Chronik 1962–1968
Konvent der Marienschwestern – Chronik 1962–1968
Abschrift aus der handschriftlichen Chronik der Marienschwestern, Zeitraum 1962–1968
Chronik nach Zeitabschnitten: 1947–1961 | 1962–1968 | 1969–1974 | 1975–1979 | 1980–1985
1962
Am 11. April erhielt das Ottoheim eine neue Hausoberin. Die höchsten Vorgesetzten hatten für diesen schwierigen Posten Schwester M. Lutberga Pohl ausersehen. Aus diesem Anlaß erschien Schwester Provinzialoberin M. Gertrudis aus Berlin, um der bisherigen Schwester Oberin M. Henrica für ihre treue, aufopfernde Arbeit zu danken und die Last und Verantwortrung von ihr zu nehmen, um sie den jüngeren Händen von Schwester M. Lutberga, die bis dahin in der Verwaltung des Hauses gearbeitet hatte anzuvertrauen.
Zur Hilfe für den Verwaltungsapparat wurde ihr Schwester M. Mirella, die aus Zeitz abberufen wurde, gegeben.
Schwester Oberin M. Henrica nahm Abschied und fuhr von den Hausschwestern tief betrauert Nach Berlin Michaelkirchplatz 03 ab.
Indessen rollte der Sommerbetrieb langsam an. Die Verbände schickten große Transporte. Das Wetter war zu dieser Jahreszeit sehr günstig und recht geeignet für die Erholung der Kleinkinder, die wir außerhalb der großen Ferien nur zugeschickt bekommen.
Ein tragischer Fall der sich ereignete, soll erwähnt werden.
Ein fünfjähriger Junge aus dem Kindergarten Bitterfeld erlitt am 19. Juni am Strand den Herztod. Die Leiterin des Kindergartens bemerkte dies und eilte dem Kind, das umgefallen war, zur Hilfe. Trotz Wiederbelebungsversuche war es nicht möglich das Leben des Kindes zu retten. Der Tod war bereits eingetreten. Die Leiche kam nach Wolgast und wurde von dort aus nach Bitterfeld überführt.
Am 20. Juni konnten zwei Schwestern den Jubelkranz tragen. Schwester M. Damasa feierte den 50. Jahrestag ihrer Einkleidung und Schwester M. Adalberta blickte dankbaren Herzens auf 65 Ordensjahre zurück. Das Festhochamt hielt Pfr. Frucht aus Heringsdorf.
In dieser Zeit viel das Fronleichnamsfest. Die äußere Feier, mit Rücksicht auf die Pfarrgemeinde, am 2. Sonntag nach Pfingsten festlich begannen. Das Festhochamt und die Prozession hielt Herr Pfr. Kataschinski aus Zinnowitz. Ihm assistierten Herr Domkapitular Dr. Heinrich Theissing aus Görlitz und Herr Erzpriester Walter Mutke aus Niederorschel.
Ein herrlicher sonniger Tag bot Gelegenheit die Prozession auf unserem Grundstück zu halten, so das alle Erholungskinder, die Gläubigen des Ortes und viele Kurgäste daran teilnehmen konnten.
Im Juli begann die Hochsaison. Die Erzieherinnen und Räume waren empfangsbereit.
Gleichzeitig lief ein Sonderkurs für Jungen von 13 – 16 Jahren . Dieser wurde von Herrn Pfarrer Peter Riedel, Herrn Domvikar Johannes Kleineidamm und einigen Theologen seelsorglich und erzieherisch betreut. Die Sorge um das leibliche Wohl lag in den Händen von Schwester M. Berchmana.
Nach drei Wochen bezogen Mädchen aus dem gleichen Anlass das Waldheim. Auch dieser Kurs wurde von Pfr. Peter Riedel, Herrn Kuratus Ratschke und Herrn Kaplan Riethmüller und etlichen Kindergärtnerinnen und Helferinnen geleitet.
Es war während dieser Wochen ein fröhliches Leben und ein reges Schaffen in den einzelnen Gruppen zu spüren .
Unser hocherw. Erzbischof Dr. Alfred Bengsch, der diese Aktion besonders wünscht und fördert, war während einiger Wochen hier im Heim.
Er benutzte ofr die Gelegenheit, am Strand oder in den Gruppen, um mit der Jugend ins Gespräch zu kommen und Kontakte mit ihr aufzubauen.
Sein Namenstag am 15. August, ist immer ein geeigneter Anlass die Liebe und Verehrung der Jugend für ihren Oberhirten zum Ausdruck zu bringen.
Am Fest „Mariä Himmelfahrt“ wurde eine feierliche Pontifikalmesse gehalten, der die Firmung von fünf Mädchen vorausging.
Gut erholt und braun gebrannt fuhr Excellenz am 19. August ab. Die Jugend bereitete ihm einen feierlichen Abschied. Es waren frohe harmonische Tage, als Excellenz in unserer Mitte weilte.
Mit dem Ende der Schulferien reisten wieder Kleinkinder an. Leider war der Sommer sehr verregnet.
Die Getreideernte konnte mit Gottes Hilfe und der Unterstützung einiger Burschen von Herrn Mathe und Schwester M. Reinfrida glücklich in ganz kurzer Frist eingebracht werden.
Eine andere Ernte hielt der Tod, als er plötzlich am 05. September unsere liebe Schwester M. Theodolinde, durch einen plötzlichen Tod in die Ewigkeit rief.
Am 08. September „Mariä Geburt“ war die Beerdigung unter reger Beteiligung von Priestern und Gläubigen.
Mit dem Begin des Herbstes kam die Zeit der hl. Exerzitien heran. Die ersten Exerzitien begannen am 07. Oktoberr und endeten am 13. Oktober und wurden von Herrn Pater Paulus OFM aus Görlitz Weingarten, gehalten.
Mehrere auswertige Schwestern nahmen daran teil. Da das Herbstwetter überaus sonnig war, wurden die Tage eine Erholung für Seele und Leib.
Am 17. Oktober legten zwei Novizinnen , Schwester M. Firmina Schneider und Schwester M. Luitgardis Scheidemann ihre erste Profeß ab und zwar in die Hände von Domkapitular H. Wessels aus Demmin. Ihm assistierte Herr Kuratus Komischke aus Wolgast und Herr Kuratus Alker aus Zinnowitz.
Vom Mutterhaus war Schwester Provinzialoberin M. Gertrudis beauftrag worden die Stelle der hocherw. Mutter zu vertreten.
Schwester M. Luitgardis fuhr bald nachher nach Berlin, um dort als Krankenschwester im Antonius- Krankenhaus tätig zu sein. Schwester M. Firmina blieb hier für die Gästebedienung.
Der zweite Exerzitienkurs, den Herrn Pater Nikel SJ leitete, begann am 04. November und dauerte bis zum 10. November. Auch hier war herrliches Herbstwetter. Die Vortrage wurden im Unterrichtraum des Noviziates gehalten.
Für das Fest“Mariä Opferung“ war die erste Einkleidung im Ottoheim geplant. Nach Gottes unerforschlichem Ratschluss sollte diese Feier hier nicht stattfinden. Ein jäher tragischer Tod machte dem Leben von fünf Personen ein Ende.
Schwester Provinzialoberin M. Gertrudis, Schwester M. Hemma, die Eltern (Johanna und Johannes Lojak) und der kleine Bruder (Martin Lojak) unsere Postulantin Christa Lojak wurden durch einen Autounfall getötet. Das Unglück ereignete sich am 19. November um 11.15 Uhr auf der Autobahn bei Bernau, als die genannten Personen nach Zinnowitz zur Einkleidung unterwegs waren.
Die Beerdigung war am 26. November in Berlin. Alle fünf Verunglückten ruhen aus dem Piusfriedhof.
Am 01. Dezember konnte die Einkleidungsfeier nachgeholt werden. Auf besonderen Wunsch der Postulantin geschah dies im St. Marienstift in Berlin, Michaelkirchplatz 03.
Die Feier hielt Herr Ordinariatsrat Dr. Groetschel. Auch unsere hocherw. Mutter nahm an dieser Feier teil. Die Novizin erhielt den Namen Schwester M. Gabriela und sie begann sobald ihr Noviziat in Zinnowitz.
Noch einen schmerzlichen Verlust sollten wir erfahren.
Wir verloren unseren langjährigen, von allen geschätzten Beichtvater, Herrn Pfr. Frucht aus Heringsdorf, der die Pfarrstelle in Angermünde übernahm. Zur Überbrückung bot sich Herr Domkapitular Heinrich Wessels an.
Seine Berufung zum Erzpriester machte ihm dieses Amt als ordentlicher Beichtvater unmöglich. Auf unser Bitten hin und mit Genehmigung des Ordinariates übernahm er das Amt als außerordentlicher Beichtvater. Ordentlicher Beichtvater wurde Anfang 1963 Herr Kuratus Walter aus Heringsdorf.
Am Schluss des Jahres hielten 25 Ministraten aus Anklam eine Werkwoche.
1963
Mit Beginn des neuen Jahres feierten wir den Namenstag von Schwester Oberin M. Lutberga. Dieser Tag war reich an geistigen und irdischen Freuden.
Mit einem Festgottesdienst begann der und schloss mit einer Segensandacht. Gegen Abend kam das größte Geschenk an. Der Caritasverband schickte Matratzen, Betten, Bettwäsche und Stühle für das Kinderheim.
Am nächsten Tag bereits reisten Handwerker und Theologen an, um sämtliche elektrischen Leitungen im Haupthaus unter Putz zu legen. Mit unser Winterruhe war es natürlich vorbei.
Am 03. Januar wurden die ersten Kinderräume in Angriff genommen, denn diese sollten bereits am 14. 01. fertiggestellt sein, denn es reisten 120 Kinder von Berlin an und ein Kindergarten mit 18 Kindern aus Halle.
Es wurde ganze Arbeit von den Handwerkern und den Theologen verlangt und auch geleistet. Unter größtem Einsatz aller nahm die Arbeit ihren Verlauf.
Zugleich wurde der uralte Backofen von der Firma Sussmann abgerissen und der nun entstandene große Raum in zwei Teile geteilt. Schwester M. Dolores erhielt eine abgeschlossene Brotkammer mit Regalen. Küche und Kühlschrank waren durch eine Verbindungstür erreichbar und ein schöner Vorratsraum entstand.
