabei.

Die Monate September und Oktober brachten starke Kuren Belegung, besonders aus der Erfurter und der Heiligenstädter Gegend und in den Herbstferien wieder die Schulkinder aus Berlin für eine religiöse Woche.

Einen überraschenden Besucht erlebte der Konvent, als Mutter M. Roswitha Mix im Alter von 80 Jahren am 09.09. nach Zinnowitz kam. Am 08.09. hatte sie an der Profeßfeier ihrer Großnichte in Goppeln bei Dresden beigewohnt und wollte bei diesem Verweilen in der DDR zugleich einen kurzen Besuch ihrer Schwestern in Zinnowitz machen. Abschied nehmend besichtigte sie die umgebauten bzw. neu entstandenen Gebäude und nahm segnend Abschied von ihren Schwestern. Ihr rüstiger Gesundheitszustand erlaubte ihr zwei Monate später noch die Teilnahme am Generealkapitel in Rom .

Am. 15. Oktober war wiederum Schwestern Recollecio für die Norddekanate Berlins. Herr Prälat Zoda aus Berlin, vertrat den H. H. Weihbischof und übernahm den religiösen Teil und nach einer gemütlichen Kaffee Pause hielt H Pfr. Schröter aus Wolgast einen ausführlichen und interessanten Lichtbildervortrag über die Pilgerreise nach Rom im Heiligen Jahr.

Das Herbstfest fiel wie schon im vergangenen Jahr wieder auf den Geburtstag des Herrn Rektor Lingnau und das leer stehende Waldheim sah eine frohe Schar von Angestellten und Schwestern.

Die Kinder erlebten viel Freude und Gemeinsamkeiten in Art einer adventlichen Feierstunde am Nikolaustag. Alle 70 Kinder waren an adventlich geschmückten Tischen zum gemütlichen Kaffee  beisammen.

Zu erwähnen ist noch der Altentag der Gemeinde der wie schon mehrere Jahre im November die alten Leutchen im Otto Heim zu einer frohen kirchlichen Feier und anschließendem Mittagessen  und gemütlichem Nachmittag bei kleinen Darbietungen vereinte.

Bereits im Mai war wegen Priestermangel die Selbstständigkeit der Zinnowitzer Kuratie aufgelöst worden und wurde Herrn Pfr. Schröter Wolgast zurück gegeben. Um das Haus der Kirche zu erhalten und soweit als möglich auch das Gemeindeleben setzte das Ordinariat einen Diakon und eine Seelsorgehelferin an Stelle eines Priesters. Diakonatshelfer H. Lange und die Seelsorgehelferin Frau  Seuka.

Der November 1975 war für die ganze Kongregation bedeutungsvoll. Ehe das Heilige Jahr vollens zu Ende ging brachte uns der 17.11. noch eine neu gewählte Generaloberin in Mutter Maria Angela Kubon und auch neue Ratsschwestern

Am 28.12. folgten mehrere Schwestern der Einladung nach Wolgast, wo Schwester Oberin Berchmana ausführlich vom großen Geschehen in Rom und allen Erbaulichen und Erlebten daselbst berichtete.

1975 hatte der Bautrupp viel Arbeit. Im Frühjahr wurde das Fichtenheim umgebaut und modernisiert. Ein Zimmer wurde zur modernen Küche umgestaltet und ein Zimmer als Duschraum umgestaltet. Der Maler hatte ausreichend Arbeit Auf der Wirtschaft wurden mehr Gästezimmer  umgebaut und mit Zentralheizung bedacht.
Im November begannen die Vorbereitungen für den Umbau der Station IV. Noch vor Weihnachten stand die Außenmauer.

Der Dezember war ein anstrengender Arbeitsmonat für unsere Küchenschwestern. Sobald die Kinder am 18.12. das Haus verlassen hatten, begann der Großangriff: die Herde wurden auf Gas umgestellt, d.h. neue Gasherde eingebaut, alle Wände gekachelt und der Fußboden neu gefliest. Sogar eine neue Zwischendecke wurde eingezogen und neue Fenster eingesetzt. Nach zweijähriger Vorarbeit war der Küchenumbau in wesentlichen als abgeschlossen zu betrachten und entsprach nun den Anforderungen der Hygiene.


1976

Mit dem Jahr 1976 beginnt die Amtszeit von der am 17.11.1975 neu gewählten Generaloberin Mutter No. Angela Kubow, die am 27.01.1976 in Rom eintraf um da selbst die Leitung der Genossenschaft zu übernehmen. Ihre Begleiterin war Schw. No. Theresia, als Generalassistentin.

Am 02.01. bereits begannen im St. Ottoheim die traditionellen Jahresexerzitien, diesmal gehalten von Herrn Peter Meisener, (SJ.) aus Dresden.

So frühlingsmäßig das Jahr 1975 zu Ende gegangen war, so stürmisch begann das Neue. Am 03.01. fiel der erste Schnee, aber am 04. und 05.01. fegte eine Flutkatastrophe die Nord- und Ostseeküste entlang, mit Sturmstärke 12 und 140 Stundenkilometer.
Besonders wütete der Sturm im Raum von Rostock und Schwerin bis runter nach Magdeburg, abgesehen natürlich von Holstein und den westdeutschen Gebieten.
An der Gesamtküste zählte man 80-90 Todesopfer und der Sachschaden belief sich auf
100 Millionen nach Schätzungen Sachverständiger.
Unser Haus blieb dank seiner tiefen Lage bis auf einige Fensterscheiben und heruntergefallene Dachziegel verschont.

Am (Mo. 1.) wurde kurz und nur im Schwesternkreis der „60 Jahre Marienschwestern“ im St. Ottoheim gedacht.
Schw. Provinzoberin Beruhildis und alle vertreuten Schwestern, die je im St. Ottoheim tätig waren, wurden geladen und die meisten, soweit sie noch lebten, freuten sich des Wiedersehens mit der See und dem (z. T.) umgebauten Heim. Herr Rektor befand sich in Thüringen im Urlaub.

Die Februarkur der Schulkinder nahm auch Bezug auf das 60 Jahre lange Wirken der Marienschwestern im St. Ottoheim. (H. H.) Weihbischof Joh. Kleineidam hielt ein Pontifikalamt mit Assistenz der Geistlichen der Umgebung und hielt auch am Abend für die Hausgemeinschaft einem Lichtbildvortrag über seine Japanreise.

Im Januar war auf St. 1 erstmals ein ökumenischer Kindergarten aus Nordhausen mit vollem Personal untergebracht. Die Gesamtzahl der anwesenden Kleinkinder betrug 80 Personen.
Im Februar stieg die Zahl auf 200 Schulkinder der Norddekanate des Berliner Bistums mit den zugehörenden Geistlichen und Jugendhelfern.
Ende Februar/März stieg die Kleinkinderzahl auf 151, aus der gesamten DDR. Jedoch hatte diese Frühlingskur großes Pech. Kinderkrankheiten; Windpocken und Mumps traten auf und aus dem (Kdg. Berlin- Raulsdorf) erkrankten mehrere Kinder an Scharlach und mussten ins Infektionskrankenhaus nach Ahlbeck.

Im Januar erhielt der Schwesternkreis auch die Nachricht, dass Schw. Beruhildis Kowalle weiterhin im Amt als Provinzoberin für die Brandenburgische Provinz durch die Ritenkongregation bestätigt ist. Als Assistentinnen sind ihr durch den neuen Modus der Wahl Schw. Caritas und Schw. Friedlinde, beide erlin zugeteilt.
Im Februar war es auch, dass Mutter M. Angela uns die neuen Offizien überreichen konnte:
Das Christuslob in der Gemeinschaft, bearbeitet von Neuhold (OJB) und Rohr und erschienen im Christophorusverlag. Schw. Michaela und Schw. Radegundis als Kontorinnen wohnten an einem dafür vom Herausgeber gehaltenen Einführungskurs in Berlin Kladow bei. Das bedeutete für beide Schwestern schon 1 kleines Opfer, die Gartenzeit hindurch täglich nach Tisch ¼ Stunde lang mit dem Konvent die Antiphonen und Psalmen zu üben. Umso größer war die Freude an den (gerungenen Tageszeiten am Osterfest, dem 17. und 18. April. Das tägliche Üben und Singen wurde fortan beibehalten.

Im Februar erreichte uns auch der Auftrag, endgültig mit der Änderung des Ordenskleides zu beginnen. Die Schritte dafür gingen uns von Rom über die Provinzleiterinnen zu.
Am Osterdienstag feierte Schw. Dolores Depot das Goldene Ordensjubiläum. Die 3 Bräute der Brandenburgischen Provinz, Schw. Dolores, Schw. Hartriga und Schw. Ilga waren ins Provinzialhaus eingeladen und in der Kapelle des St. Marienstiftes hielt H. Weihbischof Kleineidam das Amt. Dort trafen sich auch die Schwestern aus Westberlin zu einem frohen Wiedersehen nach langen Jahren der Treue.

Ostern waren schon 156 Kinder im Haus. Statt angenehmem Frühlingswetter aber war es kalt und der Wald in ein Schneekleid gehüllt.
Die Osternachtsfeier für den Convent hielt H. Rektor schon um 21:00 Uhr, weil um 24:00 Uhr noch eine eigene Feier in der Kuratie ausgesetzt war für die Gemeinde, die alle Jahre vorher bei uns mitgefeiert hatte; durch den Diakon H. Langer und die Seelsorgehelferin jetzt ihre Eigenständigkeit mehr betonte.

Am 28.04. fand wieder die (Schw.Recollectio) der Norddekanate statt. Dabei sprach H. Weihbischof Kleineidam und anschließend hielt (H. Pf. Rolle), Bergen, einen interessanten Lichtbildvortrag über „Schönheiten in Gottes Schöpfung“ und zeigte seltene Pflanzen und Tiere.

Vom 08.-15. Mai waren im Haus 104 Schulkinder aus Berlin und Frankfurt/Oder. H. Pf. Foerster von Berlin-Köpenick nahm die Ferienwoche war, um seinen Beicht- und Kommunionkindern noch den letzten Schliff im Erlebnis einer katholischen Gemeinschaft zu geben. Aus seiner Gemeinde erhielten wir auch die Konvertitin Marianne Kriebe, welche nach einjähriger Tätigkeit als Kindergärtnerin sich im Provinzialat als Postulantin meldete.

Inzwischen hatte unser (Bautrupez) fleißig gearbeitet. Auf dem Wirtschaftsgelände sowie im Haupthaus wurden Fein- und Vollendungsarbeiten (Küche, Mauerwerk und Heizungskanal) ausgeführt. Die Stationen V und VI erhielten Sitzbänke für draußen, unmittelbar vor Station lll, für welche ein Umbau nach der Saison geplant wurde.
Die Innenräume der Station IV waren zu geplantem Termin schon modern und praktisch mit eigener Teeküche, gefliestem Wasch- und Duschraum und Dienstzimmer fertig gestellt und konnten am 15.05. mit 30 Kindern aus Babelsberg belegt werden. Kinder und mitgekommenes Personal fühlten sich in den umgebauten Räumen recht wohl.
Für die Wohnung der Familie Hasenleder auf der Wirtschaft wurde ein modernes Bad und für die der (Frl.) Herde und Dusche eingebaut.
Am Hauptgebäude des Heims wurde beim Frühlingswetter die Süd- und Westseite neu verputzt, an der Ostseite ein Gerüst angebracht und von dort aus der Turm neu mit Kupfer eingedeckt, ein neues Eisenkreuz aufgestellt und das vom Sturm beschädigte Dach ausgebessert. Das Läuten der Glocke jedoch blieb unterbunden.
Da sich der große Schornstein an der Ostseite durch die Umstellung der Küchenherde auf Gas erübrigte und auch als Brutstätte für Ungeziefer angesehen wurde, brachen die Handwerker denselben ab und verwendeten die gewonnenen Steine für den Umbau der Station III.

Bald nach Ostern, am 12. Mai früh während der heiligen Messe durfte Schw. No. Natalia Scholz eingehen in die himmlische Wohnung. Herzschwäche machte ihr schon vorher zu schaffen, aber still, bescheiden und immer hilfsbereit und ganz ergeben in Gottes Willen ertrug sie die Anforderungen des Tages in der Pflege der bettlägerigen Schw. Hilda.
Ihr plötzlicher Tod rief uns allen die ernste Mahnung zu: Seid bereit, ich werde zu meiner Stunde kommen, da ihr es nicht vermutet. Herr Rektor Singnau spendete ihr, nach bereits eingetretenem Tod, noch die heilige Ölung und am 15. Mai fand sie ihre Ruhestätte auf dem Zinnowitzer Friedhof im Grabe von Schw. No. Pauline. Ihre Geschwister waren ihr voraus gegangen und so war niemand der Angehörigen bei der Beerdigung, nur ihre Mitschwestern aus der DDR.

Schw. Brunhildis hatte auch ihre Amtszeit um und wartete seit Ostern auf die Abberufung. Am 26. Mai, einem warmen, klaren Maitag, unmittelbar vor Christi Himmelfahrt führte uns Schw. Provinzoberin Bernhildis als neue Vorgesetzte des Convents Schw. No. Perpetua Müller, eine geborene Berlinerin, zu. Sie hatte bislang bei den Schülerinnen im (Kurhaus) Friedrichshagen und in der (Aspirantur) Michaelkirchplatz gearbeitet und vertauschte nun im Gehorsam ihr Arbeitsgebiet mit dem von Schw. (Eunthildis), die am Sonntag, 30. Mai, Zinnowitz endgültig verließ, um in Berlin vorerst auszuspannen.

Für den 01. und 03. Juni war „Betriebsausflug zu dem Berliner Tierpark“ angesetzt. Den Meisten war dieses ausgedehnte und interessante Gelände nicht mehr neu und wurde darum für Pfingsteinkäufe und anderweitige Besuche genutzt.

Ab 1. Juni hatte Mutter Angela offiziell die Erlaubnis für das Tragen der neuen Tracht gegeben. Unsere Schw. Claudia machte bei uns den Anfang damit und nähte und probierte in ihrer Freizeit den neuen und kleidsamen Schleier aus.