Im unteren Sprechzimmer wurde die Verbindungstür mit Zimmer 11 zugemauert (1.Stock) .
Auch im 3. Stock, Zimmer 19 wurden einige Änderungen vorgenommen. Die Schlafsaaltür wurde hereingerückt, dadurch liegt die Bodentreppe außerhalb des Raumes, so das jeder ohne
Die Kinder zu stören, den Boden erreichen kann. Die Seiten der Bodentreppe wurden abgedichtet, damit es im Saal nicht mehr zieht.
Ebenfalls wurden sämtliche Türschwellen im Haupthaus erneuert.
Da der Winter ausnahmsweise kalt war, fror die Ostsee bis auf acht Meilen zu.
Am 11. Februar begann der Sonderkurs für das Dekanat Greifswald und Stralsund.
Der Sonderkurs konnte nicht stattfinden. Mit Brennmaterial waren wir gut eingedeckt,
so das wir die Kuren hätten weiter durchführen können. Auf staatlichen Befehl mussten alle Kindererholungsheime wegen Kohleneinsparung schließen. Nur die polizeilich bereits gemeldeten Kinder von Stralsund und Greifswald durften noch bis zum 16. Februar bleiben. Während der Dauer von drei Wochen blieb der Betreib geschlossen. Der strenge Frost hielt weiter an. In den folgenden Wochen hatten wir genügend Renovationsarbeiten zu bewältigen.
Es wurden die eigentlichen Wirtschaftsräume in Angriff genommen wie, Küche Vorratsräume
Plättzimmer, Waschküche und Flur.
Herrliches Winterwetter lockte zu einer Schlittenfahrt. Die Pferde lenkte unser Wirtschafter Herr Mathe. Die glücklichen Schwestern waren. Schwester M. Reinfrida, Schwester M. Vitalina, Schwester M. Isolde, Schwester M. Irmina, Schwester Oberin M. Lutberga mit der Novizin Schwester M. Gabriela.
Ende März taute die Ostsee nach acht Wochen Frost auf.
Am 27. März, kurz nach ihrem Namenstag besuchte uns die neu ernannte Schwester Provinzialoberin M. Bernhildis Kawalle aus Berlin Friedrichshagen. Sie kam in Begleitung von Herrn Caritasdirektor H. Rothkegel.
Unter ihrem Vorsitz fand die erste Wahl für das Generalkapitel statt und zwar am 30. März. Der Besuch fuhr am 31. März wieder ab.
Ein seltenes Fest erlebten wir am 19. April.
Schwester M. Monika Winkler feierte ihren 70. Einkleidungstag, also ihr steinernes Jubiläum mit 94 Lebensjahren. Am Morgen sang Herr Pfr. Utecht ein Hochamt. Mit Myrtenkranz und geschmückter Kerze erwartete die Jubilarin ihren Seelenbräutigam, da sie bettlägerig war. Bei vollem Bewusstsein empfing sie den Leib des Herrn und sprach die Gelübdeerneuerung mit, die ihr Schwester Oberin M. Lutberga vorsprach. Glück- und Segenswünsche der Schwestern nahm sie aufmerksam entgegen. Das ist bemerkenswert, da sie in den letzten Tagen vorher apathisch und sehr schwach war.
Am 22. April wurde ein neuer Wasserboiler im großen Duschraum eingebaut. Die Arbeiten führte Herr Schlechter aus Zinnowitz aus.
Auf Anregung von Herrn Pfr. Utecht entstand in der Woche vor Pfingsten, auf dem Gelände des Mädchenheimes dicht am Noviziatsgarten, ein Altar aus Steinen. Als Schmuck und Hintergrund wurde eine Steinwand gesetzt.
Am 01. Mai wurde bereits mit dem Roden etlicher Bäume begonnen, um einen Platz für das Fundament zu schaffen. Den Bau führte Herr Bendorf aus. Er war fertig am Pfingstfest und wurde zum ersten Male am Fronleichnamsfest, am 16. Juni, benutzt.
Eine weitere große Arbeit wurde im Haupthaus in Angriff genommen. Es wurden in der 3. Etage und höher hinauf Zentralheizung gelegt , so das die Räume auch im Winter von den Kindern und Angestellten belegt werden können. Es musste ein großer Heizofen eingebaut werden. Die Arbeiter hier für wurden vom Caritasverband Berlin gestellt. Doppelfenster sollen die Räume oben wärmer machen. Auch der Kapellenraum erhielt neue gefällige Heizkörper.
Am 12. Juni entschlief unsere liebe Mitschwester M. Monika Winkler im gnadenvollen hohen
Alter von 94 Jahren. Das Requiem hielt Herr Pfr. Utecht, dem Hausgeistlichen des Hauses. Am 15. Juni wurde sie zur letzten Ruhe gebetet. Herr Pfarrer Utecht hielt die Ansprache. Er zeichnete den Weg der Verstorbenen, als den Weg einer echten barmherzigen Schwester, schlicht, froh hilfsbereit und gottverbunden. Wir sollten Gott danken, dass wir eine solche Mitschwester hatten und die nun bald am Throne Gottes, wenn auch n ach einer kurzen Läuterung im Fegefeuer, für uns Führsprache einlegen wird. Der Beerdigung wohnten bei die Geistlichen Herren: H. Kuratus Komischke aus Wolgast, Herr Kuratus Walter aus Heringsdorf und Herr Kuratus Alker aus Zinnowitz welcher die Beerdigung hielt. Von auswärtigen Schwestern waren erschienen: Schwester Oberin M. Henrica aus Berlin, Schwester Oberin Gisela aus Wolgast mit zwei Schwestern und Schwester Oberin aus Heringsdorf. Am 19. Juni feierte Herr Kuratus Alker in der Herz- Jesu- Kapelle ein Requiem für die Seelenruhe für Schwester M. Monika.
Am 08. Juli gegann für uns in diesem Jahr die Hochsaison. Es reisten 300 Mädchen aus unserem Bistum und der DDR an.
Hatten wir wochenlang vorher strahlendes Badewetter so wurde die Witterung mit dem Beginn der Ferien unbeständig und regnerisch.
Im Sonderkurs wurden 65 Mädchen erfasst und von Herrn Pfr. P. Riedel und Herrn Kaplan Domanski aus Luckenwalde seelsorglich betreut und in die Arbeit für den kirchlichen Dienst eingeführt. Ihre Arbeit unterstützten Helferinnen aus dem Kindergärtnerinnen Seminar in Michendorf. Es wurde in den Gruppen gesungen gebastelt und gespielt. Das Baden und Wandern, überhaupt die Erholung kam voll und ganz zu ihrem Recht. Die pflegerische Betreuung lag in den bewährten Händen der Kinderschwestern.
Die übrigen Kindergruppen wurde wie immer von unseren Schwestern geleitet, wobei sie von Helferinnen unterstützt wurden.
Während dieser Zeit fanden oft Kindergottesdienste am neuen Freialtar statt. Durch diese Neueinrichtung wurde viel Arbeitskraft eingespart und der Kapellenraum nicht überbeansprucht.
Hochw. Herr Weihbischof Rintelen aus Magdeburg und sein Sekretär Herr Assesor Quita suchten während dieser Zeit Erholung bei uns.
Die Hochsaison ist nun beendet. Der letzte Transport der Kinder ist abgereist. In diesen Sommerwochen kamen die Kinder voll und ganz auf ihre Rechnung, denn das Wetter war herrlich und es herrschte reges Strandleben. Auch Excellenz Erzbischof A. Bengsch suchte hier Entspannung und Erholung.
Der Sonderkurs für Jungen war Herrn Pfr. P. Riedel und Herrn Kaplan Konrad Beißel anvertraut. Ihnen und den Schwestern halfen Theologen aus Erfurt bei der Erziehungsarbeit.
Mit dem 01. September sind nun in der Hauptsache die Kleinen unsere Schützlinge. Aber nicht nur der Schulanfang brachte Veränderung auch die Aspirantur füllte sich mit einer Schar junger Mädchen. 16 Aspirantinnen bereiten sich auf den kirchlichen Dienst vor.
Zur gleichen Zeit fand der Wechsel unseres Hausgeistlichen Herrn G. Utecht mit Herrn Kaplan Gerhard Lange statt. Letzterer kam von Kaulsdorf hierher, während Pfarrer Utecht nach Berlin Adlershof ging.
Am 10. September besuchte Weihbischof Heinrich Theissing zum ersten Mal, seit seiner Bischofsweihe unser Heim anlässlich einer Priesterkonferenz welche bei uns tagte. An ihr nahmen 30 Priester teil.
Vom 01.09. – 01.10. suchten 40 Kinder aus der Heil- und Pflegeanstalt Brandenburg Görden In unserem Heim Erholung. Mit ihnen kamen Fachkräfte zur Betreuung mit. Voll Dank, für gewährten Aufenthalt und Verpflegung und mit neuem Eindruck, fuhren sie wieder ab.
Im Monat September wurden im Mädchenheim Station M4, M3 und M2 Heizkörper gelegt, so das die Glasveranda auch bei ungünstiger Witterung belegt werden kann. Die Anlage übernahm die Firma Schlechter aus Zinnowitz.
Nachdem im Frühjahr dieses Jahres in der 3. Etage des Haupthauses Heizkörper gelegt worden waren wurden nun dort Doppelfenster eingesetzt. Die Waschküche erhielt eine neue Außentür. Diese Arbeiten führte Alfred Hanussek aus.
Anfang des Monats Oktober meldete sich ganz kurzfristig hoher Besuch an.
Am 10.10. durften wir dann unsere neu gewählte Generaloberin Mutter M. Gertrud Hannig, in Begleitung ihrer Asistentin Schwester M. Doris Pietsch, hier begrüßen. Sie konnte leider nicht länger bleiben, sondern musste bereits am 11.10. wieder zurück.
Am 13.10. begannen die jährlichen Exerzitien, die Herr Pater Greefrath SJ aus Zwickau hielt.
Außer den Hausschwestern nahmen auch auswärtige Schwestern aus Heringsdorf, Greifswald und Demmin teil.
Während dieser Woche, am Fest der hl. Margareta Alacoque, am 17. Oktober erneuerten sechs Schwestern ihre Gelübde.