Schw. Cordilia, Schw. Mirella und Schw. Gerburga erfreuten sich in Westdeutschland der Ferien und Schw. Mirella kam von (Cochem/Mosel) in neuer Tracht zurück und brachte neben Stoff zum neuem Kragen auch einen ausprobierten neuen Schleierschnitt mit. Er war einfach und der alte ließ sich dafür gut gebrauchen. Also musste Schw. Cordilia noch eifriger an der Nähmaschine sitzen, denn der Convent war sich von Anfang an einig, nicht in zweierlei Kleidung einherzugehen.

Für den 24.06. dem Fest des heiligen Johannes dem Täufer, waren alle Oberinnen im Provinzialat geladen zur Verabschiedung von Herrn Kurator H. Theissing Zum neuen Herrn Kurator und zum Vorstand der Marienstiftung wurde Johannes Kleineidam Weihbischof von Ostberlin erwählt.
Der rein geschäftliche Teil war schon früher Herr Generalvikar Schmitz übertragen worden. Durch plötzliche Erkrankung von Schw. Provinzoberin unterblieb die Verabschiedung und wurde auf den 21.11. verschoben. Herr Weihbischof trat sein neues Amt an. Der 21.11. war günstig, weil beide (Wochw.)Herren anlässlich der ersten (Prozessfeier) von Schw. Monika, Schw. Felicitas und Schw. Livba und gleichzeitigem Silberjubiläum von Novizenmeisterin Schw. No. Friedlinde Klomp anwesend waren.

Durch den neuen Heiligenkalender war das Fest des heiligen Otto von Bamberg auf den 30. Juni verlegt und wurde als Patronatsfest nicht nur von der Hausgemeinschaft, sondern auch von allen Gästen und dem schon zahlreichen Kurpersonal begangen. Die Kinder hatten um 9:00 Uhr Festgottesdienst und die Erwachsenen erfreuten sich im Kulturraum einer „fliegenden Kaffeetafel“.

Am 09. Juli kam Schw. Martina ins St. Hedwigskrankenhaus nach Berlin, ihres offenen Beines wegen zu wochenlanger Behandlung. Da ihr der Arzt weiteres Arbeiten in einer Großküche nicht erlaubte, blieb sie fortan im Provinzialhaus in Ostberlin. Die Küchenleitung übernahm Schw. Femina. Herr Rektor sah sich genötigt, sich nach einem geeigneten Mitarbeiter umzusehen und fand ihn in Herrn Beuda, einem gelernten Koch aus Berlin. Probeweise arbeitete er schon in den Februarferien 1977 hier und wurde ab 15.05.1977 eingestellt.

Am 07. Juli kam Herr Kardinal Bengsch zum Urlaub und hier erreichte ihn am 29.07. die Trauernachricht seines Freundes und Vorgängers von Herrn Kardinal Julius Döpfuer, Erzbischof von München und veranlasste ihn zum Abbruch seines Urlaubs.

Am 16.08. kam auch Herr Weihbischof Johannes Kleineidam für kurze 10 Tage und erfreute durch sein Auftreten die Mädchenkur in (manigfacher) Weise.
Vom 16.-21.08. weilte auch Mutter Angela von Westdeutschland kommend zu kurzem Besuch unter uns.

Am 10.10. feierten Schw. Rosaria und Oberin Perpetua ihren Geburtstag und dieser Tag war für Schw. Hilda Paschke, die fast 3 Jahre ans Bett gefesselt war, der Geburtstag für den Himmel. Es war ein Sonntagabend als sie im Beisein ihrer Mitschwestern überraschend schnell verfiel und den Geist aufgab. Am 15.10. war die Beerdigung auf dem Zinnowitzer Friedhof.

Für den 17.11. war Schw. Recollectio angesetzt. Herr Weihbischof Johannes weilte in Rom und wurde von Herrn Domkapitular Wessels vertreten. Herr Pfarrer Linke hielt einen Vortrag über die Ostkirchen im Allgemeinen und die Kirche in Jugoslawien.

Am 04.12. war im St. Ottoheim der diesmal gut besuchte Altentag, annähernd 70 Personen! als Weihnachtsvorbereitung gedacht, zu dem die Kindergruppe der Gemeinde mit Seelsorgehelferin Fräulein Leuka, mit kleinen Vorführungen die lieben alten Leutchen erfreute.

Das Jahr 1976 brachte unserer Kongregation einen schönen Gedenktag: Das Stammhaus in Breslau beging feierlich den 100. Todestag unseres verehrten Stifters. Schw. Dolores, Schw. Isolde, Schw. Michaela, Schw. Firmina, Schw. Andrea, Schw. Irmina, Schw. Claudia begaben sich vom 04.-11.12. nach (Wrochow).

Die Monate November/Dezember waren mit Kleinkindern wenig belegt. Am 20.12. fuhren alle gesund heim und auch das Hauspersonal rüstete sich nach einer Adventkaffeetafel zur Heimfahrt. Die Aspirantur hatte bereits Ende Oktober eine geschlossene (Kindergartenpraxis) begonnen und wohnte demzufolge mehrere Wochen in Birkenwerder bei Berlin.

Zur Silvesterandacht am 31.12. waren alle Schwestern in die Kuratie geladen. Die Andacht wurde von Herrn Rektor und der Seelsorgehelferin Fräulein Leuka gestaltet, weil Herr Pfarrer von Wolgast unversehens einer kleinen Halsoperation unterziehen musste.


1977

Der Januar 1977 brachte uns eisige Kälte und viel Schnee zur Freude der 52 Kleinkinder, die am 08.01. gleich nach den Schwesterexerzitien gehalten von Pater Paulus (OFN), Novizinnenmeister aus Dingelstädt, anreisten und dank der kalten Witterung zu unserer Freude die ganze Kur gesund blieben.

Am 24.01. feierte Schw. Lioba ihren 80. Geburtstag. Seit September 1976 versagten immer mehr die Beine und fortan war ein Rollstuhl ihr ständiger Begleiter zu Gottesdienst. Weil Treppen steigen kaum noch möglich war, trugen Herr Rektor und Herr John das kummervolle Geburtstagskind auf einem Sessel zum Jubel der Mitschwestern ins Rektorium zum gratulieren und feiern.
Ansonsten hat Schw. Lioba in der noch älteren Schw. Reinfrida eine aufmerksame Pflegerin.

Bald nach diesem frohen Ereignis am 16.01., begab sich Schw. Gerburga nach Greifswald in die Augenklinik zur Operation (1. II) des linken Auges, dessen Sehkraft infolge grünen Stars kaum noch gebessert werden konnte.

Im Februar bevölkerten 204 Schülerinnen der Norddekanate unser Haus und alle erfreute Herr Weihbischof Johannes Berlin durch einen kurzen Besuch. Familie John fuhr im Winterurlaub und nachdem die Kinder sich des Frühlingstrubels genügend erfreut hatten, feierte auch die Aspirantur mit der Hausgemeinschaft am 20.02 im Kulturraum einen gemütlichen kostümierten Faschingsabend.

Schwester Provinzoberin stellte es uns seinerzeit (anheim), alle 2 Jahre die Allgemeinen Exerzitien anderswo zu halten, und so machte am 04.03. Schw. SMichaela davon Gebrauch und fuhr nach Alexanderdorf bei Berlin.

Schw. Perpetua feierte am 07.03. erstmals ihr Namensfest im St. Ottoheim. Schw. Provinzoberin, Schw. Meisterin und Schw. Felicitas aus Berlin sowie einige Schwestern aus Wolgast waren dazu erschienen und gemeinsam erfreuten wir uns froher Stunden.

Am 15.03. erhielten wir im Schwesternkreis Zuwuchs in Schw. Monika Albrecht; Stralsund war ihre Heimat. Bei uns sollte und wollte sie ihr Vorpraktikum als Gruppenerzieherin durchstehen, (bgev.) Kindergärtnerin. Ostern fiel auf den 10. April und das Haus war voller Kleinkinder.

Am 25. April wurde im Provinzialhaus Ostberlin Fräulein Marianne Kriebe in aller Stille eingekleidet und nahm den Namen Schw. Katharina an.
Tags darauf konnte die Novizin der erhebenden Feier des 25. jährigen Ordensjubiläum von Schw. Radegundis und zwei ihrer Kursusschwestern: Schw. Judith und Schw. Damiana beiwohnen.

Am 30. April hatte der Convent in Zinnowitz eine kleine Nachfeier, wobei Herr Rektor Singnau und Herr Pfarrer Bengsch Greifswald, das (Wlg.)tut zelebrierten. Weil der Jubilarin im Dezember 1976 die Polenfahrt versagt war, durfte sie jetzt eine dreitägige Maifahrt im Auto nach (Wrotkaw, Trebuica) und den größten Marienwallfahrtsort Polens, und Schw. Mirella, Schw. Cordilia und Schw. Gerburga unternehmen. Sie spielte dabei gern den Chauffeur und alle kehrten beglückt und mit froher Kraft von den Gnadenstätten heim.

Am Mittwoch 27.04. war für die Norddekanate Schw. Recollectio. Herr Weihbischof hatte dieses Mal den Herrn Pfarrer von Anklam mitgebracht, der einen Vortrag über das Leben des heiligen Otto von Bamberg als Vorbereitung für die Feier im Jahre 1978 hielt.

Mit dem 1. Mai war die Wanderlust bei den Schwestern aufs Neue entfacht.
Der 06.05.1977 wurde für Schw. Dolores zum Ausreisetag in die BRD. Es war ein Herz-Jesu-Freitag und dem Herz Jesu vertrauend verlies sie die DDR. Über 40 Jahre hatte sie im St. Ottoheim in der Brotstube gearbeitet und sollte ihren Lebensabend in der Nähe ihrer elsässischen Heimat und den wenigen Anverwandten im Bundesgebiet verbringen. Nach Erledigung aller Formalitäten, die sich ein halbes Jahr hinzogen, durfte sie im Schwesternkreis im Kinderheim in Langweiler, Hunsbrück, ihr neues Zuhause begrüßen.

Vom 07.-14. Mai kamen zu den anwesenden Kleinkindern aus der DDR noch Schulkinder aus Berlin- Köpenick und Frankfurt an der Oder und nutzten die 7 Pfingstferientage zur näheren Vorbereitung auf ihre Erstkommunion.

Am 23. und 25. Mai unternahm die Hausgemeinschaft den jährlichen Betriebsausflug und diesmal ging es im Bus über die Insel Rügen und ihrer einsamen Schönheit.

Anschließend fuhr auch Schw. Oberin Perpetua in Urlaub nach Alexanderdorf.
Auch Schw. Falida, Schw. Mirella, Schw. Isolde und Schw. Cordilia begaben sich im Monat Mai bzw. Juni auf Ferien- Wanderfahrten nach Westdeutschland.

Vom 06.07. bis 24.08. war je ein Jungen- und Mädchendurchgang für Schulkinder, insgesamt 248 Kinder pro Durchgang dazu Helfer, Erzieher und Priester. Heim und Strand und Wald füllte fröhlicher Lärm.
Zu aller Freude kamen für einige Tage Herr Weihbischof und Herr Kardinal von Berlin.
Das religiöse Thema dieser Wochen war Marienverehrung durch Rosenkranzgebet und Wallfahrt. Darauf waren Katechesen, Lieder, Basteleien und Wanderungen zu geschnitten und wurden von den Kindern gut aufgenommen und verarbeitet.

Vom 26.-30.07. weilte Mutter No. Angela aus Rom erneut im Schwesternkreis. Diesmal zur amtlichen Visitation des Convents und in Begleitung von Assistentin Schw. No. Theresia. Ach wie viel hatte sich in den 26 Jahren in jeder Hinsicht fortschrittlich verändert. Welche Erinnerungen für Mutter No. Angela ! Damals noch Kindergärtnerin Fräulein Magda Kubow ! Ihre natürliche Herzlichkeit hat sie sich bei allem Aufstieg bewahrt und fand darum rasche Erwiderung.
Eine auch fällige kirchliche Visitation durch (Hochwürden) Herr Weihbischof Johannes Kleineidam, Kurator der brandenburgischen Provinz schloss sich am 29.09. an. Alle 18 Schwestern hatten sich zu stellen.
Anschließend begab sich Schw. Gerburga ins St. Hedwigskrankenhaus, Berlin, zu einer Halsoperation von der sie am 08.11. zurückkehrte.
Auch Schw. Radegundis und Schw. Firmina begaben sich in den Jahresurlaub zu den Nazarethschwestern nach (Goppoln).
Begünstigt vom guten Herbstwetter konnten sie viele Ausflüge in die Umgebung wie Dresden und sächsische Schweiz unternehmen. Schw. Firmina verbrachte gleichzeitig in Gera ihren Heimaturlaub.

Ende September erhielt Schw. Lioba für einige Tage Besuch aus der Pfalz: ihr ältester Bruder mit Sohn und Frau bereiteten ihr frohe Stunden des Wiedersehens nach den Jahren der Vertreibung aus der schlesischen Heimat und dem eigenen Besitz. Es war eine Vorfreude auf das „goldene Jubiläum“ am 29.10. zu dem ihre Kurschwestern, Schw. (Alcydes) und Schw. (Iphigenie) mit ihren Hausoberinnen geladen waren. Herr (Kanonikus) Wessels, Herr Pfarrer (Werls) und Rektor Singnau waren an der kirchlichen Feier beteiligt. Alle Schwestern erfreuten sich der guten familiären Atmosphäre und besonders über den guten Gesang des Offiziums.

Dies goldene Jubiläum war für Herrn Rektor Singnau das letzte im Schwesternkreis. Nach 6 Jahren hiesiger Tätigkeit hatte er sich um eine Pfarrstelle beworben und dieses wurde in Jüterbog zuteil.