Der 2. Exerzitienkurs, vom 03.11. – 09.11. wurde von Pater Dagobert OFM geleitet.
Inzwischen waren Steine für den Straßenbau im Ottoheim Gelände gekommen. Ende Oktober
konnte mit dem Bau der Straßen begonnen werden. Diese Arbeit dauerte drei Wochen.
Der Garten und Hof unserer Landwirtschaft erhielt einen neuen Drahtzaun und das Gehöft ein
neues Hoftor.
Am 23. November verloren wir das beste unserer Pferde, Hanne genannt. Erst viel später wurde hier für ein Ersatz gefunden in „Fritzchen“, dem sechsjährigen Wallach.
Überraschend kündigte zum 01.12.63 , der seit dem 01.03.1958 als Wirtschafter tätige Herr Günther Mathe mit der Begründung: für seinen kränkelnden Gesundheitszustand sei ihm die Arbeit zu schwer; vom Arzt sei ihn Innenarbeit angeraten.
Im November und Dezember füllte ein besonders starker Kleinkinder- Durchgang von 200 Kindern das Ottoheim. Excellenz Hochw. Herrn Erzbischof Dr. A. Bengsch liegt ja so viel an der Erfassung und religiösen Unterweisung der Kleinkinder seines Diaspora Bistums.
Zur besseren Verwirklichung dieses Zieles arbeitet Herr Kpl. Lange mit den Gruppenschwestern eigens eine Klein – Kind – Messe aus und erfasste durch Gebet, Lied und Instrumenten die starke Aktivität des Kleinkindes auf Gott hin.
Feuchte und ungünstige November Witterung bei dem starken Durchgang füllta aber auch immer wieder die Krankenstation mit Infektionen, wie Masern und Windpocken, bis unmittelbar vor dem hl. Christfest Kinder, Aspirantinnen und Angestellte beschenkt und bepackt das Heim verließen, um die Weihnachtstage und Jahreswende im Kreise ihrer Angehörigen verbringen zu können, um Mitte Januar gestärkt die Arbeit wieder aufzunehmen.
Herr Caritasdirektor H. Rothkegel hatte seinerzeit entdeckt, dass unter der Apsis des Kapellenraumes sich ein Hohlraum befinden müsste und gedachte diesen praktisch zu nutzten.
Es wurden in den Wintermonaten 63/64 drei Fenster geschlagen, die massive Zwischenmauer,
ehemals Grundmauer, unter Maurermeister H. O. Klöpfer und Zimmermann H. W. Stobinski aus Zinnowitz, eingerissen. Heinz und Lichtanlage geändert und so ein heller vergrößerter Tagesraum der Kindergruppe in Zimmer 11 (1. Stock im Haupthaus) geschaffen. Ebenfalls in diesen Wintermonaten kamen geplante Änderungen auf der Mädchenstation M3 zur Ausführung. Das Dachgeschoss wurde ausgebaut und in Zimmer für Mitarbeiter verwandelt. Die nach dem Spielplatz gelegene Seite des Daches wurde gehoben und die Kolonnade in den Schlafsaal mit einbezogen. Das Zimmer für die Stationsaufsicht sowie die sanitären Anlagen wurden grundlegend vergrößert, geändert und gekachelt. Die Kolonnade der Mädchenstation M1 wurde zum Tagesraum der Kinder in Zimmer 8 (Schlafraum vor der Kapelle), umgebaut. Im Haupthaus arbeitete die Firma Wilhelm Schlechter aus Zinnowitz und Fliesenleger Müller Aus Wolgast an den Kalt- und Warmwasseranlagen in dem Fremdenzimmer. Ein ständiger Mitarbeiter dieser Renovierungen war Herr Malermeister H. Reuter aus Zinnowitz.
1964
Gleich zum Anfang des neuen Jahres, kaum nachdem die Begrüßung des bürgerlichen Jahres ihren Abschluss gefunden hat erfreuten wir uns in diesen ruhigen Tagen zweier schöner Familienfeste: Am Namen-Jesu- Fest, dem 02.01. galt es den Namenstag der ehrw. Schwester M. Lutberga als der Hausoberin zu feiern und am 08.01. den 80. Geburtstag der lieben und so notwendigen Schneiderin Schwester M. Damasa Midna.
Mit dem Anrücken der Kinder Mitte Januar rückte auch das Fest des goldenen Jubiläums von
Schwester M. Demetria Müller am 21.01. in den Mittelpunkt. Still und bescheiden, entsprechend ihrer Kränklichkeit gestaltete sich dieser Tag, der die Seele der Jubelbraut durch den Empfang des Himmelsbrotes im festlichen Hochamt mit tief innerem Frieden erfüllte und im Angesicht wiederspiegelte. Zelebrant war Hochw. H. Kpl. G. Lange .
Im Februar füllte sich angesichts der Winterferien alle Wohngebäude des Ottoheimes erneut mit 242 Schulkindern aus der Zone zu besonderen religiösen Unterweisungen und gliederte sich in Sonderkurs, Kathechetenkurse, Beicht- und Kommunionkurse und Ministrantenkurse. Es gab allseitig ein fröhliches Lärmen in diesen klaren, frost- und schneereichen Tagen.
Der 25.02. verursachte dem Noviziat einen bitteren Schmerz durch den Abschied der ehrw. Schwester Meisterin M. Annetta Jenschke als Oberin nach Wolgast.
An deren Stelle trat am 10. 03. ehrw. Schwester Meisterin M. Friedlinde Klomp und übernahm die Leitung der Novizin Schwester M. Gabriela Lojak sowie der Kandidatin Gabriele Jahnke zu der sich Anfang Mai eine zweite Kandidatin namens Magdalena Vetter hinzugesellte.
Am 24. 03., am Vorabend des Festes Maria Verkündigung, versammelten sich alle Schwestern des Hauses in der Kapelle und erlebten da selbst die feierliche Weihe ihres neuen Ordenskleides, fortan zur geänderten Tracht der Marienschwestern gehörend.
Der amtierende Hausgeistliche, Hochw. H. Kpl. G. Lange, wurde von der Ehrw. Mutter M. Gertrud laut einer eigenen Weihformel damit beauftragt. Nach dem Lied: Komm Schöpfer Geist, und einer Lesung aus Isaias, erläuterte er die Bedeutung des schlichten schwarzen Kleides als ein Zeichen der Weltentsagung, des Sterbens aber auch der Auferstehung in und durch Christus.
In der Osternacht zum 29.03. legten die Schwestern ehrfürchtig das kleidsame Gewand mit dem Ledergürtel, als dem zur Gürtelbruderschaft gehörendem Zeichen Mariens an.
Einen Monat später, am 29.04. erfreute uns für drei Tage hoher Besuch in Excellenz Hochw. H. Weihbischof Heinrich Theissing, der dem St. Ottoheim seinen ersten offiziellen Besuch als Kurator der Marienschwestern abstattete. Schwester Provinzialoberin M. Bernhildis Kawalle begleitete ihn. Voll gütigen Wohlwollens schaffte er sich einen klaren Überblick von der wirtschaftlichen Lage des Hauses und nahm teil an den Sorgen der Hausgemeinschaft.
Bald darauf, am 11.05. durfte ehrw. Schwester M. Rudolfa Kremser, bereits seit sechs Jahren bettlägerig, in aller Stille und Bescheidenheit ihrer kleinen Zelle das diamantene Ordensjubiläum feiern.
Hochw. Herr Pfr. Barthelmes aus Heiligenstadt, der zur Zeit im St. Ottoheim als Feriengast weilte, spendete der Jubilarin nach zelebriertem Amt voll Freude die hl. Kommunion und die selbe erneuerte in voller geistiger Frische, trotz aller körperlichen Hinfälligkeit die Gelübde, im Beisein der Schwester Oberin M. Lutberga und des gesamten Konventes, als Zeichen ihrer
innigen Christusverbundenheit. Blumen und Glückwünsche und ein besonderer Gruß aus dem
Mutterhaus trugen zur allgemeinen Freudenstimmung bei.
In den Vorbereitungstagen für das goldene Ordensjubiläum der ehrw. Schwester M Elvira Kaluza fällt das Brandunglück vom 03. Juni. Durch Unvorsichtigkeit beim Schweißen an Heizkörpern wurde ein Teil des Mädchenheimes zerstört.(siehe Sonderbericht)
Am 13.Juni feierte Schwester M. Elvira Kaluza ihr goldenes Ordensjubiläum, dem Festtag des so populären Heiligen Antonius. Für die Jubelbraut ein Tag vertrauen vollen und still- frohen Dankes für alle Gnadenerweise der Vatergüte Gottes. Der stets frohen Kindergärtnerin fehlte auch der Dank der Schützlinge nicht, an die sie 30 Jahre hindurch ihre mütterliche Herzensgüte verschwendete. Eine kleine Nachfeier erhielt dieses Jubelfest noch durch den 70. Geburtstag von Schwester M. Reinfrida Bonk am 15.06.
Das Brandunglück vom 03. Juni
brachte dem St. Ottoheim einschneidende Änderungen.
Durch „Sofortmaßnahmen“, zusammengestellt vom Ordinariat , Caritasverband in Berlin, Provinzial- bzw. Generalhaus die zur Folge
a) einen Oberinnenwechsel
b) Bevollmächtigung eines Vertreters gegenüber der Außenwelt
c) Räumung des Noviziates
hatten.
Schwester Oberin M. Lutberga Pohl wurde durch ein Schreiben unserer Ehrw. Mutter M. Gertrud krankheitshalber beurlaubt nach Berlin Dänenstr. 17/18. Einige Wochen wurde sie dort Hausoberin. Ihre innere und äußere Konstitution war den erhöhten Anforderungen in Zinnowitz nicht gewachsen.
Sofort nach dem Brandtage war bereits Schwester Oberin M. Bonosia Koslowski nach Zinnowitz beordert worden, um die anfallenden Aufgaben tatkräftig zu bewältigen. Es waren in jeder Hinsicht schwere Tage. Ende Juni erkrankte Schwester Oberin Bonosia an einer Lungenentzündung und musste ins Krankenhaus nach Greifswald gebracht werden, wo Sie dank der aufopfernden Pflege der Schwestern von der Göttichen Liebe nach sechs Wochen Krankenlager ins St. Ottoheim zurückkehren konnte und endgültig den Posten als Hausoberin übernahm.
Excellenz H. H. Erzbischof Dr. Alfred Bengsch, dem sehr viel an einem sofortigen Wiederaufbau lag, beauftragte eigens H. H. Subregens Joh. Bernard aus Erfurt mit dieser Aufgabe und sofort wurden Verhandlungen und Rücksprachen über den Katastrophenfall mit Dem Kreisbauamt Wolgast in beiderseits gutem Einvernehmen geführt, denen anfangs noch Herrn Caritasdirektor H. Rothkegel aus Berlin und Herrn Kaplan G. Lange aus dem Ottoheim beiwohnten. Letzterem wurde nach der Rückkehr des H. Subregens nach Erfurt zum Semesterbeginn die Weiterführung der Bemühungen um den wiederaufbau durch Excellenz Erzbischof Dr. A. Bengsch und Billigung durch die Vorgesetzten übertragen. Ihm zur Seite stand Herr Max Benke Fürsorger vom Caritasverband Berlin. Ihm oblag die Bauleitung im täglichen Arbeitsgang. Dank der vielen freiwilligen Helfer aus der gesamten DDR, besonders der Herrn Theologen aus Erfurt und Magdeburg war der Brandschutt größtenteils bis zum Beginn der Ferienkuren fortgeräumt und sogar Ersatz- Tagesräume geschaffen durch Kolonnadenausbau auf der M3 und M4.
Material und Arbeitskräfte rollten langsam aber ständig an und so konnten jetzt auch längst fällige Reparaturen an den landwirtschaftlichen Gebäuden ausgeführt werden: wie Untermauerung des Scheunengiebels und Änderungen im Wohngebäude für Familie E. Hasenleder und landwirtschaftliche Angestellte, sowie Saisonangestellte. Die Fenster wurden erneuert bzw. geändert und eine Etagenheizung eingebaut.
Herr Günter Mathe zog entgültig zum 01.11. mit seiner Familie nach Wolgast und auch die von den Schwestern bewohnten Zimmer wurden frei, da dieselben ganz ins Haupthaus des Ottoheimes übersiedelten.
Der landwirtschaftliche Garten, zuletzt von Schwester M. Reinfrida bearbeitet, wurde verlegt und dem Garten beim Hauptgebäude angeschlossen. Das Gemüseland wurde in eine Rasenfläche für Hühner – Auslauf verwandelt.
Herr Caritasdirektor H. Rothkegel beauftragte mit diesen landwirtschaftlichen Änderungsarbeiten H. Schwarz, Gärtner im St. Josefs -Krankenhaus in Berlin- Weißensee.
Ebenso ließ er das gesamte Grundstück, soweit noch kein Zaun vorhanden war, mit einem neuen Drahtzaun durch die Firma Pleuse aus Berlin, umgeben.
Die Schafe wurden entgültig abgeschafft und dafür die Zahl der Milchkühe von fünf auf sieben gesteigert und die Zahl der Mastschweine vergrößert.
Auch wurde ein neuer Hühnerstall (Baracke) besorgt und die Anlage einer regelrechten Hühnerfarm geplant. Ferner wurde eine elektrische Melkanlage beschafft, maschinelle Verbesserungen und Neuanschaffungen vorgenommen, in der Hoffnung die Produktion zu steigern trotz geringem Personal.
Obgleich der Rat des Kreises Wolgast auf wiederholtes Ersuchen des Heimes von der Ablieferungspflicht der tierischen Erzeugnisse bereits 1963 befreite hielt er immer noch fest an den prozentualen Ablieferungsbeauftragung der pflanzlichen Produkte und erschwerte dem Wirtschafter gar sehr die Futtergrundlage.
Um die für die Ferienkurse 1964 ausgegebenen Bettenzahl trotz des Brandschadens aufrecht halten zu können, musste das Noviziat verlegt werden.
Es war für Schwester Meisterin M. Friedlinde Klomp kein Leichtes, den Aufenthalt mit ihren Schützlingen von Zinnowitz mit dem in Berlin Michaelkirchplatz 03 zu vertauschen und die liebgewonnenen Räume den Kindern und Bauarbeitern zu überlassen.
Ein teilnehmendes und aufmunterndes Ereignis war in den Julitagen der kurze Besuch von Ehrw. Mutter M. Gertrud und der Assistentin Schwester M. Doris. Dabei kam ein von ihr geplanter Vorsatz des Jahres 1963 zur Ausführung , aber in welchen veränderten Verhältnissen.
Ein zweites freudiges Ereignis muss auch noch aus diesen drückenden Tagen erwähnt werden,
dem neuen Wirtschafter wurde am 01.08. im kleinen Norbert der 1. Sohn geboren. Am 15.08. vom Erzbischof Dr. A. Bengsch getauft.
Neben den Abrissarbeiten wurden beständig notwendige Ausbesserungen an Haupt- und Nebengebäuden des Ottoheimes vorgenommen, besonders an den Schornsteinen. Sämtliche Schornsteinköpfe wurden durch Bezirkschornsteinfeger H. Erwin Freier aus Zinnowitz und unter Leitung des Maurermeisters Schätzchen aus Zinnowitz, ausgebessert. Der Waschküchenschornstein wurde von außen vom Grund auf hochgezogen.
Ebenfalls wurde das stark schadhafte Ziegeldach des Haupthauses einer gründlichen Renovierung unterzogen: ausgebessert und teilweise neu gedeckt durch die Firma Marquardt aus Bansien einen PGH Betrieb.
Das stehende Gerüst benutzte gleichzeitig Firma Schlechter aus Zinnowitz, um neue Dachrinnen anzubringen.
Gleichzeitig arbeitete Firma R. Schern aus Ückermünde durch Aufsetzen einer Blitzschutzanlage auf sämtlichen Dächern zum Ottoheim gehörenden Gebäude. Hierbei halfen besonders die Studenten der Kath. Studentengemeinde aus Halle mit H. Pfarrer Brockhoff und betätigte sich als „Wühlmaus“ für die notwendigen Erdungen der Anlage.
Mehreren Schwestern brachten die letzten Monate des Jahres noch ungeahnte Freuden durch das Wiedersehen geliebter Menschen. Laut Erlass des Berliner Ministeriums durften Frauen ab 60 Jahren Reisen nach Westdeutschland unternehmen. Von Schw. M. Damasa , Schw. M. Vitalina, Schw. M. Reinfrida und Schw. M. Getulia wurde die polizeiliche Genehmigung ein-geholt. Sie erfreuten sich eines 10 tägigen Heimaturlaubes und des weiteren Ferienaufenthaltes auf einer westdeutschen Filiale.
Im weiteren Verlauf ging das Jahr friedlich seinem Ende zu. Sogar zwei Kurse Schwesternexerzitien wurden, wie bereits im April geplant, von einem Redemtoristenpater aus Heiligenstadt im November und Dezember gehalten.
In den Sylvestertagen hielt noch ein Franziskanerpater aus Halle dreitägige Exerzitien für Jungmänner des Dekanates Stralsund, aber mit einer sehr geringen Beteiligung von nur fünf Männern.
1965
Der Januar brachte ein tiefes vielseitiges Aufatmen und eine Ruhepause in das geschäftige Leben.
Erstmalig war dieser Monat von der Kinderarbeit frei geblieben, und auch die angestrengten Bauarbeiter hielten Winterurlaub.
Für die Projektierung des Neubaues war auf privatem Wege durch den Caritasverband Berlin, der katholische Architekt Herr Feitel aus Berlin Karlshorst gewonnen worden. Er besaß die
Staatliche Lizenz, war aber sehr überlastet.
Durch das Brandunglück war das St. Ottoheim kaum noch in der Lage, die finanziellen Schwierigkeiten zu meistern.
Ein sechstägiger Besuch der Generaloberin Ehrw. Mutter M. Gertrud und der ehrw. Generalassistentin Schwester M. Doris Ende Juli 1964 ließ angesichts dieser vielseitigen schwierigen Lage in ihr den Entschluss reifen: den ganzen Komplex des Ottoheimes an das Berliner Ordinariat auf 15 Jahre zu verpachten.
Jahrelang hatte das Heim schon mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, war mehr und mehr auf Zuschüsse vom CV Berlin angewiesen und so unmerklich und ungewollt In Abhängigkeit geraten.
Das Ergebnis einiger Konferenzen des Ordinariats und dem CV Berlin mit dem Mutter- bzw.
Provinzhaus ging dahin, die bisherige Projektierung ganz fallen zu lassen und für die Zukunft zu bauen, d.h. geräumiger und so zeitgemäß wie möglich.
Es reifte der Plan für eine zentrierte Heiz- und Warmwasseranlage in der Nähe des Waldheimbaracke; Änderung der gesamten Kläranlage; Ausbau der bestehenden Baracken des Mädchenheimes und deren Ausgleichung an den künftigen Neubau als ein massives zweistöckiges Gebäude mit Unterkellerung.
Der Winter setzte spät, erst in neuen Jahr ein, aber mit reichem Schneefall und unerbittlichen Kälte, die sich bis in den April hineinzog.
Im Februar war es auch aus mit der Ruhe.
Über 200 Schulkindern mit Betreuern fanden sich für 14 Tage wieder für religiöse Sonderunterweisungen ein und dies auf sehr beengtem Raum.
Der 12. Februar sollte nach Gottes Ratschluss der letzte Erdentag für Schwester M. Rudolfa
Kremser sein. Jahrelang im Bett sitzend hatte sie sich auf diesen Tag vorbereitet und Christus entgegengeharrt und nun entriss allen zu rasch, ein schwerer Asthmaanfall dem 83 jährigen Körper die Seele.
Bereits im März erwachte bei den älteren Schwestern wieder eifriges Reisefieber und dieses Jahr waren: Schw. M. Lioba, Schw. M. Dolores, Schw. M. Natalia und Schw. M. Sebastia die Glücklichen, denen nach langer Trennung ein Wiedersehen mit Familienangehörigen ermöglicht wurde.
Der April brachte der langjährigen Küchenschwester M. Zacharia eine kleine Betriebserleichterung durch Gasanlage und Aufstellung zweier Gashocker, sowie eines elektrischen Backofens für Großbetriebe. In Ermangelung von entsprechenden Armaturen konnten leider die großen Kochkessel nicht gleichzeitig auf Gas umgearbeitet werden.