Am 08.11. feierte er seinen 40. Geburtstag mit der Hausgemeinschaft im Rahmen eines Herbstfestes und zugleich seinen Abschied. Alle Aspirantinnen waren aus dem Praktikum aus Berlin hergeeilt im originellen (Stehgreifspiel) den neuen Pfarrer von Jüterbog Einen Elektroherd und ein weißes Messgewand erhielt er zum Abschied. Am 04.11. wurde Herr Franz Rühr, ein Greifswalder Kind durch Herrn Caritasdirektor R. Janischewski als neuer Rektor im Schwesternkreis eingeführt.
In den ersten 14 Novembertagen tobten in der Natur heftige Herbststürme und über Norddeutschland, Island und Dänemark brachte eine viertägige Flutkatastrophe mehrfachen Schaden. Im Allgemeinen war die Herbstwitterung günstig, ohne besondere Kälte und ohne Schnee. Darum konnte die Station III im Innern (fovot) fertig gestellt werden. Allerdings machte ein Heizungsrohrbruch Herrn John große Sorgen. Nachdem im Vorjahr der große Rohrbruchschaden draußen nach monatelanger Stückarbeit und mit viel Zeit und Geldaufwand (80.000,-) behoben war, begann ein Suchen und Fußbodenaufreißen im rechten Flügel des Neubaus mit Station I und Station II bis der Schaden im Kulturraum entdeckt und behoben werden konnte.
Zum Gasherd in der Schulküche für Gäste kam eine neue elektrische Spülmaschine, so dass auch die Großküche ihre vorschriftsmäßige Geschirr-Abwaschküche erhielt. Selbst auf der Landwirtschaft bauten unsere fleißigen Arbeiter noch mehr Zimmer aus. Stallungen und Schuppen wurden zementiert und für Familien- und Einzelgäste des kirchlichen Dienstes bewohnbar gemacht.
Auf dem früheren Wirtschaftshof wurde ein Stein- und Blumengarten angelegt; Zierbäume gepflanzt und das Grundstück vom Weideland durch einen Pappzaun getrennt. Auch der Eingang erhielt ein neues eisernes Hoftor und eine neue Tür aus Eisen.

Am 21.11. am Feste Mariä Opferung konnte unsere Mutter Angela und mit ihr vier Schwestern in Berlin Langwitz das 25jährige Ordensjubiläum feiern. Zur Freude der Ordensjugend im Osten kam Mutter No. Angela mit Assistentin No. Seraphina einen Tag nach dem Feste noch nach Michaelkirchplatz, wo mit Herrn Johannes Weihbischof Kleineidam eine feierliche Jubiläumsnachfeier stattfand, wobei auch drei junge Schwestern der DDR-Provinz ihre Gelübde erneuerten.

Dann ging das Jahr 1977 wie alle Jahre vorher dem Ende zu. Die Kinder fuhren froh und gesund am 21.12. heim und das Personal ebenfalls nach einer kleinen herzlichen Adventsfeier, die für Herrn Paganatz und für Frau Küffner zugleich eine Abschiedsfeier bedeutete.

Eine große Freude war im Herbst für unseren Convent der Besuch von Schw. Aldona aus East-Afrika. Vor mehreren Jahren war sie mit ihren polnischen Mitschwestern Schw. Lucilla und Schw. Innocentia in die Kilimarondo-Mission, (Diözese Nachingwea) in Tansania geflogen. Sie bewohnen dort eine kleine Station ganz nahe dem Buschgebiet und unweit des Kilimandscharogebirges. Unsere Schwestern bewohnen ein zweistöckiges massives Gebäude, früher von Benediktinerinnen erbaut und bewohnt. Ihre Arbeit ist sehr vielseitig, eigentlich allumfassend. Darum war ihr zweistündiger Vortrag an Hand von Lichtbildern für alle Insassen unseres Hauses äußerst interessant. Auch das „Vater unser“ betete uns Schw. Aldona in der Eingeborenen-Sprache vor. Alle vier Jahre dürfen sie für ein halbes Jahr in die Heimat.


1978

Vom 02.-08.01.78 waren die jährlichen Schwesternexerzitien. Auch drei Schwestern aus Berlin und drei Schwestern aus (Gofour.) Convent nahmen daran teil. Sie waren gehalten diesmal von Herrn Pfarrer A. Bernhard, Seelsorger des St. (Josefskrl.) Berlin Weissensee unter dem Motto: In Christus hat uns Gott alles geschenkt. Darum Lob und Dank dem Vater Gott. Der WEG zu ihm führt durch Wort, Eucharistie und Gemeinschaft.

Am 08.01., als Schw. Oberin Perpetua Herrn Pfarrer Bernhard mit dem Auto zur Bahn brachte, erhielt sie einen kleinen Unfall. Die Insassen: Schw. Bona, Schw. Lea und Schw. Gabriela sowie Herr Pfarrer kamen mit dem Schrecken davon; aber das Auto war gebrauchsunfähig.
Am 14.01. wurde von Herrn Prälat Schmitz, Berlin und dem Herrn Caritasdirektor Janischewski im Beisein von Herrn Rektor F. Rühr der Schwesterngemeinschaft die neue ab 01.01.78 in Kraft tretende Geschäftsordnung verlesen, ebenso der Gestellungsvertrag. Dabei ergab sich eine kleine Änderung in der Hausleitung:

1.    Herr Rektor als Hausverantwortlicher
2.    Herr John als Verwaltungs- und Wirtschaftsleiter
3.    Schw. Oberin, verantwortlich für das weibliche Personal.

Auch im Schwesternkreis gab es kleine Änderungen:

Schw. Radegundis wurde der Büroarbeit zugeteilt,
Schw. Isolde dem Schwesternrefektorium und
Schw. Irmina übernahm die Kapelle und die Bücher.

Am 21.01. besuchte uns kurz Schw. Provinzoberin Brunhildis. Am 02.02. fand im Schwesternrefektorium die Wahl der Delegierten für das Provinzkapitel im Juni statt. Vom Convent wurden an 2. und 4. Stelle gewählt: Schw. Radegundis, Schw. (Ildefonsa). Am 12. 02. war Herr Rektors Geburtstag. Es herrschte ohnehin im ganzen Haus Faschingsstimmung, den bereits am 07.02., dem Rosenmontag war Hausfasching und am 08. und 09. 02. feierten die Schulkinder in den Gruppen. Große Freude gab noch das Erscheinen des (Ahs.) Weihbischofs, der die Kinder besuchte, das Leben des heiligen Otto mit ihnen feierte und Herrn Rektors Geburtstag (flot) und froh belebte.
Am 07.03. war Schw. Oberins Nonnentag fällig. Da sie sich aber einer kleinen Operation in Berlin, Hedwigskrankenhaus unterziehen musste und es zudem schon vorgeschrittene Fastenzeit war, wurde die Nonnentagsfeier nur bescheiden im Schwesternkreis am 13.03. nachgeholt.
Das Fest Mariä Verkündigung wurde des Karsamstags wegen erst nach der (Osteroktar) gefeiert und somit auch der Namenstag unserer Provinzoberin, sonst fällig am 25. III. Am 26. III. bereits war Ostern und diesmal sogar ohne Kinder! Aspirantur und Personal machte Urlaub vom 23. III.- 28.III. und freute sich der Heimfahrt.
Auch der Anfang April brachte uns frohe Tage: am 03.04. das Fest Mariä Verkündigung, am a04.04. das Fest des heiligen Josef, sonst 19.03., und am 05.04. hatten wir als Ausklang Schw. Rellektio der Norddekanate. Herr Weihbischof war anwesend wie üblich und Herr Pfarrer Bunk hielt einen Vortrag mit Lichtbildern über Bulgarien, seinem Urlaub in Sofia.