Die bald nach dem Brand, laut Aufruf durch den Berliner Erzbischof Dr. A. Bengsch gehaltenen Sonderkollekten in der gesamten DDR ( 46.000.00 DM) und in Westberlin 60.000.00 DM) sowie die Abfindungssumme durch die DVA – Greifswald waren sehr zufriedenstellend ausgefallen. Auch die staatlichen Baustellen des Bezirkes Rostock und des Kreises Wolgast zeigten Wohlwollen und Entgegenkommen.
Dennoch überstieg der Kostenaufwand für den geplanten Bau entschieden die Kassen des Provinzial- bzw. Generalhauses und darum vollzog sich in den Nachmittagsstunden des 29.04.1965 , aber bereits mit Wirkung vom 01.04. 65 im Sprechzimmer des St. Ottoheimes die Übergabe des Kinderkurheimes, samt landwirtschaftlicher Abteilung, an das Erzbischöfliche Ordinariat, jedoch unter Beibehaltung des Eigentumsrechts.
Von Bedeutung war dabei:
• Unterzeichnung des Pachtvertrages auf 15 Jahre
• Sowie Schwestern- Gestellungsvertrag
• Und Übernahme der Geschäftsordnung durch Herrn Rektor Gerhard Lange, der seine diesbezügliche Erneuerung bereits am 12.03. mit Wirkung von 01.04. erhalten hatte.
Anwesend waren:
Seine Excellenz H. Weihbischof Heinrich Theissing Kurator der Marienschwestern
H. H. Monsignore Groß, Ordinariat , Berlin
H. Caritasdirektor H. Rothkegel, Berlin
Schwester M. Bernhildis Kawalle Provinzoberin, Berlin
Schwester M. Gunthildis Stephan, Provinzassistentin, Berlin
Schwester M. Bonosia Koslowski, Hausoberin Zinnowitz
Schwester M. Mirella Schneider, Hausassistentin Zinnowitz
H. Rektor Gerhard Lange, Zinnowitz
Frl. H. Olczewski Fürsorgerin vom CV Berlin
Im Mai und Juni tummelten sich trotz des abgrenzenden Bauplatzes die ansehnliche Schar von 250 Kleinkindern im Gebäude des Heimes und ebenso uneingeschränkt mit 280 Kindern konnten die Sonderkuren im Juli und August durchgeführt werden, obgleich allein durch die zahlreichen Bauarbeiter in wirtschaftlicher Hinsicht viel Mehrarbeit erwuchs.
Wie gemütlich es trotz allem zuging, beweist das Singspiel „Der Froschkönig“ vom Jugendseelsorger H. Pfr. Peter Riedel zusammengestellt und beim Abschied des Mädchen Soku im Freien zur Uraufführung gebracht.
Hochw. Erzbischof Dr. Bengsch weilte im August ebenfalls Erholung suchend im Ottoheim und feierte am 15.08. seinen Namenstag mit tradionellem Eisessen der gesamten Belegschaft und erfreute eigens auch die Schwesternschar durch seine Anwesenheit und sein humorvolles erzählen vom Rombesuch bzw. Konzilserlebnisssen.
Im Herbst zeigte sich ein rasches absinken der kurteilnehmenden Kinder bis auf 60. und 50. Das Ausfallen der vom CV Berlin ausgeschriebenen Freikuren und der seit Januar 1965 erhöhte Tagessatz auf 6.00 M machte sich unangenehm bemerkbar.
Auf den 26. September fällt der Tod des lieben Hausmeisters H. Heinrich Kamitz. Als Heimat
Vertriebener aus den Sudetenland, dem Kreise Trautenau, hatte er hier seine zweite Heimat gefunden und sich stets hilfsbereit, arbeitsam, treu und dankbar erwiesen. In den wenigen Tagen seines Krankseins hatte ihn angesichts seiner 80 Jahre, Herr Pfr. Alker aus Zinnowitz Die Sterbesakramente gespendet und ruhig ist er am Sonntagnachmittag eingeschlafen und am
29.09. auf dem Friedhof in Zinnowitz beerdigt.
Es war ein selten warmer, schöner Herbst den wir erleben durften; kein einziger Regentag im Monat Oktober. Die späte Ernte konnte gut geborgen werden.
Nach den anstrengenden Tätigkeiten des Jahres konnte sich auch Schw. Oberin M. Bonosia Tage der Ausspannung gönnen und fuhr zur Herz Kur nach Bad Liebenstein in Begleitung von Schw. M. Getulia.
Für die Bauarbeiten wirkte sich dieser goldene Herbst besonders segensreich aus.
Am 13.06. bereits hatte H. Rektor G. Lange die staatliche Genehmigung für das Projek „Heizhaus“ erlangt. Unter großen Schwierigkeiten von Materialbeschaffung und technischen Hilfen war mit wenigen Arbeitern der Rohbau fast fertig gestellt und konnte den Tücken des Winters standhalten. Als besonders schwierig hat sich das Aufsetzen der 38 schweren Betonplatten von je 1,4 bis 1,7 t als Bedachung erwiesen. Die hier zu erforderliche Arbeitsleistung mit drei verschiedenen großen Kränen des Betonwerkes Zinnowitz war nur nachts erhältlich, und stellte an Bauleitung und Arbeiter opferreiche Anforderungen.
Aber nicht nur das Heizhaus, auch der eigentliche Neubau, für welchen die staatliche Genehmigung unter dem 03.09. einging, stand Anfang November in den Grundmauern und dem Kellergeschoss.
Die jetzt einsetzenden Regentage verlegten den Schwerpunkt der Bauarbeiten auf den Ausbau des Bodens über der Aspirantur, als künftige Krankenstation.
Nach Gottes Willen sollte das Jahr nicht zu Ende gehen, ohne Frl. Gertrud Ulbrich, einer treuen und langjährigen Mitarbeiterin und schlesischen Heimatvertriebenen, die 74 Lebensjahr stand, den ewigen Frieden der himmlischen Heimat zu schenken. Nach nur kurzem Krankenlager ging sie am 18. Dezember, als bereits die übrigen Mitarbeiter sich zum Weihnachtsurlaub rüsteten, infolge einer Herzembolie in den Frieden Gottes ein und fand ihre Ruhestätte auf dem Zinnowitzer Friedhof, neben der Begräbnisstätte des ihr vor kurzem vorausgegangenem Herr H. Kamitz.
1966
Am 16. Januar konnten die Schwestern im St. Ottoheim auf eine 50 jährige Wirkungszeit daselbst zurückblicken.
Dieser Anlass vereinigte die einst dort amtierenden Oberinnen, sowie die zur Zeit stationierten Schwestern zu einer familiären Freudenfeier an der auch Excellenz Erzbischof Dr. Alfred Bengsch, Weihbischof Heinrich Theissing, Caritasdirektor H. Rothkegel und Herr Rektor Gerhard Lange teilnahm.
Ein Artikel des Ost- Berliner Kirchenblattes brachte beigefügten Kommentar.
Der Januar brachte uns in Schwester M. Cordilia Murach, nach beendeter Amtszeit als Oberin
In Zeitz, die langersehnte Schneiderschwester, die im Juni noch dazu das Amt der Sakristanin
Übernahm, an Stelle der nach Berlin Friedrichshagen versetzten Schwester M. Sebastia.
Die kurze Zeit der Winterferien im Februar brachte viel Unruhe infolge der beengten Räumlichkeiten und der stattlichen Anzahl von 200 Jungen und Mädchen der Berliner Diaspora.
Die Winterkälte zog sich bis März hin. Die gicht- und nierenkranke Schwester M. Elvira hatte
Darunter besonders zu leiden. Mühsam schleppe sie sich so lange es ging mit Unterstützung Zweier Schwestern täglich zum hl. Opfer, bis ein erbaulicher Tod sie nach kurzem , festen Liegen am 27. März erlöste und ihre Seele so kurz vor dem hl. Osterfest in die Arme ihres gekreuzigten Bräutigams eilte, um mit ihm das ewige Osterhalleluja anzustimmen.
Auch Schwester M. Accidia verließ nach Ostern für immer das Ottoheim, ja die DDR überhaupt, indem sie ihrer schweren Zuckerkrankheit wegen nach Berlin Lankwitz übersiedelte.
Im Frühling, besonders Mai und Juni tummeln sich wie alljährlich mit viel Freude die Vorschulpflichtigen aus den Großstädten und genossen die herrliche Weite und Wunder der Gotteswelt in Wald und Wiese, Sand und Meer.
Als am 04. Juli der Jungen- Sonderkurs mit der speziellen religiösen Betreuung durch Herr Kaplan Rüdiger Mika aus Berlin begann, ahnte niemand wie gezählt die irdischen Tage dieses
Erst 32 jährigen jungen Priesters, dessen Herz in hingebender Liebe für die Jugend schlug, bei Gott waren.
Bei einem herrlichen „Bunten Abend“ sang und lernte er mit den Zuschauern selbst das Cow- boy Lied und ließ seine Jungen ein originelles Indianerstück zur Aufführung bringen. Am Sonntag darauf, am 24. Juli nachdem er die Spiel Scharr im Buntfilm aufgenommen hatte und sich an den Strand begab, schlug seine Todesstunde. Auf der Sandbank, froh spielend und tauchend, erlitt er in Mitten guter Schwimmer einen akuten Herztod. H. Pfr. Peter Riedel reichte ihm noch im Rettungsboot die hl. Ölung.
Aber auch ein sofortiger operativer Eingriff im Krankenhaus in Wolgast blieb ohne Erfolg. Erschütternd wirkte dieser tragische Todesfall auf seine Jungengruppe, auf alle Kinder, alle Helfer und Anwesenden überhaupt.
Wie glich er in seiner frohen Christusliebe und Nachfolge, in seiner Ganzhingabe doch dem Tages Heiligen, St. Jakobus .
Seine Leiche wurde nach Berlin überführt.