Vom 03.-10. 04. weilte Schw. Monika zu Exerzitien in Berlin, Katharinenstift, (Gfw. Str.) Schw. Radegundis, Schw. Firmina und Schw. Andrea hielten ihre Jahresexerzitien in Berlin-Briesdorf vom 12.-20.04. Schw. Monika und Schw. Andrea hatten daselbst noch die große Freude, sich mit ihren Kursschwestern zu treffen und zwar Schw. Monika Schw. Angelika, Berlin Feldstraße und Schw. Andrea mit Schw. Carla ebenfalls Feldstraße Westberlin.

Das Pfingstfest fiel auf den 14. und 15. Mai. Das Haus war mit Kleinkindern gefüllt und an sechs Tagen auch mit einem Teil Schulkindern, die einen Teil ihrer Pfingstferien hier verlebten. Nur war es reichlich kalt und kühl für die Jahreszeit. Die Heizung wurde noch bis in den Juni hinein beansprucht.
Das Fronleichnamfest am 25.05. wurde am Sonntag, 28.05. wieder im St. Ottoheim festlich begangen. Die Prozession zu den vier Altären war allen Kleinkindern, die mit Lied und Musik sehr aktiv waren, ein einmaliges Ereignis und dürfte in aller Erinnerung bleiben.

Die letzten Maitage sowie die ersten Junitage brachten unerwartet einige Sommertage, die sofort von der Hausgemeinschaft für Betriebsausflüge am 30.05. und 01.06. genutzt wurden.
Diesmal ging die Busfahrt in Richtung Eberswalde zu dem ehrwürdigen Zisterzienserkloster (Chorin), aus dem 13. Jahrhundert. Diese gotische Backsteinruine zeugt heute noch von der damaligen Baukunst und dem allseitig hohen Kulturstand seiner Bewohner. – Die Kirche von Eberswalde, zur „100 Jahrfeier“ ihres Bestehen 1977 wurde ebenfalls besichtigt. Mit viel Umsicht und Geschick war die Innenausstattung bzw. der Umbau gemäß dem III. (vat. Konzilbestrebungen) dem Herrn Pfarrer Roske gelungen. – Anschließend besichtigten wir noch das Schiffshebewerk in (Finowfürth); das einzige in der DDR in solch großem Ausmaß, welches die Schiffe von der Oder in die Havel schleust. (Früher verband Kaiser Wilhelm Kanal die Oder mit der Havel.)

Die Sommermonate lockten Schw. Cordilia und Schw. Mirella, sowie Schw. Gerburga und Schw. Isolde in den anderen Teil Deutschlands. Sogar die (84)jährige Schw. Reinfrida unternahm (?) eine 14Tage-Reise nach Berlin, während die gehbehinderte Schw. Liola Besuch aus Westdeutschland empfing, desgleichen Schw. Rosaria und Schw. Oberin Perpetua sich für einige Tage der Angehörigen aus Westberlin und Saarbrücken erfreuten.

Geplant war für das Jahr 1978 die Renovierung des Schw. Refektoriums und 10 Tage vor Pfingsten wurde dies Wirklichkeit. Die einfachen alten Fenster wurden durch Verbundfenster ersetzt, der Fußboden erhielt neuen Belag und die Wände moderne Tapeten.
Auch wurde die Modernisierung der Stationen III und IV abgeschlossen, neue Gebäude aufgestellt und der gesamte sandige Spielplatz mit Grünanlagen und Ziersträuchern versehen.
Viel Mühe hatten unsere Arbeiter in den Sommermonaten mit dem Kanalbau für die Heiz- und Wasserrohre auf dem gesamten Gelände sowie mit der Ausbesserung des Dachs im Hauptgebäude.

Im Juli war wiederum jeder Platz durch Schulkinder belegt; aber leider war wenig Badewetter und auch im August war viel Regenwetter. Die Jungen- wie die Mädchenkur und auch der Dekanatstag in Wolgast standen im Zeichen der 800-Jahrfeier des heiligen Otto von Bamberg, welcher den Pommern den Glauben brachte und auch 2. Patron des Berliner Bistums ist.
Für die Kinder bedeutete die Anwesenheit von Herrn Weihbischof Johannes und Kardinal Bengsch Freude und Stärkung im Glaubensleben. Hier mag manchem Kind ein Ahnen aufgegangen sein vom Begriff „Kirche“ und „Papsttum“ im Leben des einzelnen Christen, durch den unerwarteten Tod des heiligen Vaters P.P. VI am 06.08. und dem plötzlichen Tod von Papst Johannes Paul I nach einer Regierungszeit von nur 33 Tagen am 28.09.

Zwei Mal in kurzen Zeitabständen musste Herr Kardinal die Romreise zum Begräbnis und zur Neuwahl des heiligen Vaters antreten. Ungeheurer Jubel brauste in der ganzen Welt und besonders in den Ostgebieten auf, als am 16.10.78 der Kardinal (Carol) von (Woitgela) Krakau als Papst Johannes Paul II den Stuhl Petri bestieg. Diesmal ein gebürtiger Pole, ein Arbeitersohn! Nach 450 Jahren kein Italiener!

Zum Schulanfang im September begab sich Schw. Monika für 2 Jahre nach Erfurt ins (Kolg.) Seminar der Ursulinen. Frl. Funke nahm Abschied von der Aspirantur und Frl. Regina Melchert übernahm die Vorbereitung der 12 neuen Aspirantinnen für den kirchlichen Dienst. Sie erlebte an diesen aufgeschlossenen, bereitwilligen und talentierten jungen Mädchen im Laufe des Jahres viel Freude.
Schw. Irmina und Schw. Andrea konnten nach den anstrengenden Sommermonaten an Urlaub denken und begaben sich nach Schöneiche, Berlin und in Heimaturlaub. Auch Schw. (Ildefonsa) erhielt einen Kurplatz in (Brad-L-stein) im Oktober/November. Schw. Oberin verbrachte ebenfalls ihren Resturlaub im Oktober im geliebten Alexanderdorf und in Berlin. Dort stand bereits das neue Auto (Tourist) und wartete auf das Einfahren und Einüben nach der neuen Verkehrsordnung.

Schw. Reinfrieda erkrankte plötzlich Mitte Oktober an starken Ischiasschmerzen. Mit ihren 84 Jahren setzte sie täglich mehr auf die Ewigkeit und am 31.10. spendete ihr Herr Rektor Rühr die heilige Ölung. Doch dank ihrer zähen Energie wurde es besser, so dass der behandelnde Arzt Dr. Preusche ihr versicherte: Im Frühjahr laufen Sie wieder! Was auch tatsächlich eintraf.

Nach Saisonschluss Anfang September, begann der Total-Umbau des Waldheimes. Aus der Holzbaracke wurde ein Massivbau, im Innern modernisiert und den anderen Stationen angeglichen. Es waren viele Schwierigkeiten zu überwinden, weil durch den früh einsetzenden Winter die Arbeit oft unterbrochen werden musste. Erst im Mai 1979 konnten die Räume fertig gestellt werden.

Anfang November ging die Aspirantur mit Fräulein Melchert nach Berlin ins Kdg-Praktikum und anschließend in den Weihnachtsurlaub.
Auch die Kinder verließen das Heim am 20.12. Der Rest des Personals veranstaltete mit Herrn Rektor und den Schwestern am 21. eine kleine Weihnachtsfeier und begab sich ebenfalls in den Urlaub.
Die Christnacht war im St. Ottoheim erstmals Heilig Abend schon um 17:00 Uhr und nicht wie sonst um Mitternacht. Anschließend Abendbrot als (Agapee) und eine gemütliche, freudige Stunde bei den Geschenken. Von der Hausleitung erhielt jede Schwester neben einem herrlich roten Weihnachtsstern ein gewünschtes Geschenk im Werte von 15,- DM und als Gemeinschaft noch einen neuen Elektroherd mit Kochgeschirr.