Der Brand, bzw. der Wiederaufbau des St. Ottoheimes als des in seiner Art einzig dastehenden Gebäudes dieses Formates in der Berliner Diözese hatte seiner Zeit die gesamten Katholiken der DDR aufhorchen lassen und es ist erstaunlich, was sich an freiwilligen Helfern
für den Aufbau meldete. Besonders arbeitfreudig zeigten sich Familien aus Prenzlau, Premnitz und Brandenburg. Ungelernte Arbeiter, Facharbeiter, Junggesellen, Familienväter, Akademiker, studierende und arbeitende Jungend, „Aktion Sühnezeichen“ mit Protestanten und Katholiken, Inn- und Ausländer und dergleichen mehr, waren von Mai bis in den Oktober hinein am Bau tätig und so konnte tatsächlich im September das Dach des Neubaues gedeckt werden und winterfest dastehen.
Auch die Fernheizung war im Innenausbau durch die Firma Schlechter aus Zinnowitz und Herrn Ing. Georgi aus Teltow, soweit herangeschritten, das dieselbe für das Haupthaus und Wirtschaftsgebäude, sowie für die Mädchenbaracken M3 und M4 ab Mitte Oktober in Betrieb genommen werden konnte.
Im August und September waren Änderungen verschiedener Hinsicht beim Personal eingetreten. Nach Rücksprache mit dem CV Berlin musste endgültig die 45 Stundenwoche, sowie der freie Samstag bzw. Montag eingeführt werden und die Arbeitszeit den staatlichen Betrieben angeglichen werden.
Zwei Kindergärtnerinnen vom CV Berlin, Frl. Roselie Stroy und Frl. Gertrud Oswald hatte Herr Rektor G. Lange bereits für die Ottoheim Arbeit gewonnen. Vier junge Mädchen aus der Aspirantur traten ebenfalls unter Berücksichtigung des erweiterten Schulbesuches in Wolgast in ein verkürztes Arbeitsverhältnis.
Darum übernahm ab November Schw. M. Philomena Schmidt die Aspirantur, während Schw. M. Alma ihre 10 jährige Tätigkeit niederlegte, um sich der Anzahl wachsender Laien- Mitarbeiter anzunehmen.
Im Dezember wurde die Aspirantur modernisiert. Durch Änderungen der Räumlichkeiten und
Mauerdurchbrüche wurde ein geräumiger Aufendhaltsraum und zugleich Essraum geschaffen.
Die Fußböden wurden im Schlafraum mit Spannteppich ausgelegt und Wandschränke eingebaut. Eine Warmwasseranlage, Dusch- und Toilettenbereich wurde ebenfalls eingebaut. Durch das hinzunehmen des „Konsumraumes“ eine zeitgemäße Küche mit Gas- und Elektroherd, sowie allem nötigem Zubehör eingerichtet.
Während dieser Zeit fanden die 1 Aspirantinnen mit Schwester Philomene Unterschlupf im Fichtenheim, anschließend verbrachten sie die Weihnachtsferien daheim und konnten nach Neujahr ihr fertiggestelltes neues Heim beziehen und selbst wohnlich einrichten und verschönern helfen.
Gleichzeitig mit der Umgestaltung der Aspirantur vollzog sich der Ausbau des darüber liegenden Bodens als Krankenstation. Die nach dem Hof gelegene Seite konnte fertiggestellt werden und ergab: ein Einbettzimmer, ein Zweibettzimmer, eine Küche, ein Bad und Toilettenanlage. Die andere Bodenseite musste liegen bleiben; erst nach Bauabnahme des eigentlichen Neubaus im September 1967 durch die staatliche Bauaufsichtsbehörde konnte an die Fortsetzung des Ausbaus gedacht und die Krankenstation zu Ende gebaut werden.
Nicht unerwähnt seien hier die Schwierigkeiten die sich beim Anblick der kleinen Einzelzimmer ergaben und sich vortrefflich für eine in sich geschlossene Schwesternklausur eigneten.
Im Laufe des Jahres wurde auch unsere Ordenstracht durch Mäntel, Marke „NIVO Flex“ vervollständigt, welche das Mutterhaus für alle Filialen besorgte. Diese leichten wetterfesten, für jede Jahreszeit passenden Mäntel waren uns ein rechtes Weihnachtsgeschenk. Für alle unsere Mitschwestern im 60. Lebensjahr und darüber war jeder Mantel noch mit einer persönlichen Freude verbunden, weil sich daran ein Besuchsaufenthalt im Mutterhaus Berlin Lankwitz knüpfte und von dem auch Schw. M. Lioba, Schw. M. Zacharia, Schw. M. Dolores,
Schw. M. Rotrudis Schw. M. Natalia , Schw. M. Getulia, Schw. M. Reinfrida gebrauch machten.
In den Weihnachtstagen beherbergten die Schwestern ein rechtes „Christkind“ in der Person der alten 88 jährigen Frau Anna Mutreich aus Karlhagen. Diese gute hilfsbedürftige, einsame Dame weilte glücklich und froh zum letzten Mal in Mitten der von ihr so geschätzten Schwestern, wie Schw. M. Adalberta und Schw. M. Damasa im Ottoheim. Bereits im
Frühjahr des folgenden Jahres starb sie an Altersschwäche, nachdem sie Jahrzehnte hindurch
Ihrer protestantischen Umgebung ein lebendige Verkündigung der Lehre Jesu Christi und seiner Kirche als äußerst eifrige, treue und liebenswerte Katholikin gewesen.
Auf dem Karlshagener Friedhof wurde sie am Karsamstag beigesetzt und haart auf das ewige Ostern.
1967
Das Jahr begann für den Konvent mit einem Exerzitienkurs, gehalten von Herrn Pater Johannes OFM.
Am Ende dieser stillen Tage erfreute uns ein Besuch der ehrw. Schwester Provinzialoberin Bernhildis Kawalle. Sie brachte uns aber auch die betrübende Versetzung der stets bescheidenen, ruhigen und darum von allen geliebten Schwester M. Getulia nach Babelsberg.
Die erste Arbeit der Handwerker im neuen Jahr bestand in der Warmwasseranlage bis in den 3. Stock des Haupthauses. Die alte Heizanlage im Hauptgebäude wurde entfernt und dafür drei große Wasserboiler eingebaut, als Warmwasserspeicher für die Versorgung im Haupthaus. Durch eine elektrische Pumpenanlage im neuen Heizhaus wurden die Boiler mit Warmwasser versorgt.
Am 03. Februar, unmittelbar vor dem Beginn der Winterferien fand noch ein Oberinnenwechsel statt. Schwester Oberin M . Bonosia Koslowski hatte ihre Amtszeit (zwei Jahre in Berlin und vier Jahre in Zinnowitz) beendet und feierte am 02. Februar ihren Namenstag als Abschiedsfest von Zinnowitz.
Die amtierende Oberin von Berlin Friedrichshagen Schwester M. Gunthildis Stephan übernahm das nicht leichte Amt nun als Weiterführung in Zinnowitz.
Die Winter Kur erfreute sich wieder einer stattlichen Belegung durch 200 Kinder, lauter Mädels die sich in Beichtkurs, Katechetischer Kurs, Sonderkurs und Kurs „Freie Berliner“ aufteilte.
Durch seinen dreitägigen Besuch machte Hochw. H. Erzbischof Dr. A. Bengsch allen die größte Freude.
Ein schneearmer, aber selten milder Winter erfreute Groß und Klein und gab allen viel Gelegenheit zum Aufenthalt im Wald und an der See.
Auch in den Frühjahrskuren, März und April hielt die milde Temperatur an. Die Kuren waren gut belegt.
In der Karwoche und in den Ostertagen waren nur Berliner Kinder im Haus, so das die Aspirantinnen und Mitarbeiter heimfahren und im Familienkreis zubringen konnten. Schwester M. Getulias Lücke wurde durch keine Schwester aufgeholt und darum trat durch den CV Berlin die Kindergärtnerin Frl. Annemarie Elsner, eine ehemalige Zinnowitzer Aspirantin und bislang Mitarbeiterin im Kindergarten in Kleinmachnow an deren Stelle.
Am 01. Juni erhielten wir Schwester M. Piala Heinze zurück. Sechs Jahre hatte sie als Oberin
In Luckenwalde gewirkt und übernahm nun wieder die Krankenpflege im St. Ottoheim.
Schwester M. Talida trat an Stelle von Schw. M. Firmina Schneider und übernahm die Wäscherei, weil genannte Schwester im August vorläufig Zinnowitz verließ, um sich im Provinzialat in Berlin , Michaelkirchplatz auf die Ablegung der ewigen Profeß vorzubereiten. Anschließend sollte sie nach Kirchmöser in der Diözese Magdeburg, einen fachlichen Lehrgang als Wirtschafterin machen.
Bereits im Mai hatte der Bau dank der vielen freiwilligen Helfer aus allen Diözesen rasche Fortschritte erzielt.
Für die Unterbringung so vieler Arbeitskräfte, meist mit Familie, ließ Herr Rektor Lange die seinerzeit von Herrn Caritasdirektor H. Rothkegel besorgte „Hühnerstall – Baracke“ auf dem Wirtschaftsgrundstück aufstellen, umbauen und als Sommerwohnung mit modernen Annehmlichkeiten für drei bis vier Familien herrichten.
Im Neubau arbeiteten fleißig die Fliesenleger einer Wolgaster Firma, sowie Fußbodenarbeiter der Firma Cywenczek aus Berlin. Für die Kinderräume wurde ein sandfarbener Leunitzspachtelbelag, für die Personalzimmer Spannteppich und für den Kulturraum sogar Parkett gewählt.
Die Station M3 konnte bereits im Frühjahr den zweiräumigen hellen Aufenthaltsraum beziehen. Desgleichen konnte im Juli erstmalig die Station M2 belegt werden, obgleich die Handwerker im Waschraum, in Toilette und Küche noch eine Menge zu tun hatten.
Und wieder standen große Ferien vor der Tür und damit eine stattlicher Knabenkurs im Juli und ein Mädchenkurs im August mit je 280 Kindern.
Auch Excellenz Erzbischof A. Bengsch hatte sein Erscheinen für August angekündigt, diesmal gar als Hochw. H. Kardinal !
Ausspannung sucht er inmitten noch glaubender, froher Kinder. Ganz zurecht hatte ihm Italien den Titel „Kardinal der Jugend „ beigelegt, war er doch bei seiner Ernennung und Inthronisation am 29. Juni 1967 tatsächlich der jüngst Kardinal der Katholischen Weltkirche.
Der Sommer war von Juni bis September äußerst schön, anhaltend warm fast ohne Regen. Alle Kurgäste und besonders unsere Kinder hatten viel Freude bei dem einzigartigen Badewetter.
Ein großartiger Freudentag war wiederum der 15.08., der Namenstag unseres Herrn Kardinals. Festgottesdienst, Lied und Spiel , Eis und Kuchen sorgten für lärmende erlangte Fröhlichkeit, aber auch für bereichernde Freude in der Gemeinsamkeit der Kirche Christi. Wahrlich der Soku diesmal unter Führung des Jugendseelsorgers Herrn Kaplan Roske, hatten zu tun.
Obgleich Herr Kardinal anfangs die Absicht hatte, seinen Zinnowitz- Aufenthalt nach 14 Tagen abzubrechen, blieb er doch bis zum 28.08., bis zum Ferienschluss. Der Hauptgrund dafür lag in der ungeklärten Klausurfrage. Heizhaus, Kinderstationen, Personalwohnungen, Landwirtschaft waren grundlegend fertig gestellt, hatten übermäßig Geld geschluckt. Jetzt musste an den Kapellenumbau und an die Klausur gedacht werden. Der Ausbau des 3. Etage im Haupthaus mit Fahrstuhlanlage von außen war ursprünglich für Schwestern gedacht. Die 70 –80.000 Mark für das Fahrgerüst allein, konnte jedoch nicht mehr aufgebracht werden. Das Ganze verlangte ein Umdisponieren und brachte viel Kopfzerbrechen, Ärger und Disharmonie mit sich.
Jedermann sah, dass die Aspirantur und die darüber liegende Krakenstation die zweckmäßigsten Klausurzimmer mit Zubehör ergaben, jedoch sträubte sich verständlicherweise Herr Rektor Lange und Architekt Feitel, sowie Bauleiter Benke, die umgebauten und ebenfertiggestellten Aspiranturräume einzureißen und aufs neue zu ändern. Es gab viel unangenehme Debatten. Herr Rektor Lange erreichte letztlich eine Umstimmung des Herrn Kardinals zu seinen Gunsten mit dem Ergebnis: die Klausur in den 1. und 2. Stock des Haupthauses in Beibehaltung des Refektoriums (Parterre) und einer abgegrenzten Bodens über der Kapelle zu errichten . Da Herr Kardinal als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz nach Rom musste, wurde Herr Kurator H. Theissing mit nochmaliger Überprüfung der Baupläne beauftragt. Anfang Oktober bei einer Sitzung im Provinzialat, im Beisein von Herrn Rektor Lange, Architekt Feitel, Schwester Provinzialoberin M. Bernhildis sowie Provinzassistentin und damalige Hausoberin von Zinnowitz Schwester M. Gunthildis, wurde die von Herrn Rektor Lange gewünschte Entscheidung angenommen. Gedrückten Herzens, aber doch dem Willen Gottes in dieser Zulassung erblickend, ergab sich auch der Konvent. Bereits in den ersten Oktobertagen begann die Zurichtung der Kinderstation 11 und der darüber liegenden Räume als Klausur. Alle Handwerker, arbeiteten auf Hochtouren denn bis Weihnachten war die Fertigstellung geplant.
Am 23.10. besuchte Schwester Provinzilaloberin M. Bernhildis für kurze Zeit anlässlich der fälligen Visitation und überzeugte sich von den bereits in Angriff genommenen Bauarbeiten einer neuen Klausur.
In diese unruhigen Wochen fällt der Todestag unserer fast 84 jährigen Schwester M. Damasa Michna . Dreizig Jahre war sie in Zinnowitz stationiert und hatte sich im Sommer bei Erholungskindern, im Winter bei Alten und Kranken der Gemeinde bewährt und bis zum 80. Lebensjahr als erstklassige Schneiderin gearbeitet. Sie kannte keine Schonung, war von großer Anspruchslosigkeit und eiserner Energie. Selbst als die Kräfte, besonders das Augenlicht infolge grünen Stars sie merklich verließen, lehnte sie jede Hilfe beharrlich ab. Kaum sechs Tag weilte sie im Krankenhaus in Greifwald, empfing am 17.09. gegen 11.00 Uhr von Herrn Kaplan W. Wenzel den Heiland und schlummerte beim Mittagsschläfchen 12.45 Uhr für immer ein. Sie ruht auf dem Friedhof in Zinnowitz in mitten ihrer Schwestern.
Schwester Damasas Lücke im Konvent wurde durch eine junge Professschwester, Schwester M. Irmina Oljenicki ausgefüllt. Sie übernahm die Bedienung der an Zahl wachsenden Gäste und Gasfamilien am Bau.
Am 01.10. verließen als Verlobte die Kindergärtnerin Frl. Story und unser Tischler, Herr Schuster unser Haus. Erstere nahm bis zur Hochzeit in der Ahlbecker Heimatkirche „Stella Maris“ am 05.10. 1968, eine leichter Stelle im Kindergarten Schwedt /Oder an und letzterer musste zum Militärdienst.
Im Oktober traf trotz herrlichen Wetters nur eine geringe Zahl von Kleinkindern ein. Dafür wagte die Berliner Schuljugend mit Herrn Kaplan Birkhahn und Herrn Pfr. Förster einen 12 tägigen Seeaufendhalt. Es war so herrlich warm, dass die Kinder noch mehrmals badeten.
An zwei schönen Oktobertagen gab es ein rechtes Kartoffelerntefest. Familie Hasenleder, Schwestern, Angestellte und Aspirantinnen beteiligten sich einmütig an der Bergung dieses wertvollen Produkts und hatten ihre Freude daran, während Schwester Oberinn das Ottoheim für 10 Tage Urlaub nach Berlin Schöneiche verließ.
Im November konnte durch Firma Pleuse Berlin das gesamte Ottoheim Gelände bis hin zur Wirtschaft mit einem neuen verzinktem Drahtzaun umgeben werden und so den störenden Durchgang Fremder entzogen werden.
Bereits in den Wintermonaten 1967/68 und in sich ergebenden Arbeitspausen das Jahr hindurch, ließ Herrn Rektor Lange, Maurer, Tischler, Klempner und Fliesenleger mit dem Umbau der zur ebenen Erde gelegenen Räume, der sogenannten I. beginnen. Der Ofen wurde entfernt, die Flügeltür zugemauert, getäfelte Decke eingezogen und der langgestreckte Raum für Erwachsene bzw. Gäste aufgeteilt.
Der Duschraum neben dem Eingang wurde vollständig umgewandelt und daraus Garderobe und Toilettenräume geschaffen.
Der geplante Umbau des Büros und die damit verbundene erweiterte Verlegung in die Essräume des Personals musste wegen Mangel an Arbeitskraft- und zeit aufgeschoben werden.
Wie bereits im Vorjahr nahmen in November und Dezember wieder einige Schwestern die Gelegenheit für einen kurzen Besuch im Mutterhaus Berlin Lankwitz wahr.
1968
Und wieder, wie im vergangenen Jahr erlebten die Schwestern eine Fortführung der Weihnachtsstille in den Tagen der hl. Exerzitien, gehalten von Herrn Prälat Joh, Zoda aus Berlin, mit dem Motto: Was sagt uns das II. Vatikanische Konzil im Dekret über die Ordensleute?
Zur gleichen Zeit tobte von Westen her mehrere Tage hindurch ein starkes Unwetter mit Schneetreiben und behinderte den Zug – und Fernverkehr erheblich.
Noch ehe die Januar Kur begann, wurde die Steintreppe im Neubau mit provisorischem Treppengeländer durch Wogaster und Berliner Arbeiter erstellt. Nun konnte an die Einrichtung der Station 6 und die Übernahme durch Frl. Elsner im Februar gedacht werden.
Ebenso an die Fertigstellung der kleinen Zimmer über der Station II. des sogenannten „Schlauches“. Zu diesen wirklich netten Zimmern für Begleitungen und Gäste machte sich das Fehlen eines eigenen Aufganges unangenehm bemerkbar. Der Ein- und Ausgang durch die Station 6 war für die Dauer nicht tragbar.
Die Station V. war ebenfalls fix und fertig und wurde von Schwester M. Vitalina übernommen.
Gleich nach der Februar Kur wurden die Frühlingsbauarbeiten mit Hochdruck betrieben. Geplant war: Abriss und Aufbau des einstigen Noviziates, der Station I. zu einer in sich vollständigen geschlossenen Station. Hierbei lag die Hauptarbeit im ausheben des Fußbodens, um etwa ein Meter für das Durchziehen der Heizungsrohre und Wasserrohre, wobei auch an einen späteren Erweiterungsbau gedacht wurde. Die Zimmerdecke wurde gleichfalls nach Möglichkeit gehoben.
Die dünnen Wände, nur Holz verschalt, durch 1,1/2 Steinmauer ersetzt und die Stationen durch Anordnungen von Wasch- und Dusch- und Küchenanlage, sowie Dienstzimmer wirklich leicht übersichtlich und schön gestaltet. Bis auf den Fußboden war bis zum Ferienbetrieb im Juli alles fertiggestellt und konnte erstmalig belegt werden.
Der April brachte uns zwei neue Kindergärtnerinnen, Frl. M. Masiok aus dem Berliner Seminar und Frl. E. Klose aus dem Erfurter Seminar.
Im Februar 1967 bereite hatten wir erstmalig Schwesternbesuch aus Polen in der Generalvisitatorin Schwester M. Caecilia. Die deutsch- polnische Freundschaft gestattete weiteren polnischen Schwestern eine Reise in die DDR. Wir freuten uns für einige Tage Schwester M. Agreda, Hausoberin vom Breslauer Mutterhaus, so wie Schwester M. Alfonsa und sogar Schwester M. Lauriana, Provinzialoberin der Branitzer Provinz im Konvent zu begrüßen.
Schwester M. Regina, Hausoberin aus Berlin Lausitzerstrasse überraschte uns mit einem zweistündigen Besuch während ihres Heimaturlaubes in Mecklinburg, um den Neubau und die Klausur in Augenschein zu nehmen. Für diese kurzen Stunden waren alle Grenzen gefallen, und Christi Liebe einte uns.