Schw. Michaela Nitschke, welche bereits im Oktober ihre Ausreise nach Westberlin beantragt hatte, fuhr am 29.12. ins Provinzialat und kehrte nicht mehr nach Zinnowitz zurück.


1979

Für das Jahr 1979 war es Schw. Oberin Perpetua nicht gelungen einen Exerzitienmeister ausfindig zu machen. Deswegen waren alle Schwestern anderweitig um einen Platz bemüht. Den Anfang machten Schw. Irmina, Schw. Firmina und Schw. Claudia und Schw. Gerburga in Alexanderdorf und Anfang März fuhren Schw. Andrea, Schw. Ildefonsa und Schw. Radegundis ebenfalls dorthin. Vom 20.-27.03. beteiligten sich Schw. Cordilia, Schw. Talida und Schw. Mirella an den Exerzitien in (Briesdorf), während Schw. Isolde einen 7-Tage-Aufenthalt in Westberlin vorzog und die Exerzitien auf September schob.

Am 07. März feierte Schw. Oberin den Namenstag erstmals in Zinnowitz im engen aber froh-gemütlichen Schwesternkreis. (Auch) einige Wolgaster Schwestern waren dabei. Schw. Provinzoberin war schon im Januar hier vom 18.-23.I. zu Visitation gewesen und im März durch wichtige, vorbereitende Arbeiten; wie Oberinnentagung, Besuch der würdigen Mutter, Exerzitien in Neuzelle und eigener Namenstag am 25.III. verhindert.
Selbst unsere kränklichen Schwestern hielten vor Ostern 3 stillfrohe Einkehrtage und so erfreuten sich Schw. Lioba, Schw. Reinfrida und Schw. Rosaria an den auf Tonband aufgenommenen und von Schw. Oberin mitgebrachten Vorträgen des Herrn Spirituals Klaus Weyers aus Neuzelle.

Die Kinderkuren waren schon ab 04.01. festgelegt, doch der äußerst schneereiche und strenge Winter stürzte alle Pläne um. Ein Katastrophenzustand wurde ausgerufen und Kindern wie Erwachsenen die Anreise in Erholungsheime untersagt.
Energie- und Lebensmittelversorgung stockte. Entlegene Dörfer konnten nur mit großer Mühe durch Hubschrauber die täglichen Nahrungsmittel erhalte, weil der Eisenbahnverkehr streckenweise ganz still lag oder mindestens sehr beschränkt war. Bevölkerung und Armee waren zur Beseitigung des meterhohen Schnees auf den Transportstraßen eingesetzt. Wochenlang hielt diese starke aber gesunde Kälte an.

Am 03.II. endlich reisten für 14 Tage Schulkinder aus der Zone für die Winterferien an und auch Herr John reiste mit seiner Familie nach Luisenthal/Harz zum Wintersport. Leider bekam ihm und der sechsjährigen Rita der diesmalige Aufenthalt nicht, denn beide kehrten krank zurück, statt gut erholt.
Mitte Februar machte der Winter nochmals seine Herrschaft geltend und erschwerte den Landkindern aus der Umgebung die Heimfahrt so sehr, dass sie statt Stunden Busfahrt, Tage brauchten und auf sonst unmöglichen Beförderungsmitteln ihre Familien erreichten.

Den Berliner Kindern wurde aufs Neue die Anreise nicht gestattet. Das Heim blieb leer bis zum 24.II.
Auch die Kar- und Ostertage blieben wir ohne Kinder und Personal.
Zum Namenstag schenkten wir Schw. Provinzoberin Bernhildis diesmal zur großen Freude Tischdecken  fürs Refektorium. Am a27.III. besuchte uns für 3 Tage Mutter No. Angela mit Schw. Serafine in Begleitung von Schw. Provinzoberin.

Kurz nach Ostern am 26.04. durfte Schw. No. Katharina ihre zeitliche Profers in Berlin Michaelkirchplatz ablegen und Schw. Oberin Perpetua, Schw. Radegundis, Schw. Andrea, Schw. Claudia und Schw. Mirella waren größtenteils als Sänger dazu geladen.

Der Schnee lag stellenweise noch bis Mitte Mai und alles hoffte vergeblich auf die warmen Frühlingstage. Dann aber war es doch so weit. Am 12.05. füllte sich das ganze Heim mit der zappelnden Jugend, freute sich der warmen Sonne des sprossenden Lebens und (harrte) des Badewetters.

Am 23.04. war wieder Schw. Rellectio der Norddekanate und, so kurz nach Ostern, hielt Herr Weihbischof Kleineidam daselbst einen Vortrag über die Freude.

Mit den herrlichen Maitagen begann auch die Ferienlust und Schw. Mirella begab sich vom07.-14.05. nach Westberlin. Allen Schwestern und Hausbewohnern brachte der 29. und 31.05. viel Freude durch den Betriebsausflug. Ein strahlend blauer Himmel begleitete ab 5:30 Uhr die Barkasfahrt nach Stralsund und von dort mit dem Dampfer nach Hiddensee um alle Insassen vergnügt und braun gebrannt abends 21:00 Uhr heimkehren zu lassen.

Im Juni/Juli durften Schw. Andrea in Erfurt und Schw. Isolde in Westdeutschland den Urlaub verbringen, Schw. Cordilia war bereits im Mai, nach ihrem 70. Geburtstag zu den Angehörigen nach Westdeutschland gefahren.

Am 10.06., dem Dreifaltigkeitssonntag, feierten Schw. Reinfrida und Schw. Lea ihren 60. Einkleidungstag mit aufrichtigem Dank für Gottes Führung. Dazu war Schw. Reinfridas priesterlicher Neffe väterlicherseits und ein Neffe mütterlicherseits aus Westdeutschland, sowie ein Großneffe mit seinem Freund aus Westberlin gekommen. Unser Rektor Rühr und Herr Pfarrer Bonk zelebrierte und dann vereinigte eine (Agape) die Geistlichen, Anverwandten, sowie Provinzoberin und Meisterin aus Ostberlin und den Schwesternkreis aus Wolgast und Zinnowitz im Schwesternrefektorium. Am 15.06. konnte Schw. Reinfrida mit Dank gegen Gott den 85. Geburtstag begehen und Herr John schenkte dafür eine herrliche ausländische Paradiesblume.

Am Fronleichnamstag hielt Herr Rektor Rühr den 12 Aspirantinnen einen Einkehrtag und am Sonntag darauf war die Prozession mit der Gemeinde wieder im St. Ottoheim. Für die Kinder war dies ein einmaliges Erlebnis, denn die durften an den Altären ihre Lieder singen und auf den Wegen Blumen streuen, bis in der Dichtgedrängten Kapelle des Heilands Segen sie alle entließ.