Im Juni wurde die Kapelle renoviert. Der immer noch stehende Steinaltar von 1953 wurde ganz entfernt, ebenso beide Seitenaltäre. Ein Maler aus Schwedt/Oder und Herr Maler Reuter aus Zinnowitz erneuerten den grauen Latexanstrich und die Graphitoarbeit im Pesbyterium und gaben dem übrigem Kapellenraum einen frohen sonnengelben Farbton. Die Sakristei wurde mit Wasseranlage versehen, aber die geplante Vergrößerung musste noch unterbleiben.
Parallel mit dem Umbau der Station I. liefen die Arbeiten im Haupthaus. Der geplante Einzug in die Klausur jedoch konnte erst zu Ostern stattfinden. Nur einige Schwestern bezogen bereits Weihnachten 1967 die ehemaligen Fremdenzimmer.
Herr Rektor Lange hatte schon im November 1967 die von ihm bewohnten Zimmer geräumt, war in Zimmer 20 gezogen, und hielt jetzt wieder Umzug in die frei gewordenen Zimmer der Schwestern im III. Stock.
In der Karwoche wurde die Klausur von Herrn Domkapitular Wessels aus Demmin eingeweiht. Auch Schwester Oberin wählte ihren Platz im untern Stock der Klausur und erhielt auf gleichem Korridor außerhalb der Klausur ein Arbeitszimmer, das dem Konvent zugleich als Sprechzimmer diente.
Die Kinderstation „ Zimmer 13“ im Haupthaus II. Stock, wurde ganz kassiert und dafür eine in sich geschlossene Wohnung : Arbeits- und Schlafzimmer, Bad und Küche für den Hausgeistlichen geschaffen. Von Herrn Rektor Lange wurde die Appartement nicht mehr bezogen, sondern am 15.08. von Kaplan Reinhard Wramba aus Berlin, der mit der Wahrnehmung der Seelsorge im St. Ottoheim betraut wurde.
Mit Wirkung vom 01.08.1968 erhielt Herr Pfarrer Josef Alker von Herz Jesu Zinnowitz Versetzung nach Oranienburg bei Berlin. Mit der freigewordenen Kuratiestelle wurde mit Wirkung vom 01.09. Herr Kuratus Gerhard Lange aus Zinnowitz unter Beibehaltung des Amtes als Rektor im St. Ottoheim betraut. Am 07.09., am Vorabend des schönen Festes “Maria Geburt“ war die Einführung durch Herrn Erzpriester Thamm aus Anklam.
Im Juni hatten wir eine starke Kleinkind – Belegung, viel geschlossene Kindergärten, viel Hilfspersonal, viele Baufamilien und Gäste im „ Bungalow“ und im „Schlauch“, denn die wachsenden Unkosten, so wie die mangelnden Arbeitskräfte infolge der 5- Tage Woche mussten irgendwie aufgeholt werden.
Der Saisonbetrieb im Juli zählte an 40 Erziehern und Helfern. Im August war es das Gleiche und dazu noch an 30 Bauhelfer mit Familien und laufend kamen noch dazu die Transportbegleitungen der Kindergruppen.
Auch diesmal weilte H. Kardinal Bengsch vier volle Wochen im St. Ottoheim. Er hatte wirklich eine Ausspannung nötig. Die wachsende Sorge in der Reinerhaltung des Glaubens in seinem Diasporabistum, sowie die christliche Lehre überhaupt, forderten stets wachen, tatkräftigen Einsatz. In diese zeit fällt die Veröffentlichung der Entzyklikar „Humanae Vitae“ durch Papst Paul VI., die gerade in deutschen Landen dem Hl. Vater so viel Missverständnis, Anfeindung und Verdrehung selbst unter dem Klerus und hochstehenden guten Katholiken eintrug.
Für Herrn Kardinal war sein Namensfest am 15. 08. inmitten 300 Gotteskindern ein Strahl der Hoffnung und der Freude.
Am 23. 08. durfte Schwester M. Adalberta Czech noch den 90. Geburtstag in voller körperlicher und geistiger Frische begehen. Von ihren fünf Geschwistern im Ordensstand war sie allein noch am Leben und darum sehr erfreut über den Besuch ihrer Nichte Frau Dr. Weber mit Familie aus Berlin. Herr Kardinal zelebrierte ein Ponifikalamt des Dankes und nahm teil an der Agape im Schwesternkreis.
Wir Schwestern erhielten am Tag „Aufnahme Mariens“ eine neue Prägung unserer Medaille und stellten uns so auf Neue unter den Schutz der unbefleckten Gottesmutter.
Unsere Schwester Rosaria, welche den Refektoriumsdienst versah, litt schon längere Zeit an Knochenveränderung und ihre Schmerzen im Bein und das zeitweise gänzliche Versagen veranlasste sie, das Gehen nur noch mit Hilfe von zwei Krücken zu wagen.
Auch Schwester M. Alma kränkelte an einer Nierensache und akutem Zucker, sowie Knochenveränderungen.
Am 15.09., nach der Professfeier von zwei Novizinnen im Provinzialat konnte Schwester Provinzialoberin Bernhildis dem Zinnowitzer Konvent mit einer jungen Schwester bereichern. So kam denn die Krankenschwester M. Andrea Gille zu uns und wurde der Aspirantur zugeteilt.
In jenen Tagen erreichte uns auch ein Brief mit zwei Fotografien der ehemaligen Ottoheim Oberin: Schwester M. Alkantara Silberbach. Die Schreiberin, kannte die genannte Schwester persönlich und ein Erinnerungsbild durch all die Jahre aufbewahrt. Sie hatte jetzt erst in Westdeutschland von dem Brandunglück 1964 vernommen, sich der tüchtigen Bau-Oberin erinnert und zwei Bilder reproduzieren lassen und dem Zinnowitzer Konvent zur großen Freude zugesandt. Schwester M. Alkantara lebte seit 1945 in Neisse, wo sie auch am 26.04.1957 starb. Auf ihren jahrelangen Wunsch, das Ottoheim noch einmal zu sehen, musste sie verzichten.
Einen tüchtigen Schlag erhielt der Bau durch die akute Erkrankung von Max Benke. Rektor Lange war seit Januar 1968 eigentlicher Baustellenleiter fürs St. Ottoheim und Herr Benke vom CV Berlin für das gesamte Bauwesten hatte weiterer Häuser übernommen. Als dieser unermüdliche Tag- und Nachtarbeiter als Leiter von 12 Baustellen zugleich ein merkliches Nachlassen seiner Sehkraft wahrnahm, stellte er sich den Universitäten Greifswald und Berlin. Sein Wohnsitz in Berlin Pankow ermöglichte ihm einen sofortigen Aufenthalt in der Charite. Der Augentumor wurde operativ entfernt, bedeutete aber für den jungen Menschen den Verlist eines Auges. Gottes unbegreifliche Vaterliebe hatte ihn heimgesucht und kettete ihn durch äußere und innere Leiden fester an sich.
Im September füllte sich nochmals das Heim mit einer starken Belegung durch 200 Kleinkinder. Es war warmes, herrliches Spätsommerwetter und bis zum 15.09. konnten selbst die Kleinen sich froh am und im Wasser tummeln.
Im Oktober sank plötzlich die Zahl der vorschulpflichtigen Kurteilnehmer auf 50. Durch die 200 Berliner Schulkinder in den 8 Tagen der Herbstferien wurde aber wieder einiges aufgeholt.
Im November und Dezember blieb die Zahl gering und schwankte zwischen 30 und 40 Kindern.
Inzwischen war auch vom Rektor Lange und Architekt Feitel die Schaffung eines eigenen „Schlauch- Treppenaufganges“ gefunden. Die alten Waschräume und Besenkammern im Zwischentrakt M1 und M2 waren überflüssig. Ein Umbau nach der Saison wurde sofort in Angriff genommen. Einen Aufenthaltraum für das Kurpersonal, ein Dienstzimmer für Station II. ,sowie den gewünschten eigenen Aufgang und im Obergeschoss wurden noch zwei weitere Räume geschaffen.
Am 07.10. konnte bereits der Dachstuhl von einigen freiwilligen Berliner Facharbeitern gesetzt werden und ein kleines Richtfest mit dem Erntedankfest verbunden werden.
Im Oktober erhielten wir den Entwurf der um- bzw. neuerarbeiteten Konstitutionen durch Herrn Weihbischof und Kurator Heinrich Theissing. Diese Vorlage verpflichtete jede Schwester intensiv an den Erneuerungsbestrebungen gemäß dem II. Vatikanischen Konzil aktiv teilzunehmen in der Vorbereitung auf das 1969 fällige Generalkapitel.
Am 08.12. feierten wir den Namentag von Schwester Oberin Gunthildis ein schönes Familienfest, wozu das Provinzialat in Berlin uns für das renovierte Refektorium und die vervollständigte kleine Küche komplett neues Geschirr besorgte.
Ein kleiner Schatten fiel jedoch auf diesen Tag, weil Schwester M. Adalberta sich am 07.12. den Arm brach, infolge eines kleinen Schlaganfalls, der sie ans Bett kettete, sich wiederholte und sie am 19.12. morgens um 8.00 Uhr in hohen Alter von 90 Jahren bei vollem und klarem Bewusstsein durch Herzschwäche in die ewige Heimat entführte. Der 4. Adventsonntag als Beerdigungstag ermöglichte der Zinnowitzer Gemeinde eine rege Teilnahme und war allen zugleich eine rechte Weihnachtseinstimmung und Bekräftigung des Wortes: „Er wird wiederkommen!“ Im Mai hatte sie noch in dankbarer Freude das seltene Fest des steinernen Ordensjubiläums gefeiert und eine Krone aus Myrthe, Silber, Gold und Bernstein hatte sie an jenem Tag geziert, weil sich der größte Teil ihres Lebens in der pommerschen Diaspora und an der „Bernsteinküste“ abgespielt hatte.
Es scheint als hätte Schwester M. Adalbertas Tod nur einem kleinen neuen Erdenbürger Platz bereitet, denn am 16.12. wurde unserem Wirtschafter, Herrn E. Hasenleder in der kleinen Maria als zweites Kind die langersehnte Tochter geschenkt und dem fünfjährigen Norbert ein Schwesterchen, dem er voll Stolz am 28.12. in der Ottoheim Kapelle bei der hl. Handlung durch Herrn Kuratus Lange die Taufkerze hielt.
Chronik nach Zeitabschnitten: 1947–1961 | 1962–1968 | 1969–1974 | 1975–1979 | 1980–1985