Unsere Handwerker konnten auch nach viel fleißiger Arbeit auf das umgebaute und nun endlich fertig gestellte „Waldheim“ zurückblicken. Die einstige Sommerbaracke war nun mit Heizung, fließend Warm- und Kaltwasser, Duschanlage, Schaumgummimatratzen und neuen modernen Möbeln, kaum wieder zu erkennen. Bevor die Kinder am 13.06 dort ihren Einzug hielten, vereinigte ein kleines (Feaudenkfest) daselbst alle Ottoheimer. Der gutgeratene wohnliche Umbau bewies seine Gemütlichkeit besonders wegen seiner (beguennen) Küche bei allen späteren festlichen Anlässen, wie Geburtstag von Herrn John, 01.10. und Herr Rektor, 12.11. und St. Martinsfest, 11.11. und dergleichen mehr. Eine Kaffeetafel war hier angebrachter als im Kulturraum des Gästetraktes.
Die Grünanlagen um die Stationen wurden neu mit Gras eingesät bzw. mit Sträuchern bepflanzt und die Wege sauber eingefasst mit Bordsteinen. Auch der Parkplatz vor dem Heizhaus wurde betoniert und sauber als solcher gekennzeichnet.
Die Hofseite des Haupthauses erhielt neuen Putz und Fensterumrandungs-Anstrich. Ebenso besserten einige Dachdecker an freien Tagen wie Samstag und Sonntag die so notwendigen Schadenstellen des Daches aus.

Am 20.07. heiratete Fräulein Annemarie Elsner und zog mit Herrn Grohmann und ihrer fünfjährigen Töchterchen Manniela nach (Premnitz).

Am 04.08. erkrankte Schw. Claudia und musste vom 06.-20.08. auf die Isolierstation nach Ahlbeck. Den Unterschied zwischen unseren und den städtischen Krankenhäusern drückt sie mit folgenden Worten aus: Nie wieder sage ich, dass ich krank bin; und wenn ich auf allen Vieren kriechen muss.
Diese für sie recht enttäuschenden Tage fanden einen Ausgleich in der am 22.08. stattfindenden Wallfahrt nach Rosenthal und Marienstern an welcher Schw. Claudia, Schw. Cordilia, Schw. Talida und Schw. Isolde teilnahmen. Näheres darüber siehe im St. Hedwigsblatt.

Eine Stimmbänder-Erkrankung hielt Herrn Kardinal Bengsch im Jahre 1979 von einem Urlaub in Zinnowitz ab; aber trotz bedeutender Mehrarbeit ließ es sich Herr Weihbischof nicht nehmen, die Schulkinder am 14./15.08. auf allen Stationen zu besuchen und mit den älteren Gruppen sowie mit den Aspirantinnen ins persönliche Gespräch zu kommen. Die Ferien-Durchgänge beliefen sich jeweils auf 260 Kinder. Dabei hatten besonders die Mädchen herrliches Sonn- und Badewetter, das sogar noch im September durchhielt und sich bis Mitte Oktober hinzog.

Ende August bedeutete für mehrere Insassen Abschied vom St. Ottoheim. Die Aspirantur begab sich nach (Michendorf) ins Seminar, die Praktikantinnen nach Heiligenstadt und einige Kindergärtnerinnen nahmen neue Dienststellen in bzw. bei Berlin an. Das Haus füllte sich mit neun neuen Aspirantinnen und die Zahl der Kindergärtnerinnen mit Praktikantinnen stieg auf 13. Dazu kommen noch zwei Frauen aus dem Ort für die Bedienung.

Am 07. September vollzog Herr Pfarrer Schröter, Wolgast in der Hauskapelle die Taufe von Regina Janke.

Mit viel Sorgfalt hatte Schwa. Claudia für ihre bereits ein Jahr alte Nichte, Tochter ihres Bruders Martin, Das Taufkleid hergerichtet. Bei dieser seltenen Feier nach dem neuen Ritus waren auch Schwestern und Aspirantinnen anwesend und anschließend wurde nach einer fröhlichen Kaffeerunde Tauf- und Namenstag des Kindes gefeiert.

Am 09. September besuchte uns kurz Schw. Provinzoberin und Schw. Friedlinde und teilte uns mit: Schw. Michaela hatte in der letzten Augustwoche ihren Ausreiseantrag vom Rat des Kreises erhalten, ist sofort nach Westberlin gereist und hat dort leider nach fast 30 Jahren Zugehörigkeit unsere Kongregation verlassen.

Der August/September brachte für Schw. Mirella, Schw. Gerburga, Schw. Irmina die lang ersehnten Urlaubstage, denen sich auch Herr Rektor und Schw. Oberin anschlossen. Im Oktober fuhr Schw. Oberin nach Alexanderdorf bei Berlin und anschließend eine Woche zur Oberin-Tagung nach Heiligenstadt.

In den Winterkuren konnte das Heim nur eine Belegung von 40 bis 50 Kindern verzeichnen, was sich auf den Gesamtumsatz schlecht auswirkte.
Am 11.11. feierten Heim und Gemeinde das St. Martinsfest in der Kapelle mit Laternen, Liedern und einem kleinem Darstellspiel. Anschließend war Umzug zur Freilichtbühne Martin zu Pferd mit dem Bettler, und Gabenausteilung zu aller Freude.

Bei unseren männlichen Mitarbeitern verringerte sich zum Jahresende die Zahl der Beschäftigten: Herr Braun als Fliesenleger, Herr Poganaz als Mann für alles, hatten bereits im Vorjahr die Arbeit niedergelegt, und nun taten es auch Herr Budalm, Bau und Herr Schmiertacz, Tischler. Alle beide hatten das Rentenalter überschritten, sich aber dennoch für einen Nebenverdienst dem St. Ottoheim zur Verfügung gestellt.

Vom 06.-10.12. durften neun Schwestern nach Berlin zur 125jährigen Feier des Kongregationsbestehens fahren. Das Treffen aus Ost- und Westdeutschland und aus Rom und Polen fand in solch beglückender freudiger Verbundenheit und solchem Frohsinn statt, dass Herr Kurator J. Kleineidam immer wieder darüber seinem Ausdruck Erstaunen gab.

Während unseren Feierlichkeiten in der Pappelallee, in der Kathedrale und im Bernhard-Lichtenberg-Haus lag Herr Kardinal Bengsch schwer krank in seiner Wohnung und ließ uns durch Herrn Generalvikar Schmitz und Herrn Weihbischof Kleineidam herzliche Grüße und Segenswünsche übermitteln. Weder er selbst noch seine Umgebung ahnte, wie nahe der Tod war. Ein unerwarteter Blutsturz in den Abendstunden des 13.12. bereitete seinem Krebsleiden ein jähes Ende und führte ihn in die himmlische Wohnung, heim zum Vater.

Am 19.12. fuhren alle Kinder gesund heim und am 20.12. auch das Personal.
Das Weihnachtsessen fand erstmals außerhalb des Heims in der neu erbauten Gaststätte „Waldhof“ in Trassenheide statt und ersparte allen viel unangebrachte Hausarbeit.
Dem Schwesternkreis war nun eine Woche friedvoller Feiertage beschieden bis am 31.12. in der Kapelle der Gemeinde das Jahr mit einer Silvesterandacht beschlossen wurde.


Chronik nach Zeitabschnitten: 1947–1961 | 1962–1968 | 1969–1974 | 1975–1979 | 1980–1985

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